Gefilmt in Lyss BE

16. Februar 2017 11:58; Akt: 16.02.2017 16:08 Print

Mieter in Waschküche – da schlägt der Einbrecher zu

Karel Straumann wollte nur kurz in die Waschküche, da verschaffte sich ein Mann Zugang zu seiner Wohnung. Seine Überwachungskamera hielt den Moment fest.

Der Dieb wurde auf frischer Tat ertappt. (Video: Überwachungskamera Karel Straumann)
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Es war ein verhängnisvoller Waschtag für Karel Straumann aus Lyss BE: Am Dienstag um 16.30 Uhr wollte er nur schnell seine Kleider in den Tumbler werfen. Rund zwei Minuten sei er weg gewesen. «Ich dachte mir, dass ich ja nur ganz kurz weg sein werde und habe deshalb die Wohnung nicht abgeschlossen», sagt Straumann. Ein Fehler: Denn als er zurückkam, habe sein Portemonnaie gefehlt — samt den 300 Franken und Karten, die sich darin befanden.

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«Zuerst dachte ich, ich hätte das Portemonnaie irgendwo verloren oder vergessen», so Straumann. Danach habe er sich aber daran erinnert, dass seine Tür einen Spalt offen gewesen sei, als er vom Waschen zurückkam.

Überwachungskamera filmt Diebstahl

«In meiner Umgebung wurde oft eingebrochen, deshalb habe ich eine Überwachungskamera installiert», sagt er. Die Aufnahme dieser Kamera habe er dann auch herbeigezogen, um zu schauen, ob jemand in seiner Wohnung war. Und tatsächlich: Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie ein Mann die Wohnungstür von Straumann öffnet und sich in die Wohnung begibt.

«Ich war sehr verblüfft, als ich das gesehen habe», sagt Straumann. Er habe umgehend die Polizei informiert. Diese hätte das Videomaterial mitgenommen sowie Fingerabdrücke und DNA-Spuren gesucht.

Täter noch nicht gefasst

Doch bisher habe man den Dieb noch nicht fassen können, sagt Regina Aeberli, Sprecherin der Kantonspolizei Bern. Ermittlungen seien im Gang. Dabei können auch die Aufnahmen der Überwachungskamera helfen: «Deshalb sind wir froh, wenn uns Betroffene die Aufnahmen zur Verfügung stellen», so Aeberli.

Dass der Einschleichdieb noch nicht gefasst werden konnte, bereitet Straumann schlaflose Nächte. Deshalb habe er das Video auf Facebook gepostet, um den Täter schnellstmöglich zu finden. Aber nicht nur deshalb: «Ich will die Leute auf diesen Vorfall aufmerksam machen und sie sensibilisieren.»

«Ab sofort wird die Tür immer geschlossen»

Regina Aeberli weist darauf hin, dass dieses Vorgehen unter Umständen rechtlich heikel sein könnte: «Wenn man die Aufnahmen unzensiert ins Netz stellt, kann das eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts darstellen.»

Für Straumann hat der Vorfall aber dennoch etwas Positives: Er habe das Portemonnaie zwei Blöcke weiter wieder gefunden — zwar ohne Bargeld, dafür seien die Karten noch drin gewesen. Und er hat eine Erkenntnis gewonnen: «Ab sofort nehme ich mir immer Zeit, um meine Tür abzuschliessen. Egal, wie lange ich weg bin.»

Keine Gewalt gegenüber Einbrecher anwenden

Dieses Vorhaben begrüsst die Kantonspolizei Bern: «Wenn immer möglich sollte man die Wohnungstüren abschliessen», sagt Polizeisprecherin Regina Aeberli. Grundsätzlich sei dies immer von Vorteil. Sollte dies aber mal vergessen gehen und sich auch gleich noch ein Einbrecher einschleichen, rät Aeberli, sich bemerkbar zu machen. «Man sollte jedoch nicht intervenieren und keine Gewalt anwenden.» Tendenziell suchten Einbrecher nämlich keine Konfrontation. «Wir raten, sich das Signalement und die Fluchtrichtung des Einbrechers zu merken und unverzüglich die Polizei zu alarmieren.»

(jen)