Selbständige Arbeit

21. Januar 2019 05:45; Akt: 21.01.2019 05:45 Print

Lehrling sucht Ghostwriter für wichtige Arbeit

von B.Hostettler - Auf Social Media sucht ein Lernender einen Ghostwriter, der für ihn die selbständige Arbeit (SA) schreibt. Dies könnte negative Folgen haben.

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Eine Arbeit schreiben: Recherchieren, Formatieren, Schreiben, Stunden in der Bibliothek verbringen... ...und die erbrachte Leistung schliesslich zeitgerecht abgeben. Um diesem Aufwand zu entkommen, sucht eine Person aus Burgdorf nun anonym nach einem Ghostwriter für ihre selbständige Arbeit (SA). Der Aufruf löste zahlreiche Reaktionen aus. Manche wunderten sich und drückten ihr Unverständnis aus. Es gab jedoch auch solche, die dem Lernenden ihre Hilfe anboten. 20 Minuten sprach mit dem Mittelschul-Berufsbildungsamt des Kantons Bern. «In unserem Amt ist nicht bekannt, dass jemand erwischt worden wäre, der seine Arbeit durch eine fremde Person hat schreiben lassen», so Vorsteher Theo Ninck. Die Lernenden würden von den Lehrpersonen jeweils gut begleitet werden Sowieso sei das Endergebnis nur sekundär. «Die selbständige Arbeit ist ein Lernprozess, der Prozess zählt, nicht einfach nur das Schlussergebnis. Mittels einer Plagiatssoftware überprüfe man zudem die Arbeiten, und: «Die Schüler müssen am Schluss eine Selbständigkeitserklärung unterschrieben.» Diese Selbständigkeitserklärung macht das Ghostwriting auch rechtlich relevant.«Die Studenten bestätigen damit die Eigenleistung», so Rechtsanwalt Martin Steiger. Rechtlich gesehen befindet sich das Ghostwriting in einer Grauzone. Das grössere Problem seien jedoch die disziplinarischen Strafen einer solchen Tat: «Man könnte die Lehrstelle verlieren. Jeder Lehrbetrieb reagiert da unterschiedlich.» In einem Punkt sind sich die Parteien einig: Der Aufruf der Person in den sozialen Medien ist aussergewöhnlich und spricht für eine grössere Verzweiflung der Burgdorferin. Eine spezialisierte Firma aus Bern bietet der lernenden Person sogar Unterstützung an. Ein Mitarbeiter schreibt: «Wir helfen dir gerne. Gruss» Mittlerweile ist der Eintrag gelöscht. Auf Nachfrage von 20 Minuten erklärt der Betrieb, dass man kein Ghostwriting anbieten würde und der Eintrag auf eine «falsche Kommunikation» hindeute.

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Recherchieren, formatieren, schreiben, Stunden in der Bibliothek verbringen und die erbrachte Leistung dann zeitgerecht zu Papier bringen: Um diesem Aufwand für eine Arbeit zu entkommen, sucht eine Lehrtochter oder ein Lehrling aus Burgdorf nun anonym nach einem Ghostwriter für ihre selbständige Arbeit (SA).

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«Da ich beruflich sehr viel zu tun habe, suche ich jemanden, der mir die Arbeit schreiben könnte», heisst es im Post. Die Arbeit solle etwa 10 bis 15 Seiten umfassen und werde auch dementsprechend vergütet. Die Anforderungen an den Ghostwriter seien nicht hoch: «Die Sprache würde ich selbst korrigieren. Es sollte lediglich eine erste Version geschrieben werden, die aber nicht perfekt sein muss.»

«Man könnte die Lehrstelle verlieren»

Der Aufruf löste zahlreiche Reaktionen aus. Manche wunderten sich und drückten ihr Unverständnis aus, es gab jedoch auch solche, die dem Lernenden ihre Hilfe anboten.

Wie oft sind solche Fälle? «In unserem Amt ist nicht bekannt, dass jemand erwischt worden wäre, der seine Arbeit durch eine fremde Person hat schreiben lassen», so Theo Ninck, Vorsteher des Mittelschul-Berufsbildungsamts des Kantons Bern. Die Lernenden würden von den Lehrpersonen jeweils gut begleitet. Sowieso sei das Endergebnis nur sekundär. «Die selbständige Arbeit ist ein Lernprozess, und dieser zählt, nicht einfach nur das Schlussergebnis.» Mit Hilfe einer Plagiatssoftware überprüfe man zudem die Arbeiten. Und: «Die Schüler müssen am Schluss eine Selbständigkeitserklärung unterschrieben.»

