«Könnte nur noch weinen!»

24. November 2019 16:04; Akt: 24.11.2019 18:53 Print

Wind zerstört beliebte Bar auf dem Lauberhorn

Während man im Mittelland am Samstag teils nur ein schwaches Lüftchen wahrnahm, wütete auf dem Lauberhorn ein heftiger Föhnsturm.

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Am Samstag tobte ein Föhnsturm in der Schweiz. Die stärkste Böe wurde in Meiringen im Berner Oberland gemessen – mit 137 Stundenkilometern fegte der Wind dort übers Land.

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Zeitgleich wütete der Orkan auch auf dem 24 Kilometer entfernten Lauberhorn oberhalb von Wengen BE. Die starken Winde verwüsteten dort die beliebte Skibar von Beni Scheiber. «70 Prozent meines Blockhauses sind zerstört», sagt der Wirt zu 20 Minuten, «ich könnte nur noch weinen.»

Heftige Kräfte führten Unglück herbei

Seit 2002 steht Scheibers Start-Bar oben auf den Berg. So mancher Sturm fegte in den letzten 17 Jahren über das Holzhaus. «Böen von 269 Stundenkilometern hat das Haus schon standgehalten», sagt Scheiber. Doch jetzt, am Nachmittag des 23. November, konnte das Gebäude den Kräften des Sturms nicht standhalten. Für Scheiber ist klar: «Das Dach wurde vom Wind angesogen und dann fortgeblasen.»

Meteorologe Klaus Marquardt von MeteoNews erklärt das Phänomen: «Überströmen Luftmassen ein Objekt, entsteht ein dynamischer Auftrieb – wie ein Flugzeug abhebt, könnte so auch das Dach der Start-Bar Auftrieb bekommen haben.» Auch hätten wohl noch andere Faktoren das Unglück auf dem Lauberhorn heraufbeschworen: «Die Windrichtung und auch die Impulse der einzelnen Böen sind sehr entscheidend», so Marquardt. Würde etwa auf einen gleichmässigen Wind plötzlich eine starke Böe folgen, wirke sich das Trägheitsgesetz negativ aus. Marquardt: «Diese abrupte Böe verursacht dann Schäden.»

Auf dem Lauberhorn wirbelte eine Böe das ganze Dach durch die Luft, das Konstrukt landete schliesslich rund 50 Meter vom Blockhaus entfernt im Schnee. Dann wütete der Sturm im Innern des abgedeckten Hauses weiter.

Materieller, aber auch emotionaler Schaden

Zwischenzeitlich haben sich die Winde zwar gelegt, vor Ort bleibt jedoch eine grosse Zerstörung zurück. Ob die Skibar wieder aufgebaut werden kann, weiss Scheiber noch nicht. «Zusammen mit einem Statiker, einem Architekten und dem Blockhausbauer muss ich nun schauen, was wir für die Start-Bar noch tun können», sagt der Wirt.

Doch nicht nur der materielle Schaden macht Beni Scheiber zu schaffen: «So viele Souvenirs der letzten 17 Betriebsjahre wurden durch den Sturm zerstört.» Andenken an Stammgäste, Freunde und Ski-Legenden habe der Wind mir nichts, dir nichts vernichtet: «All diese Schätze werde ich nicht mehr retten können.»

Doch der leidenschaftliche Wirt der Start-Bar will das Handtuch trotz des ganzen Chaos nicht werfen. So sagt Scheiber zuversichtlich: «Ich hoffe, dass ich den Barbetrieb spätestens am 24. Dezember wieder aufnehmen kann und wir dann hier oben wieder im Einvernehmen mit der Natur leben und wirten können.»

(miw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chregu am 24.11.2019 16:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sturm

    Gegen die Kraft der Mutter Natur ist halt leider kein Kraut gewachsen. Ich wünsche dem Wirt, dass er seine Bar wieder eröffnen kann und hoffe, dass alles wieder gut wird.

  • Stamgast am 24.11.2019 16:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stamgast

    Ich freue mich auf die Wiedereröffnung :) Viel Erfolg!

  • Putzsportkungfu am 24.11.2019 16:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es tut mir leid

    Ich wünsche ihnen viel kraft.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • San Franziskaner am 24.11.2019 23:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weckruf der Natur

    Wieder einmal zeigt sich an diesem tragischen Beispiel das furchtbare Ausmass unseres verantwortungslosen Handels. Nicht nur rotten wir die halbe Tier- und Pflanzenwelt aus, sondern wir zerstören auch unsere Berge, Atmosphäre, Ozonschicht, Meere und jetzt noch das Klima und uns. Wann endlich hören ALLE zu und kehren zurück in ein bescheidenes, anspruchsloses Leben ohne Luxusvergnügung? Ja, wIHR, die hier direkt und persönlich Angesprochenen, können nicht mit der Tour kommen andere seien ja schlimmer, daher brauchen wIhr ja nichts zu tun. Nein, das läuft hier nicht und wIHR ALLE müssen handeln!

  • Ich am 24.11.2019 23:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    der Schaden ist gross

    Für den Wirt und Eigentümer dieser beliebten Bar ist der Schaden grausam, gerade jetzt wo die Skisaison startet. Er wird wohl in dieser Saison höchstens mit einem Provisorium Vorlieb nehmen müssen. Auch wenn es nur materiellen Schaden gab, kann es den Wirt finanziell total ruinieren, denn meist versichert man sowas nicht zum Zeitwert und das schädigt jeder der ein solches Unikat aufgestellt hat.

  • Elfenreich am 24.11.2019 22:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitter

    Gottseidank ist niemand zu schaden gekommen. Ich halte fest die Daumen,dass der Betrieb am 24.Dezember wieder voller Elan ihre Gäste Bewirten können. Alles gute für eure Zukunft.

  • Majk am 24.11.2019 22:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wind zerstört Bar

    Mein Eigenheim wurde auch durch einen Sturm zerstört. " Vivian". Ein massives Holzhaus. Ich konnte damals auch weinen, verlorenen Andenken. Musste vorwärtsschauen, ohne Hilfe " Vater Staat und all jenes drum und drann". Es gab nicht die Mediale Berichterstattung wie heutzutage. Alarm! Blockhaus weggefeht. Mit der Natur leben ist die beste Medizin.. Noch besser, Sie kennen zu lernen.

  • Stamgast am 24.11.2019 22:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kraft

    Viel Kraft es kommt wieder gut