Gurlitt-Bilder

04. Juli 2014 11:25; Akt: 04.07.2014 11:52 Print

Kunstmuseum Bern will Ende Jahr Entscheid fällen

Das Berner Kunstmuseum will die Frist ausschöpfen und wohl erst zum Jahresende über die Annahme des Gurlitt-Erbes befinden. Einige Bilder sind wohl Raubkunst.

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Die Gurlitt-Bilder sollen nach Bern kommen. Gurlitt hatte kurz vor seinem Tod die wertvolle Kunstsammlung dem Kunstmuseum Bern vermacht. Doch auch Gurlitts Cousine Uta Werner machte Ansprüche auf das Erbe geltend. Das Berner Kunstmuseum, im Bild Direktor Matthias Frehner, kann das Erbe antreten. 2014 gab die Staatsanwaltschaft bekannt, dass die Beschlagnahmung der Bilder aufgehoben wird. Cornelius Gurlitt wurde im November 2013 von «Paris Match»-Journalisten beim Einkaufen in München fotografiert. Ein ganzes Leben hatte er damit verbracht, möglichst kein Aufsehen zu erregen. (18.11.2013). Der angeblich untergetauchte Kunsthändler hatte sich die ganze Zeit in seiner Münchner Wohnung aufgehalten, aber nie auf das Klingeln reagiert. Die Polizei präsentierte den Medien einige der Bilder am 5. November 2013: , Herkunft: Kunst- und Gewerbemuseum in Moritzburg. . In der Münchner Sammlung wurden weitere Zeichnungen und Skizzen Liebermanns gefunden. In der Münchner Wohnung des Kunsthändlers Cornelius Gurlitt stellten Zollfahnder im Frühling 2012 über 1400 während der Nazi-Zeit verschollene Kunstwerke sicher. Weil Gurlitt in Deutschland nicht gemeldet war, dauerte es Monate, bis die Behörden seine Wohnung fanden (im Bild: Die Eingangstür zum Haus in München). Bei den Bildern handelte sich unter anderem um Werke von Pablo Picasso, Henri Matisse, Marc Chagall, Emil Nolde, Franz Marc, Max Beckmann, Paul Klee, Oskar Kokoschka, Ernst Ludwig Kirchner, Max Liebermann und Albrecht Dürer. Die Sammlung soll einen Wert von rund einer Milliarde Euro haben. So hat auch die Berner Galerie Kornfeld (im Bild der Besitzer Eberhard Kornfeld) Bilder von Gurlitt verkauft. Nach dem Verkauf des «Löwenbändigers» vermuteten die Ermittler, dass Gurlitt noch weitere Verstecke mit Kunstwerken hatte. Später kamen sie von dieser Theorie ab. Die deutschen Behörden fragten in den Sechzigerjahren bei der Witwe nach den Bildern. Doch Helene Gurlitt behauptete, alle Gemälde und Unterlagen seien bei einem Bombardement in Dresden verbrannt.

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Das Kunstmuseum Bern wird vermutlich erst gegen Ende Jahr über Annahme oder Ausschlagung der Gurlitt-Erbschaft entscheiden. Zur Klärung der offenen Fragen werde man voraussichtlich die gesamte Sechs-Monate-Frist ausschöpfen müssen, teilte das Haus am Freitag mit.

Der Stiftungsrat setzte eine Rechtsvertretung ein, um die vielfältigen Fragen rund um den Nachlass klären zu lassen. Dabei handelt es sich um die Anwaltskanzlei CMS von Erlach Poncet AG in Zürich, die Partnerkanzleien in München, Berlin und Wien hat. Für die Gesamtleitung verantwortlich ist Beat von Rechenberg.

Umstrittene Sammlung vermacht

Die Kontakte mit den Behörden in München und Berlin seien hergestellt, schreibt das Kunstmuseum Bern weiter. Ziel der laufenden Arbeiten sei es, eine verlässliche Grundlage für den Entscheid über Annahme oder Ausschlag der Erbschaft zu schaffen.

Der im Mai verstorbene Kunstsammler Cornelius Gurlitt hat das Kunstmuseum Bern als Alleinerben eingesetzt. Zum Nachlass gehört Gurlitts komplettes Vermögen inklusive der umstrittenen, millionenschweren Kunstsammlung. Ein Teil der Sammlung steht unter Nazi-Raubkunstverdacht.

(sda)