Neue Kreation

08. Januar 2016 05:24; Akt: 08.01.2016 05:24 Print

Mit Härdöpfubier gegen Foodwaste

von Katrin Freiburghaus - Kartoffeln statt Weizen: Der Zürcher Caterer Zum guten Heinrich und das Alte Tramdepot Bern brauen zusammen ein Bier, um gegen die Verschwendung von Nahrungsmitteln zu kämpfen.

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Mehr als die Hälfte der Kartoffeln landet in der Schweiz angeblich nicht auf Tellern, sondern im Abfall: Dagegen wollen das Alte Tramdepot Bern und das Zürcher Start-Up Zum guten Heinrich etwas unternehmen und produzieren das erste Foodwaste Bier der Schweiz, das aus unverkauften Kartoffeln hergestellt wird. Das Ergebnis ist laut Braumeister Christian Stoiber ein hellgoldenes Bier, das etwas weniger bitter schmeckt als ein Weizen und unter dem Namen «The Good King Henry» verkauft wird.

1400 Liter Bier

Die ursrpüngliche Idee dafür kam von Brauer Paul Mayencourt. Es brauchte nicht viel, um Nina Bratschi vom Guten Heinrich zu überzeugen: «Ein Kartoffelbier ist eine super Lösung.» Insgesamt pressten Freiwillige aus 550 kg Kartoffeln 300 Liter Kartoffelsaft – daraus konnten 1400 Liter Bier gebraut werden. Das Alte Tramdepot schenkt seinen Gästen 1000 Liter davon aus. Wie jedes Spezialbier kostet es 5.20 für 3dl. Die restlichen 400 Liter kredenzen die Leute vom Zum guten Heinrich an zwei Partys am 16. Januar und am 13. Februar in der Amboss Rampe in Zürich. 3dl kosten hier 5 Franken.

Ein einmaliges Projekt

Ursprünglich wollten die Initianten das Bier in ihren Caterings anbieten, was aber wegen der kurzen Aufbewahrungszeit von vier Wochen nicht möglich ist. Thomas Lehmann von Zum guten Heinrich meint aber: «Wenn wir einen Weg finden, das Bier zu pasteurisieren, wäre es eine gute Erweiterung unseres Angebotes. Ein Foodwaste-Bier passt super in unser Konzept.» Bevor sich der Caterer für oder gegen eine zweite Produktionsrunde des kühlen Blonden entscheidet, will er das Ergebnis der beiden Veranstaltungen abwarten.

Mangeln könnte es aber an Partnern. Christian Stoiber betont, dass es für das Alte Tramdepot eine einmalige Aktion war: «Die Verarbeitung von Kartoffeln ist wegen der Stärke viel schwieriger als die von Weizen. Die Stärke setzte sich am Boden an und musste von Hand entfernt werden.» Ausserdem decke der Verkaufspreis die Kosten, aber nicht die Löhne: Laut dem Braumeister arbeiteten alle freiwillig für die gute Sache, was langfristig nicht möglich sei.

Auch Tom Weingart von I Love Juice, der seine Maschine für das Entsaften der Kartoffeln gratis zur Verfügung stellte und selber mithalf, würde es im Nachhinein nicht mehr machen: «Ich musste zwei Tage lang putzen, bis alles wieder sauber war.»

Kampf gegen Food Waste

Auch wenn das Food-Waste-Bier eine einmalige Aktion war, macht der Caterer Zum guten Heinrich mit seinem Engagement gegen die Lebensmittelverschwendung weiter. Damit ist er nicht alleine: Bei der Äss-Bar in Bern und Zürich kann man Gebäck vom Vortag verbilligt kaufen. Bern isst Bern stellt in der Bundesstadt öffentlich zugänglichen Kühlschränke auf, aus denen man Nahrungsmittel von anderen holen und selber welche hinterlassen kann. Und Foodwaste.ch organisiert in den Städten Bern, Basel und Zürich Festessen mit unverkäuflichen und überschüssigen Lebensmitteln.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jane38 am 08.01.2016 07:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    liebhaber

    eine witzige idee. da ich kein bier trinke nichts für mich aber für bierliebhaber sicher ein schluck wert

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  • Mario am 08.01.2016 09:44 Report Diesen Beitrag melden

    Top!

    Finde es eine super Idee. Als Liebhaber von Craft Bieren muss ich mir ein Kartoffelbier unbedingt bald einmal genehmigen. Und hier noch ein Tip in Sachen Foodwaste, falls jemand von Coop oder Migros mitliest: Bitte, macht verschieden grosse Packungen. Dreissig Packungen à 8 Lauchstängel stehen im Regal, das darf doch nicht sein. Als Einzelperson kaufe ich da zwangsläufig viel zu viel ein. Das selbe beim Fleisch. Wieso nicht verschieden grosse Packungen anbieten? So wäre vielen geholfen.

