13. April 2005 12:29; Akt: 13.04.2005 12:29 Print

Libero-Tarifverbund 120 Tage nach der Einführung

120 Tage nach Einführung des «Libero»-Tarifverbundes ziehen die Verantwortlichen ein positives Fazit: Libero sei ein «Erfolgsprodukt».

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Die vom Preisüberwacher kritisierten Abo-Preise werden nicht gesenkt, stattdessen gibts eine neue PR-Kampagne. Die beteiligten 15 Transportunternehmungen hätten es geschafft, fünf alte und unterschiedliche Tarifsystme zu vereinheitlichen, sagte Anna Barbara Remund, die Vorsitzende der Libero- Direktionskonferenz am Mittwoch vor den Medien in Bern. Das Ziel der Mobilität mit einem Fahrausweis sei damit Realität geworden.

Neue Info-Kampagne

Von den zahlreichen Kundenreaktionen seien nur rund 10 Prozent negativ ausgefallen. Meist hätten Leute reklamiert, die für ihr Abonnement seit Mitte Dezember mehr bezahlen müssten.

Schwierigkeiten räumte Remund bei der Information jener Fahrgäste ein, die mit Einzelbilleten unterwegs sind und denen das Zonensystem bisher fremd war. Zeitweise hätten pro Tag rund 50 telefonische Anfragen beantwortet werden müssen.

Um die Informationslücken bei der Kundschaft zu schliessen, soll deshalb ab Mitte April eine neue Informationskampagne starten, die den Nutzen von Libero aufzeigen soll.

«Keine neuen Ungerechtigkeiten»

Reagieren will der Verbund damit auch auf die Kritik an den neuen Fahrpreisen besonders bei den Abonnementen. Mit der Einführung von Libero im Dezember waren in Teilen der Regionen Bern und Solothurn die Abo-Preise teils massiv in die Höhe geschnellt. Inhaber eines Jahresabos zahlten zum Teil bis zu 340 Franken mehr.

Preisüberwacher Rudolf Strahm hatte Mitte Januar eine Reduktion der Preisaufschläge verlangt. Letzte Woche war bekannt geworden, dass mit Strahm keine Einigung erzielt worden ist.

Weil Libero seit Jahren bestehende Ungerechtigkeiten korrigiert habe und die Fahrdistanz für die neuen Preise massgebend sei, hätten teilweise Preiserhöhungen nicht vermieden werden können, sagte Remund dazu. Aus Sicht des Verbunds mache es keinen Sinn, mit sogenannten Abfederungsmassnahmen die alten Ungerechtigkeiten wieder herzustellen: «Die Folge wären neue Ungerechtigkeiten».

Remund rief in Erinnerung, dass der Tarifverbund unter klaren finanziellen Bedingungen der beteiligten Kantone gestartet sei: Diese dürften als Besteller des öffentlichen Verkehrs durch die Einführung von Libero nicht zusätzlich belastet werden.

Mit dem Argument der beschränkten öffentlichen Finanzen der Libero-Kantone wiesen die Verantwortlichen auch Kritik an vergleichsweise hohen Billet- und Abopreisen im Vergleich zu anderen Schweizer Regionen zurück. Libero sei nicht durchwegs teurer als etwa der Zürcher Verbund und zudem nur bedingt mit diesem vergleichbar, sagte Co-Geschäftsleiter Ruedi Kern.

Zu den Auswirkungen der Preiserhöhungen auf den Geschäftsverlauf sagte Remund, die von den Kritikern befürcheten Einbussen bei den Verkäufen seien bisher nicht eingetroffen.

Verkäufe «auf Kurs»

Man sei beim Verkauf von Abonnementen und Einzelbillets «auf Kurs». Ein sicheres Fazit könne bei den Abos aber erst Ende Jahr gezogen werden: Erst dann zeige sich, wieviel Abos zu den neuen Bedingungen erneuert würden. Beim Libero-Start hätten noch zahlreiche Abonnenten von den Übergangsbedingungen profitiert, welche die einjährige Abo-Erneuerung zum alten Preis ermöglicht haben.

Zum verschiedentlich geforderten Einbezug von Biel und Thun in den Libero-Verbund sagte Remund, man werde sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Mit der Umsetzung sei mittelfristig zu rechnen. Zuvor solle die Durchlässigkeit zwischen den bestehenden Tarifverbunden in der Libero-Nachbarschaft verbessert werden.

(sda)