Kundengelder veruntreut

23. Januar 2020 17:23; Akt: 24.01.2020 13:32 Print

Bankerin nach Love-Scam verurteilt

Weil sie glaubte, die Liebe ihres Lebens gefunden zu haben, schickte eine ehemalige Bankangestellte über 106'000 Franken nach Nigeria. Jetzt wurde sie verurteilt.

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Eine Frau aus dem Berner Oberland, die wegen der vermeintlich grossen Internet-Liebe 230'000 Franken veruntreute, wurde am Mittwochabend wegen mehrfacher Veruntreuung und Urkundenfälschung schuldig gesprochen. Die 56-jährige Frau fiel 2018 auf einen sogenannten Love-Scammer herein. Der Mann aus Nigeria machte der Frau vor, die Liebe seines Lebens zu sein. Das überwiesene Geld gehörte jedoch nicht der Frau, sondern einem Bekannten. Der Staatsanwalt wirft der Frau vor, 2018 rund 106'000 Franken nach Nigeria geschickt zu haben. Dieses Geld soll die Frau vom Konto eines guten Bekannten bezogen haben. Der Urkundenfälschung bezichtigt wird die Frau, weil sie laut Anklageschrift für die Überweisungen nach Nigeria einen Auftrag des Kontoinhabers – ihres Bekannten – fälschte. Der Vorgesetzte der Frau verlangte Auskunft zu den Überweisungen nach Nigeria. Die Berner Kantonspolizei hat in den vergangenen Jahren immer wieder vor «LoveScams» oder «Romance-Scams» gewarnt, wie sie sie nennt. «Die Partnersuche übers Internet ist weitverbreitet», schreibt die Kantonspolizei Bern auf ihrer Internetseite, «der Traummann oder die Traumfrau nur ein Mausklick entfernt. Rasch kann aus dem anfänglichen ‹Chatten› eine Romanze werden.» «Aber Vorsicht», heisst es auf der Internetseite der Kantonspolizei weiter: «Hinter der vermeintlichen Liebe des Lebens können Betrüger stecken.» Am Mittwoch stehen die Parteivorträge auf dem Programm der Gerichtsverhandlung. Auch das Urteil will das Wirtschaftsstrafgericht noch am Mittwoch bekannt geben.

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Eine Frau aus dem Berner Oberland, die wegen ihrer vermeintlich grossen Internet-Liebe 230'000 Franken veruntreute, wurde am Mittwochabend wegen mehrfacher Veruntreuung und Urkundenfälschung schuldig gesprochen.

Die ehemalige Bankangestellte wurde vor dem kantonalen Wirtschaftsgericht zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten bedingt verurteilt, mit drei Jahren Probezeit. Sie wurde zudem zur Zahlung einer Ersatzforderung an den Kanton Bern in der Höhe von 113'000 Franken verurteilt. Dieses Geld soll an ihren Bekannten gehen, dem sie das Geld entwendet hatte, um es nach Nigeria zu schicken.

Auf Kosten des Bekannten gelebt

Wie die Richterin bei der Urteilsbegründung betonte, arbeitete die 56-Jährige jahrelang bei einer Schweizer Bank. Sie bildete sich intern weiter und war zuletzt stellvertretende Bankleiterin in einer Filiale im Berner Oberland.

Auf die schiefe Bahn geriet sie, als ein guter Kollege von ihr auswanderte und sie bat, sich um seine Konti zu kümmern. Ausgestattet mit einer Vollmacht übertrug sie in den Jahren 2008 und 2009 insgesamt 125'000 Franken auf eigene Konten. Mit dem Geld konnte sie ihren grosszügigen Lebensstil finanzieren und Minussaldi auf ihren Konten ausgleichen.

Von Lebenskrise in Liebeskrise

Dies lief unbemerkt bis zum Jahr 2018. Da trennte sie sich von ihrem Mann und geriet in eine Lebenskrise. Im Internet nach Liebe suchend, fiel die Frau auf einen Betrüger herein, der ihr die grosse Liebe vorgaukelte.

Die genauen Umstände blieben vor Gericht unklar, doch überwies sie 2018 rund 100'000 Franken von den Konten ihres Bekannten nach Nigeria und später 150'000 Franken vom eigenen Geld in die USA.

Als die Frau von ihrer Bank aus Gelder nach Nigeria verschob, wurde ihr Vorgesetzter hellhörig und verlangte Auskunft. In dieser Situation fälschte sie einen Brief des Kontoinhabers – deshalb die Verurteilung wegen Urkundenfälschung.

«Love-Scam»

Der Staatsanwalt sprach von Love-Scam, einer Masche, vor der die Polizei seit Jahren warnt. Gemeint ist, dass eine Internetbekanntschaft plötzlich von der grossen Liebe spricht und bald einmal um Geld bittet. Die Frau selbst sagte bei der Befragung vor Gericht weinend, sie sei damals nicht mehr sich selbst gewesen.

Die Richterin hielt der Beschuldigten zudem vor, sie habe keine Hemmungen gehabt, das Geld ihres Bekannten zu verwenden, um mit der neuen Liebe ein neues Leben anzufangen. Dass die Frau Opfer eines Love-Scams geworden sei, berücksichtige das Gericht aber strafmindernd.

(km/sda)