Diese Erklärung macht das Ghostwriting auch rechtlich relevant.«Die Studenten bestätigen damit die Eigenleistung», so Rechtsanwalt Martin Steiger. Rechtlich gesehen befindet sich das Ghostwriting in einer Grauzone. Das grössere Problem seien jedoch die möglichen disziplinarischen Strafen für eine solchen Tat: «Man könnte die Lehrstelle verlieren. Jeder Lehrbetrieb reagiert da unterschiedlich.»

Aussergewöhnlicher Aufruf

In einem Punkt sind sich die Parteien einig: Der Aufruf der Person aus Burgdorft in den sozialen Medien ist aussergewöhnlich und spricht für eine grössere Verzweiflung. Eine spezialisierte Firma aus Bern etwa bot der Person Unterstützung an. Ein Mitarbeiter schreibt: «Wir helfen dir gerne. Gruss»

Mittlerweile ist der Eintrag gelöscht. Auf Nachfrage von 20 Minuten erklärte der Betrieb, dass man kein Ghostwriting anbieten würde und der Eintrag auf eine «falsche Kommunikation» hindeute. Der Lernende wollte sich gegenüber 20 Minuten nicht zum Eintrag äussern.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lehrling am 21.01.2019 06:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehe das Problem nicht

    Ich verstehe nicht, wieso die Person da Hilfe braucht. Ich bin nun auch im letzten Lehrjahr und musste eine Vertiefungsarbeit(VA) schreiben und hatte ebenso viel im Betrieb zu tun. Da heisst es doch einfach Zuhause daran zu arbeiten und vielleicht ein Wochenende mal nicht feiern gehen.

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  • snickers am 21.01.2019 05:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit

    Ich musste auch gerade eine Arbeit abgeben von 25 seiten und ja es ist viel neben dem Job,Haushalt etc. aber man muss halt die richtigen Prioritäten setzten! Die Lehrzeit ist anstrengen, keine frage trotzdem geht es.

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  • Lemlem am 21.01.2019 07:18 Report Diesen Beitrag melden

    und später?

    Ich kann mit nicht vostellen, was einen Lehrling beruflich so sehr beschäftigt, dass er sich dieser kleinen Arbeit nicht widmen könnte.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Remo Furrer am 21.01.2019 13:43 Report Diesen Beitrag melden

    Sklavenarbeit

    Das Arbeiten schreiben wird heute massiv überbewertet. Die meisten Arbeiten gerade auf Lehrlinsniveau sind untereirdisch schlecht und sie bestehen trotzdem. Schafft diese übertriebene Bürokratie des Arbeitschreibens ab. Man sollte besser vermitteln, wie man etwas gut zusammen fasst, auf den Punkt bringt und wie man sich auf das Wichtigste konzentriet. Arbeiten schreiben ist meist eben nur eine Fleissarbeit und bringt nichts, ausser demütige Sklaven und viel Papier wirkliche Erkenntnis.

  • Dan am 21.01.2019 12:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum nicht von Anfang an?

    Also doch ein Mann... es ist geschrieben, dass es Personen gab, die dem Lernenden helfen wollten.

  • pomme am 21.01.2019 09:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Anstellung

    Und am Schluss der Sache findet man aufgrund mangelnder Erfahrung keine Anschlussstelle. Dabei bringen Lehrabschlussgänger eine vielfältige Ausbildung mit sich. Da muss etwas auf politischer Ebene geschehen.

  • sareia am 21.01.2019 09:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht jeder hat dein mut

    vielleicht hat diese person gaanz einfach wichtigeres zu tun. den ganzen tag arbeiten und am abend lernen macht nun mal kein spass. soll diese person ihre wenige freizeit nutzen um wirklich wichtige dinge zu tun. mit wirklich wichtig meine ich dinge die dein herz berühren, sachen die einem glücklich machen.

  • MatteoElStriker am 21.01.2019 09:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zu faul

    Keine Zeit für 15 Seiten. Am Wochenende sich aber wegsaufen. Hab letztes Jahr eine VA (Vertiefungsarbeit) schreiben müssen (~30 Seiten). Der Lehrer hätte es nie gemerkt, wenn ich ein Ghostwriter beauftragt hätte. Hab viele Stunden investiert und am Schluss ein 5.5 bekommen :)