Bronzeschatz im Berner Jura

26. September 2019 14:35; Akt: 26.09.2019 15:48 Print

Schatzsucher findet Hand – und wird gebüsst

Ein Mann fand im Jura mit seinem Metalldetektor eine 3500 Jahre alte Bronzehand. Weil er für sein Gerät keine Bewilligung hatte, erhielt er nun eine saftige Busse.

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Das Regionalgericht in Moutier BE verurteilte diese Woche einen Schatzsucher, dem mit Hilfe seines Metalldetektors ein Sansationsfund gelungen war. Im Oktober 2017 hatte er im Berner Jura eine 3500 Jahre alte Bronzehand entdeckt (20 Minuten berichtete). Womöglich handelt es sich um die älteste bekannte Bronzeplastik Europas.

Aus Sicht der Justiz war der Fund jedoch kein Erfolg, sondern illegal: Weil der Mann keine Bewilligung hatte, mit einem Metalldetektor nach archäologischen Funden zu suchen, erhält er nun eine Busse von 2500 Franken. Laut Gerichtsurteil habe er mehrfach gegen Denkmalpflegegesetze verstossen, wie der «Bund» berichtet. Der Angeklagte habe zwar nicht aus Gier gehandelt und sei auch kein Plünderer, könne jedoch nicht einfach suchen, wie und wo er wolle.

Enthusiasmus ohne Bewilligung

Der Schatzsucher war an jenem Tag im Oktober 2017 mit einem Freund auf dem Tessenberg oberhalb des Bielersees unterwegs. Dort entdeckten sie die Bronzehand und machte weitere aufsehenerregende Funde: einen Dolch und eine menschliche Rippe. Die beiden Schatzsucher brachten ihre Funde unverzüglich zum archäologischen Dienst des Kantons Bern.

Sein Pflichtbewusstsein wurde dem Schatzsucher nun zum Verhängnis: Vom Amt wurde ihm vorgeworfen, er habe den Metalldetektor wiederholt und ohne Bewilligung eingesetzt. Der Mann wurde wegen fünffacher Verletzung des Denkmalpflegegesetzes verurteilt. Für seinen Metalldetektor hätte er eine Bewilligung benötigt, die er nicht besass. Der archäologische Dienst wies ausserdem auf die Gefahr hin, dass durch die Suchaktion möglicherweise andere Funde zerstört oder beschädigt wurden.

Keine Einsicht

Auf sein archäologisches Hobby wird der verurteilte Schatzsucher nicht verzichten, sagte er nach dem Prozess. «Ich war ehrlich und ich bereue es nicht», so der Hobbyforscher. «Wenn ich die andere Hand finde, werde ich auch sie dem Archäologischen Dienst bringen».

Bei Nachgrabungen am Fundort machten die Archäologen weitere Funde. Die Forscher stiessen im Frühsommer 2018 auf ein antikes Grab mit Knochen eines erwachsenen Mannes. Im Grab fanden sich eine bronzene Gewandnadel, eine bronzene Spirale (Haarschmuck) sowie Reste von Goldblech, das von der Hand stammen dürfte.

(rc)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Homo Sapiens am 26.09.2019 14:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    XMV

    Gut zu wissen! Wenn ich jemals einen Schatz finden sollte, gebe ich genau niemandem ausser dem Darknet Bescheid...

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  • Herr Max bünzeli am 26.09.2019 14:40 Report Diesen Beitrag melden

    genau

    braucht man bald eine Bewilligung zum gerade Laufen?

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  • Dynie am 26.09.2019 14:54 Report Diesen Beitrag melden

    Super Mentalität hier

    Jedes andere Land hätte den Anstand ihm zu danken. Frankreich würde ihm sogleich eine Ehrenmedaille überreichen (naja geben Sie jedem dort haha) aber trotzdem. Hier wird er bestraft für etwas dass Sie ohne ihn nicht gefunden hätten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Biker60 am 27.09.2019 13:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Seit langet Zeit verboten

    Wer so ein Teil kauft wird darüber informiert, dass das Gerät nur innerhalb des Hauses z.B. zum Suchen von verlorenen gefährlichen Gegenständen wie Stecknadeln oder so verwenden darf. Ich habe 2012 Online so ein Metalldetektor gekauft, funktioniert immer noch und steht tatsächlich so in der Beschreibung. Informiert euch, dann wirds auch nicht so teuer: Unwissenheit schützt nicht vor Strafe

  • Augustus romanus am 27.09.2019 12:45 Report Diesen Beitrag melden

    Shame on you Switzerland

    Die Schweiz das Land der unendlichen Bussen für alles mögliche. In Zukunft solche schätze behalten und ins Ausland verkaufen. In anderen Länder gibt es sowieso bessere museen mit interessanteren gegenständlichen als in bünzlihausen. Somit können sich viel mehr leute diese schätze bestaunen da man Grösse Massen Anspricht

  • Minu am 27.09.2019 10:49 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Lebensfreude erlaubt

    Die Schweiz ist doch einfach zum Heulen! Ehrlichkeit wird bestraft. Räuber und Diebe werden verschont. Mir soll doch noch jemand irgendwie die Logik dieser Richter und Richterinnen erklären. Weltfremd. Können die noch in den Spiegel schauen? Können die noch auf die Strasse?

  • Berner Bär am 27.09.2019 09:48 Report Diesen Beitrag melden

    Gegen Gesetze verstossen

    Ich verstehe die Reaktion des Kantons durchaus, sonst haben wir Horden Hobbyarchäologen, die durch ihr Verhalten mehr zerstören als nützen. Rein juristisch-sachlich betrachtet: Der Mann hat sich strafbar gemacht, weil er gegen Gesetze verstiess. Das schleckt keine Geiss weg. Da er den Fund jedoch ohne wenn und aber anzeigte, hätte man hier auch mal "in dubio pro reo" gelten lassen können, in dem seine Meldung als Selbstanzeige gewertet hätte werden können und ihn dann mit einer "Rechtsbelehrung" auf sein Verstoss hinzuweisen.

    • John am 27.09.2019 10:29 Report Diesen Beitrag melden

      Genau meine Meinung

      Das wäre ein ganz feiner Zug gewesen. Einfach schön alleine da es ein bedeutender Fund ist, der ohne ihn wahrscheinlich nicht bzw erst viel später gefunden worden wäre .

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  • B Atterie am 27.09.2019 07:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht melden!

    Schatz finden und behalten. Die Behörden wollen das so.