Migrationsstatistik

16. Juli 2014 12:02; Akt: 16.07.2014 17:29 Print

Mehr Deutsche und weniger Italiener in Bern

von Thomas Kohler - Deutsche Arbeitskräfte sind in Bern gefragt: Der Bevölkerungsanteil von Personen mit deutschem Migrationshintergrund hat in den letzten zehn Jahren um 74 % zugenommen.

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Etwa ein Drittel der Berner Bevölkerung besitzt einen Migrationshintergrund. (Symbolbild: Keystone)

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Jeder dritte Einwohner der Stadt Bern hat ausländische Wurzeln: Von diesen 33 Prozent mit Migrationshintergrund stammen mit Abstand die meisten aus Deutschland. Deren Zahl stieg in den letzten zehn Jahren um 74 Prozent auf 6100 an.

Die Anzahl von Personen mit italienischer Herkunft hingegen ging im Vergleich zu früheren Zahlen zurück. So hatten 1970 etwa 40% der Bevölkerung mit Migrationshintergrund eine italienische Herkunft – 2010 waren es lediglich noch 11%.

Grund für den starken Anstieg der Personen aus Deutschland liegt laut Thomas Holzer, Leiter von Statistik der Stadt Bern, unter anderem auch bei der Nachfrage im Gesundheitswesen: «Die Stadt Bern hat mit dem Inselspital einen grossen Bedarf an Arbeitskräften im Spitalbereich.» Die deutschen Arbeitskräfte seien gut ausgebildet und hätten keine Berührungsängste. Der Anstieg sei aber kein Berner Phänomen: «Die Einführung der Personenfreizügigkeit im Jahre 2002 hat natürlich auch ihren Teil dazu beigetragen.»

Bern deutlich hinter Genf, Basel und Zürich

Die Stadt Bern liegt mit dem Anteil von Einwohnern mit ausländischen Wurzeln im nationalen Durchschnitt aber deutlich unter den Anteilen anderer Städte wie Genf (66%), Lausanne (55%), Basel (49%) oder Zürich (48%). Grund dafür ist nebst der geografischen Lage für Holzer auch der Arbeitsmarkt. «Bern ist im Gegensatz zu Genf, Basel oder Zürich eine Verwaltungsstadt. Basel mit dem Chemiebereich und Zürich mit dem Bankensektor beheimaten zahlreiche internationale Grossfirmen, welche auch ausländische Arbeitskräfte nachziehen», ergänzt Holzer.

Bümpliz-Oberbottigen als Migrationshochburg

Auch innerhalb der Stadt Bern selbst unterscheiden sich die Anteile der Personen mit Migrationshintergrund stark. Mit 41 Prozent überdurchschnittlich hoch ist der Anteil im Stadtteil Bümpliz-Oberbottigen. Während Personen mit ausländischen Wurzeln in anderen Stadtteilen meist aus westeuropäischen Ländern stammen, ist die Herkunft bei den Bewohnern von Bümpliz vorwiegend in Südost- und Osteuropa zu finden. «Der höhere Anteil in Bümpliz hat vorwiegend mit der günstigeren Wohnsituation in diesem Stadtteil zu tun», erklärt Holzer. Zudem würden die Leute eher dorthin gehen, wo es schon Personen aus ihrem Kulturkreis habe.

«Die Leute mit Migrationshintergrund in Bern sind elementar für alle Lebensbereiche», sagt Susanne Rebsamen, Fachspezialistin Integration der Stadt Bern. Faktoren wie eine gute Ausbildung, ein gutes persönliches Netzwerk, finanzielle Mittel oder ein sicherer Aufenthaltsstatus würde die Integration dabei vereinfachen.