  • Ireleth am 08.01.2016 07:48 Report Diesen Beitrag melden

    gute Idee

    Muss ich probieren. Man könnte prinzipiell aus jedem stärkehaltigen Getreide oder Gemüse ein Bier brauen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Brauer am 08.01.2016 12:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitter, bitter

    Kleine Präzisierung des Artikels: "Normales" helles Bier wird nicht mit gemälztem Weizen, sondern i.d.R. aus Gerste und teilweise Roggen gemacht, wobei sowohl die Hopfenart als auch die Menge die Bitternote bestimmt. Ein Weizenbier ist NIE bitter. Das Weizenbier ist stets süsslich mild und der Geschmack kann durch bestimmte Hefensorten beeinflusst werden, z.B. 3068 Weihenstephan erzeugt einen nelken- und bananenartigen Geschmack. Prinzipiell kann aus allen stärkehaltigen Pflanzenteilen Bier gebraut werden. Das ist auch der einzige unterschied zu Wein. Da vergärt die Hefe Zucker.

  • Mario am 08.01.2016 09:44 Report Diesen Beitrag melden

    Top!

    Finde es eine super Idee. Als Liebhaber von Craft Bieren muss ich mir ein Kartoffelbier unbedingt bald einmal genehmigen. Und hier noch ein Tip in Sachen Foodwaste, falls jemand von Coop oder Migros mitliest: Bitte, macht verschieden grosse Packungen. Dreissig Packungen à 8 Lauchstängel stehen im Regal, das darf doch nicht sein. Als Einzelperson kaufe ich da zwangsläufig viel zu viel ein. Das selbe beim Fleisch. Wieso nicht verschieden grosse Packungen anbieten? So wäre vielen geholfen.

  • Ireleth am 08.01.2016 07:48 Report Diesen Beitrag melden

    gute Idee

    Muss ich probieren. Man könnte prinzipiell aus jedem stärkehaltigen Getreide oder Gemüse ein Bier brauen.

    • ChriguBern am 08.01.2016 08:53 Report Diesen Beitrag melden

      Interessantes Hobby

      Das stimmt, und einige Homebrew-Brauer haben dabei einige interessante Resultate erreicht. doch der Aufwand ist meist gross (versuche mal selbst den Saft aus einer Kartoffel zu pressen). Einige Stärke-Arten wurden früher als Klebstoff verwendet, was man bei solchen Experimenten merkt (schwieriges Handling, putzen). Als Hobby sicher lehrreich und sinnvoll, kommerziell wohl weniger praktikabel.

    • Homebrewer am 08.01.2016 10:31 Report Diesen Beitrag melden

      @Chrigu

      Das Maischen von Kartoffeln dürfte nicht viel anders sein als das von Gerstenmalz. Die Kartoffeln in kleine Würfel schneiden und wie beim Malz auf verschiedenen Temperaturstufen aufwärmen und halten um die Stärke in Zucker umzuwandeln. Ich versuche mich seit einiger Zeit als Hobbybrauer, der Artikel hat mich gleich auf die Idee gebracht es mal mit Kartoffeln zu versuchen ;-)

    • Urbierebrauer am 08.01.2016 12:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Homebrewer

      Völlig Richtig. Bei einem Kartoffelbrand, wo man Zucker benötigt, werden desshalb die Kartoffeln oft zuerst gefroren, wobei dadurch die Stärke besser gespalten wird. Du kannst die Kartoffeln also durch vorheriges gefrieren sozusagen "mälzen" ;-)

    • ChriguBern am 08.01.2016 15:07 Report Diesen Beitrag melden

      @ Homebrewer + Urbierebrauer

      Beim Brauen von Kartoffel-Bier gibt es 2 verschiedene Ansätze: 1. Man verwendet (wie im oben stehenden Artikel) nur den Kartoffelsaft, oder 2. Man verwendet die ganzen Kartoffeln (wie beim Kartoffelschnaps). Die 2. Methode ist etwas einfacher, doch die 1. (kompliziertere) Methode ergibt einen intensiveren Geschmack.

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  • J T am 08.01.2016 07:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch in Winterthur

    Die äss-bar gibt es auch im Winterthur an der Techmikumstrasse xD

  • Jane38 am 08.01.2016 07:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    liebhaber

    eine witzige idee. da ich kein bier trinke nichts für mich aber für bierliebhaber sicher ein schluck wert

    • Walter am 08.01.2016 08:34 Report Diesen Beitrag melden

      nicht nur

      wer weiss, ich bin auch kein Biertrinker, aber ich würde diese Kartoffelbier mal kosten - wer weiss, vielleicht schmeckts mir ja und ich würde in Zukunft zwischen Moscht und Kartoffelbier schwanken können :-)

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