Neues Modell

23. April 2017 11:07; Akt: 23.04.2017 11:17 Print

Lehrlinge sollen weniger die Schulbank drücken

Um die Lehre zu flexibilisieren, sollen Lehrlinge weniger Zeit in der Schule verbringen. Was national diskutiert wird, testet Bern in einem Versuch.

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Schüler der Gewerblich-Industriellen Berufsschule Bern könnten bald eine Reduktion der Präsenzzeit geniessen. (Bild: Keystone/Marcel Bieri)

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Zuerst sollen Lehrlinge das lernen, was sie im Betrieb am dringendsten brauchen. Weiter soll die Berufslehre flexibilisiert werden, indem mehr auf Selbststudium gesetzt wird. Dadurch würden auch längere Auslandeinsätze möglich.

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Sollen Lehrlinge weniger Zeit in der Berufsschule verbringen?
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68 %
4 %
Insgesamt 1918 Teilnehmer

Wie die «NZZ am Sonntag» schreibt, arbeitet die Gewerblich-Industrielle Berufsschule Bern an einem solchen Modell. Durch die Auflösung der Reihenfolge der Pflichtmodule und die Einführung von Selbstlern-Elementen soll die Präsenzzeit von maximal zwei auf bis zu einen Tag pro Woche reduziert werden.

Noch nicht für alle

Profitieren können vorerst nur rund 1000 der 7700 Schüler des Instituts – also die, die eine Informatiklehre absolvieren. Das Ziel sei es aber, dass irgendwann das gesamte Modell der Lehre revidiert werde. «Die Digitalisierung der Wirtschaft erfordert auch neue Modelle der Stoffvermittlung in den Berufsschulen», konstatiert Cornelia Oertle, Direktorin des Eidgenössischen Hochschulinstituts für Berufsbildung, gegenüber der NZZaS.

Das Selbststudium würde in den meisten Berufsbildern bereits tendenziell zunehmen. Ausserdem fördere es die Selbstständigkeit der Lehrlinge, sagt sie.

Schweizweite Ambitionen

Die flexiblere Gestaltung der Lehre wird bereits auf Bundesebene im Rahmen der Vision Berufsbildung 2030 diskutiert. Beteiligt sind neben Bildungsminister Johann Schneider-Ammann (FDP) Vertreter aus Politik, Wirtschaft und der Arbeitnehmer.

Die Berner sehen sich in der Richtung als Vorreiter: «Das Projekt hat Modellcharakter und soll landesweit Schule machen», sagt Theo Ninck, Vorsteher des Berner Mittelschul- und Berufsbildungsamtes, zur Zeitung.

Nicht unbestritten

Gegen den Berner Versuch regt sich aber auch Widerstand. Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbands, warnt laut der NZZaS davor, dass die Sozialisierung der Jungen in der Berufswelt unter dem Lernen zu Hause leiden könne.

«Die Ausbildungszeit, die nicht mehr in der Schule verbracht wird, darf vom Unternehmen nicht in Arbeitszeit umgewandelt werden», mahnt auch Laura Perret, Zentralsekretärin beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund.

(las)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Wütender KV-Lehrling am 23.04.2017 11:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit

    Die Schule ist für manche einen Ausgleich zum langweiligen Arbeitsleben. Als wäre es nicht schon eine genug grosse Umstellung vond der Sekundarschule zur Lehre. Pfui!!

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  • Fröschli am 23.04.2017 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstdisziplin wird unterschätzt

    Ich bin ehrlich gesagt froh, das ich währen meiner Lehrzeit mit BM jeweils an zwei vollen Tagen Schule hatte, welche ich nicht im Selbststudium erarbeiten musste. Jetzt wo ich studiere schätze ich sehr, dass ich so vieles schon im KV gelernt habe, diese Grundlagen sind unheimlich wichtig auch wenn man das evt. erst im Studium oder in einer Weiterbildung bemerkt. Ich sehe wie viel Selbstdisziplin es im Studium ganz ohne Präsenzzeiten braucht um dabei zu bleiben, im KV ist diese je nach Stufe nicht oder viel zu wenig vorhanden, was in dem Alter ja auch teilweise normal ist.

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  • Don Logan am 23.04.2017 11:16 Report Diesen Beitrag melden

    ein Versuch

    Grossfirmen können sich das leisten, d.h. interne Förderungen von Lehrlingen am Arbeitsort. Während kleinere Firmen aus finanziellen und personellen Gründen damit überfordert sind.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Philippe (GIBB-Schüler) am 24.04.2017 11:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hammer Idee

    Ich finde dies eine super Idee! Die Schüler können viel profitieren, da man selbständiger wird und da man somit flexiblere Zeiten hat und diese dem optimalen Tagesrythmus anpassen kann. So kann man länger schlafen und dennoch gleich viel Zeit in die Schule investieren, ohne dass man Zeit für den Weg verliert. Ausserdem sind die Lehrer an der GIBB sowieso nicht wirklich gut, weshalb mit bereits verwendeten Screencasts und Videotutorials Abhilfe geschaffen werden kann. So kann der Schüler auch sein persönliches Lernmaterial verwenden bzw. aussuchen, ob er es mit Videos, Texten oder anderen Medien erlernen möchte. Ich hoffe, dies wird noch umgesetzt, solange ich die GIBB besuche... Die beste Idee, die die GIBB jemals hatte!!!

  • Ernst Schmunzel am 24.04.2017 09:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bin so was von begeistert

    Hatte selber auch nur 1 Tag pro Woche Schule und lernen zu arbeiten find ich prima, tut jedem gut. Was soll da neu sein? Dann pilotiert mal schön was schon Jahrelang geklappt hat ;-))

  • hukle am 24.04.2017 08:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bewährtes Modell

    Warum soll man ein Modell, das sich über Jahre hinweg bewährt hat plötzlich ändern? Ich gehe davon aus, dass da Druck von Arbeitgeberseite gemacht wird, damit die Lehrlinge einen Tag weniger in der Schule sind und die Unternehmen mehr von den Lehrlingen profitieren können.

  • Fort Schritt am 24.04.2017 07:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wohin soll das noch führen?

    In der Schweiz fehlen Fachkräfte und unsere Ausbildungen verkommen zu einem JEKAMI. Nicht nur die Lehrzeit, nein auch die Grundschulzeit. Und das Ganze ist auch nur eine Augenwischerei, damit werden Sparmassnahmen "schön" oder unter dem Deckmantel Fortschritt verpackt. Wohin soll das noch führen???

  • Mark Speiser am 23.04.2017 21:38 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Ausbildung wird immer wichtiger

    Das Berufsleben wird immer anspruchsvoller. Ich denke nicht, dass eine Reduktion der schulischen Bildung ein probates Mittel ist, um dieser Entwicklung gerecht zu werden. Die wenigsten können sich das nötige Rüstzeug auf eigene Faust erarbeiten. Wahrscheinlich sind sie in der GIBB in der Informatik auf diese Idee gekommen, weil in deren Schulhaus, einer Fehlkonstruktion, im Sommer eine Bruthitze von über 30°C herrscht weil Klima/Lüftung nicht funktioniert, so dass die Schüler da nicht mehr hin müssen. Unter solchen Bedingungen kann man auch nichts lernen.

    • marko 32 am 23.04.2017 21:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mark Speiser

      Yes

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