Magendarmbeschwerden an RS

04. Juli 2019 21:08; Akt: 05.07.2019 10:46 Print

Es war nicht der Noro-Virus

Am Donnerstag litten 50 Rekruten der Rekrutenschule Jassbach unter einer mutmasslichen Lebensmittelvergiftung. Am Freitag können sie zur Truppe zurückkehren.

Mehrere Helikopter der Rega sind im Einsatz. (Video: cho)
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Von den 50 Rekruten aus der Rekrutenschule in Jassbach BE, die am Donnerstag ins Spital eingeliefert wurden, konnten 35 Personen das Spital bereits wieder verlassen. Dies bestätigt Armeesprecher Daniel Reist. «Auch die anderen 15 werden heute Morgen zur Truppe zurückkehren und allen Rekruten wird es heute Mittag möglich sein, in den Wochenendurlaub zu gehen», so Reist. Die Angehörigen der Rekrutenschule werden weiterhin medizinisch betreut und vom Psychologisch-Pädagogischen Dienst der Armee unterstützt.

Es sei nun klar, dass es sich beim plötzlich aufgetretenen Unwohlsein der Soldaten nicht um den Norovirus oder einen anderen viralen Infekt gehandelt habe. Daher sei auch die Quarantäne wieder aufgehoben worden. Nun müsse genausten untersucht werden, was der Auslöser der Krankheitssymptome war. Ob es das Poulet, das Wasser oder etwas gänzlich anderes gewesen sei, könne zu diesem Zeitpunkt einfach noch nicht abgeschätzt werden. Das Lebensmittelinspektorat der Armee habe sich des Falls angenommen.

Erbrechen und Durchfall

In der EKF-Rekrutenschule der Schweizer Armee in Jassbach BE mussten am Donnerstagabend 50 Armeeangehörige medizinisch versorgt werden. Nach dem Mittagessen trat bei mehreren Rekruten und weiteren Armeeangehörigen der EFK-Schule in Jassbach BE massives Unwohlsein auf, das teilweise mit heftigem Erbrechen und Durchfall verbunden war.

«Ein Militärangehöriger wurde bewusstlos aufgefunden», lässt ein Rekrut über seinen Vater ausrichten. Danach habe das ganze Areal nach weiteren Ohnmächtigen abgesucht werden müssen.

Bereits am Vortag soll es Poulet gegeben haben

In der Folge wurden sämtliche 50 Armeeangehörigen von zivilen Ambulanzen und der Rega ins Spital oder in militärische Sanitätseinrichtungen überführt.

Zu Mittag habe es kaltes Poulet-Fleisch gegeben. Der junge Mann vermutet, dass dies der Auslöser war. Wie ein weiterer Rekrut erzählt, habe es bereits gestern Poulet gegeben, offenbar sei dasselbe Poulet verwenden worden. Laut einem Soldat, der die Rekrutenschule im Mai abschloss, soll das Poulet dort öfters nicht durchgekocht sein: «Ich habe mindestens vier Mal erlebt, dass das Fleisch noch rot war.»

«Wir stehen unter Quarantäne»

Ein 20-Minuten-Reporter vor Ort berichtete: «Rettungshelikopter und Ambulanzfahrzeuge kommen und gehen fast im Minutentakt». Auf dem Gelände liefen Militärs am Donnerstag mit Mundschutz herum, einige Armeeangehörige mussten beim Gehen gestützt werden. Ein Rekrut bemängelte: «Wir bekommen kaum Infos hier. Ich weiss nur, dass wir unter Quarantäne stehen. Vor der Kaserne warten Kameraden von uns, die gerne rein möchten. Aber zuerst muss das Gebiet wieder freigegeben werden.»

Eine Anwohnerin ging zuerst von einem schlimmen Unfall aus: «Ich bin fast etwas erleichtert, dass es sich nur um eine Lebensmittelvergiftung handelt. Ich hoffe, dass alles gut ausgeht.» Dies hoffte am Donnerstag auch eine Mutter vor Ort: «Es ist mir überhaupt nicht wohl zu sehen, wie mein Kind zurück in die Kaserne muss – auch wenn er kein Kind mehr ist. Er hatte heute seine Lehrabschlussfeier. Sorge macht mir vor allem, weil es offenbar noch nicht klar ist, ob es sich tatsächlich nur um eine Lebensmittelvergiftung handelt. Am liebsten würde ich meinen Sohn wieder nach Hause nehmen.»

Die Schweizer Armee bestätigte in einer Medienmitteilung, dass über den Waffenplatz Jassbach vorsichtshalber eine Quarantäne verhängt wurde. «Neben Untersuchungen der Armee laufen im Spital die Abklärungen zur Ursache der Krankheitssymptome», heisst es in der Mitteilung. Ob die Erkrankten tatsächlich an einer Lebensmittelvergiftung leiden, wurde nicht bestätigt.

Versorgung der Kranken hat Priorität

Armee-Sprecher Reist sagte am Donnerstag: «Die Leute übergeben sich heftig und haben starken Durchfall.» Vier Personen befanden sich in kritischem Zustand.

Medizin-Grossaufgebot bei Rekrutenschule Jassbach

(cho/rab)