«Behörde hat gekuscht»

24. August 2018 09:21; Akt: 17.09.2018 13:46 Print

Wieso liess Bern extreme Zagreb-Fans marschieren?

Dass Anhänger von Dinamo Zagreb skandierend durch die Stadt Bern marschieren durften, kommt bei YB-Fans nicht gut an. Sicherheitsdirektor Reto Nause erklärt sich.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Gut 150 schwarz gekleidete Männer marschierten am Mittwochabend vom Altenberg-Quartier zum Wankdorf-Stadion, dabei skandierten sie Parolen auf Kroatisch. Es waren Anhänger des Fussballclubs Dinamo Zagreb, welche die Partie gegen YB besuchten. Die Fans, die sogenannten Bad Blue Boys, sind für ihre rechte Gesinnung und ihr Gewaltpotential bekannt; auch in Bern sorgten sie mit ihrem Benehmen für Schrecken.

Die Stadt hatte im Vorfeld aber explizit darauf hingewiesen, dass Fanumzüge nicht gestattet seien. Dennoch wurde der Umzug der Zagreb-Fans von der Polizei nicht aufgehalten. Im Gegenteil: Polizisten eskortierten die Fans auf ihrem Weg zum Stadion. Dies sorgte bei YB-Fans für rote Köpfe: «Es ist eine Frechheit. Wir haben uns an die Spielregeln gehalten, die Kroaten nicht. Dennoch hatten die Dinamo-Fans ihren Marsch und wir nicht», meint YB-Fan W.D.*. «Und dies gar noch, obwohl sie sich vorab an der Aare total danebenbenommen hatten», fügt der Berner an.

Hat Bern vor ausländischen Hools gekuscht?

Er ist nicht der einzige Gelb-Schwarz-Fan, der sich bei 20 Minuten beschwert. «Wenn wir eine solche Aktion geboten hätten, wären wir sofort eingekesselt worden», meint ein anderer Fan. Er wirft den Behörden vor, wegen des Gewaltpotentials der Bad Blue Boys aus Zagreb gekuscht zu haben.

Diese Kritik lässt Sicherheitsdirektor Nause nicht gelten: «Die Polizei hat verhältnismässig gehandelt.» Weil es sich bei den Fans um eine «relativ kleine Gruppe» gehandelt habe, sei der Fan-Umzug toleriert worden. «Polizisten begleiteten dem Umzug. Es kam zu keinen grösseren Sachbeschädigungen», so der Sicherheitsdirektor.

Nause rollt den roten Teppich aus

Dass die Polizei andere Massstäbe bei YB-Fans anwenden würde, sei nicht wahr: «Wir haben bei der Meisterfeier bewiesen, dass wir für YB auch den roten Teppich ausrollen.» Offen lässt der Gemeinderat jedoch, ob er auch 150 YB-Fans hätte marschieren lassen: «Da spielen verschiedene Faktoren mit: Sind die Fans vermummt, wirken sie friedlich und mehr.»

Im Grossen und Ganzen zeigt sich die Stadt zufrieden mit dem Champions-League-Playoff von Mittwoch. Nause: «Aber die Übergriffe beim Altenberg verurteilen wir natürlich scharf. Nachdem wir darüber informiert wurden, hat die Kapo umgehend reagiert.» Dank den Dialog-Teams, welche in Kroatisch mit den Fans kommunizieren konnten, habe die Situation entschärft werden können.

(cho)