Berner Storchennest

21. August 2019 19:41; Akt: 22.08.2019 09:18 Print

Da warens nur noch zwei – wo ist der Jungstorch?

Im April starben auf dem Dach des Münsinger Psychiatriezentrums gleich drei der vier Storchenküken. Nun ist auch der überlebende Jungstorch fort. Anlass zur Sorge ist das aber nicht.

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Der 21. Mai war ein trauriger Tag im Psychiatriezentrum Münsingen BE: Gleich drei Storchenküken, die einen Monat zuvor geschlüpft waren, lagen tot im Nest auf dem Dach der Anstalt. Der kalte und nasse Mai war zu viel für sie. Immerhin: Ein Junges hat überlebt.

Nun ist man auch um dieses in Sorge: Seit dem 14. August fehlt jede Spur von ihm, im Nest halten sich nur noch seine Eltern auf, wie auf Bern-ost.ch zu lesen ist. Storchenexperte Robert Schoop von Storch Schweiz gibt gegenüber dem Nachrichtenportal aber Entwarnung: «Alle Jungstörche sind nun auf der Piste.» Derzeit würden sie sich etwa in Hindelbank BE sammeln und dann in Richtung Süden ziehen. Die Altvögel würden ihnen im September folgen.

Schoop geht davon aus, dass die hiesigen Störche alle nach Südspanien ziehen, wo sie in den Reisfeldern eine gute Nahrungsgrundlage fänden. In Afrika dagegen seien «seine» Störche bisher nie gesichtet worden.

Temperaturanstieg verbessert Nahrungsangebot

Tatsächlich bleiben immer mehr Vögel auf halber Strecke hängen: Störche wie jene aus der Schweiz, die im Herbst über die sogenannte Westroute in den Süden ziehen, sparen sich zunehmend den Weg nach Westafrika und überwintern in Spanien oder Südfrankreich. «Die offenen Mülldeponien haben die Nahrungsverfügbarkeit dort verbessert», sagt Livio Rey von der Vogelwarte Sempach. Verbessere sich das Angebot an einem Ort, würden Vögel ihr Zugverhalten anpassen. Peter Enggist, Geschäftsführer von Storch Schweiz, schätzt, dass heute 85 Prozent der in der Schweiz lebenden Störche nur noch bis Spanien oder Südfrankreich ziehen.

Auf den offenen Mülldeponien finden die Störche, aber auch andere Vögel wie Rotmilane, Geiher oder Reiher, viele organische Abfälle wie Fleisch- und Fischreste. Auf den Müllhalden lauern allerdings auch giftige Abfälle, an denen jährlich mehrere Hundert Tiere verenden, wie Enggist weiss. «Viele bleiben zudem an Schnüren oder Plastikabfällen hängen und gehen jämmerlich zugrunde.» Würden all die Vögel auf den Deponien den Weg nach Afrika antreten, so wäre dort die Sterberate wegen des zunehmend verknappten Nahrungsangebots deutlich höher, betont Enggist.

400 blieben zu Hause

Vielmehr zum Federnraufen dürfte für die Vögel sein, dass sich mit den EU-Richtlinien der organische Abfall auf den Mülldeponien in den nächsten Jahren erheblich reduzieren wird. Wie die Tiere darauf reagieren werden, ist offen. Enggist sieht drei mögliche Folgen: «Die Störche fliegen plötzlich wieder vermehrt nach Afrika, bleiben in ihrem Sommerquartier oder verhungern.»

Das zweite Szenario ist jetzt schon Realität: Immer mehr Störche verbringen den Winter in der Schweiz. «Wegen der milderen Temperaturen und weniger Schnee finden sie auch in dieser Jahreszeit genügend Nahrung», sagt Rey. Enggist fügt an, dass sich 2018 rund 400 sogenannte Nichtzieher beobachten liessen. «In den drei vorangehenden Winterzählungen konnten wir pro Jahr jeweils eine Zunahme von 100 Störchen verzeichnen.»

(sul)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fred am 21.08.2019 21:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tolles Tier

    Störche sind coole Viecher. Prost!

  • Piit am 21.08.2019 21:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gestern

    ist über Cham, in Richtung Westen geflogen

  • Denken Hilft am 21.08.2019 21:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Titeln ist schwierig

    Ja, wo issa denn...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dino Schön am 22.08.2019 09:15 Report Diesen Beitrag melden

    Aber kaum mehr Babys

    Für das, dass es so viel mehr Störche gibt, sind sie aber schrecklich faul geworden!

  • Bernie am 22.08.2019 07:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auf Durchzug

    Habe gestern auf einer Wiese im Gürbetal über 30 Störche gezählt. Ein toller Anblick!

  • Branko am 21.08.2019 23:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gefressen.

    Ich habe einen gegessen. Der war super lecker.

  • Schweizerstrasse am 21.08.2019 23:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    also, ich weiss ja nicht

    aber ich habe in den letzten 3-4 Jahren soviele Störche gesehen wie nie in meinen 62 Lebenjahre zuvor. Liegt evt. daran, dass ich mehr ausfliege als in den 62 Jahren zuvor. Aber echt jetzt, 50-60 Stück auf ca. 3 Tausend m3 ist schon speziell anzuschauen. Dass soviele auf Müllhalden an Schnüren und Giftmüll verenden, möchte ich gar nicht glauben.

  • Denken Hilft am 21.08.2019 21:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Titeln ist schwierig

    Ja, wo issa denn...