Migros Aare

20. März 2020 06:48; Akt: 20.03.2020 10:37 Print

Lehrlinge müssen jetzt an Schultagen arbeiten

Anstatt zu Hause Schulaufgaben zu erledigen, sollen Lernende der Migros Aare in den Filialen anpacken. Einige stossen dabei an ihre Grenzen.

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Die Angestellten in den Schweizer Supermärkten haben derzeit alle Hände voll zu tun. «Die Situation ist sehr belastend. Wir sind bereit, unseren Anteil zu leisten, stossen aber an unsere Grenzen», sagt eine Lernende, die bei der Genossenschaft Migros Aare arbeitet. Von ihr und ihren Mitstiften werde derzeit viel gefordert.

Obwohl die Berufsschule angeordnet hat, dass der Unterricht fortan zu Hause stattfinden soll, sind die Lernenden der Migros Aare aktuell Vollzeit in den Läden anzutreffen: «Der Fernunterricht wird nicht wie kommuniziert zu Hause gemacht, sondern in den Filialen», schrieb die Migros ihren Lernenden in einer E-Mail. Sobald die Lernenden die Aufgaben erledigt hätten, müssten sie wieder in der Filiale anpacken.

«Man verlangt nun vor mir, meine Schulaufgaben so schnell wie möglich zu erledigen, damit man mich im Betrieb einsetzen kann», sagt die Lernende zu 20 Minuten. Auch anderen Migros-Lehrlingen gehe es so. Dies führe dazu, dass die Lehrlinge den Schulstoff vernachlässigten. Dabei stünden im Sommer bereits die Abschlussprüfungen an: «Wenn sich die Lage nicht beruhigt, mache ich mir ernsthaft Sorgen, wie ich all das unter einen Hut bringen soll.» Hinzu komme, dass man sich im Sitzungszimmer der Filiale nicht richtig konzentrieren könne: «Immer wieder ertönen die Lautsprecher, Mitarbeiter kommen und gehen. Es herrscht Aufregung im Betrieb.»

Ausserordentliche Situation

Auf Anfrage von 20 Minuten nimmt die Genossenschaft Migros Aare Stellung: «Wir befinden uns momentan in einer ausserordentlichen Situation und diese erfordert von allen Menschen ausserordentliche Mithilfe», sagt Mediensprecherin Andrea Bauer. Auch von den Lernenden brauche es in einer solchen Zeit Solidarität und Einsatzbereitschaft. «In unseren Supermärkten sind all unsere Mitarbeitenden gefordert und leisten oft Extraschichten und Überstunden, damit die Gestelle für unsere Kundschaft aufgefüllt sind», sagt Bauer weiter. Die Lernenden würden aber genügend Zeit erhalten, ihre Schulaufgaben zu erledigen.

Verständnis der Prüfer

Dass der Fernunterricht in den Filialen durchgeführt wird, ist laut Sven Sievi, Geschäftsführer von Bildung Detailhandel Schweiz BDS, erlaubt: «In Ausnahmesituationen ist es im Detailhandel mit Bewilligung der kantonalen Behörde möglich, dass Lernende bei Personalmangel im Betrieb eingesetzt werden, anstatt dem Fernunterricht zu folgen», so Sievi.

Für die ausserordentliche Situation hat die Lernende aus der Migros-Filiale Verständnis: «Ich und die anderen Lehrlinge wollen unseren Beitrag leisten, damit diese Gesellschaft auch in den nächsten Tagen und Wochen funktioniert.» Aber: «Ich zähle darauf, dass die Lehrer und Prüfer im Sommer auch entsprechend Verständnis mit uns haben werden.»

Unter welchen Umständen die Abschlussprüfungen stattfinden werden, ist noch nicht bekannt: «Im Moment wird besprochen, wie die Abschlussprüfungen absolviert werden können», weiss Sievi. Dieser versteht die Sorgen der Lernenden, sieht aber auch den Druck, dem die Lebensmittelhändler derzeit ausgesetzt sind. «Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation. Es muss sich alles erst noch einpendeln.»

Coop setzt Mitarbeitende aus Non-Food-Bereich ein

Auch bei Coop wird im Moment jeder Angestellte gebraucht: «Mitarbeitende aus den geschlossenen Non-Food-Formaten helfen in den Supermärkten aus», sagt Patrick Häfliger, Mediensprecher von Coop. An Schultagen müssten Lernende nicht im Betrieb mithelfen. Falle die Schule jedoch aus, würden auch die Stifte gebraucht: «An schulfreien Tagen werden sie nach Möglichkeit im Betrieb eingesetzt», so Häfliger.

(rc)