Sexismus im Internet

03. August 2018 05:49; Akt: 03.08.2018 05:49 Print

Mit Liebe gegen sexistische Internet-Trolle

von Benjamin Hostettler - Hasskommentare in den Online-Medien sind weit verbreitet. Eine Gruppe von Freiwilligen rund um den Frauendachverband Alliance F will nun dagegen vorgehen.

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«Für solch fanatisierte, geistesgestörte linke Drecksweiber habe ich nur Abscheu und Verachtung.» Das schreibt ein Leser auf der Social-Media-Plattform Facebook. So oder ähnlich tönt es jeden Tag auf den unzähligen Kommentarplattformen des Internets.

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Dagegen will Alliance F nun vorgehen, wie der «Bund» schreibt. Der Dachverband der Schweizer Frauenorganisationen lanciert ein gross angelegtes Projekt gegen sexistische und frauenverachtende Onlinekommentare.

Strippenzieherin ist die Bernerin Sophie Achermann, Geschäftsführerin von Alliance F. Die 25-Jährige begann bereits früh, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Vor drei Jahren leitete sie zum Beispiel einen Workshop zum Thema Sexismus im Internet.

«Liebe statt Hass»

Dabei machte sie immer wieder dieselbe Erfahrung: Gerade junge Frauen seien heute oftmals Zielscheibe von üblen Beleidigungen im Netz. «Uns ist es deshalb wichtig, den Fokus auf den Sexismus zu setzen», sagt Achermann. Diese hätten aber Angst und würden die Vorfälle nicht melden. Genau hier will Achermann und ihr Team von Freiweilligen ansetzen.

Im Umgang mit den sogenannten «Internet-Trolls» verfolgt die Kampagne eine ganz besondere Vorgehensweise. «Uns ist es wichtig, nicht mit Beleidigungen auf Beleidigungen zu reagieren. Populismus ist nicht unsere Art. Liebe statt Hass trifft es ziemlich genau.»

Durch das Projekt versuche man, Gespräche zu lenken. Sexistische Kommentare dürfen nicht ohne Einschätzung stehengelassen werden, meint Achermann.«Leute sollen ihre Meinung ruhig äussern, wir wollen die Diskussion nicht verbieten.»

«Angstmacherei muss aufhören»

Achermann arbeitet auch für die Co-Präsidentin von Alliance F und Nationalrätin der Grünliberalen, Kathrin Bertschy. Die Mails, die sie im Auftrag von Bertschy durchlesen muss, seien zum Teil sehr schockierend und unter der Gürtellinie, so die junge Frau. «Das Ziel solcher sexistischen Kommentare ist es, Frauen Angst einzujagen und sie mundtot machen», erklärt Achermann. «Wenn Leser immer die gleichen sexistischen Kommentare lesen, stumpfen sie ab.» Ihr Projekt will einen Gegenpol zu dieser Entwicklung schaffen.

Bereits 20'000 Franken zusammen

Die Städte Bern, Thun und Biel haben bereits finanzielle Unterstützung für das Projekt zugesagt. Bisher wurden rund 20'000 Franken gesammelt. Freiwillige Kommentatoren, die mit Liebe den Trolls kontern wollen, haben sich laut Achermann bereits viele gemeldet. «Die 100 benötigten Helfer kriegen wir also locker zusammen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hombre am 03.08.2018 07:30 Report Diesen Beitrag melden

    Einseitig

    Wenn sie wirklich was gegen Hasskommentare machen will, dann würde sie sich für BEIDE Geschlechter einsetzen, anstatt nur gegen frauenfeindliche Kommentar vorzugehen! Das ist doch auch irgendwie sexistisch, nicht!???

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  • CptMcROFLcopter am 03.08.2018 06:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hehe

    Ich melde mich auch freiwillig und trolle dann rum. Es gab mal einen sehr ähnlichen Versuch in Deutschland. Das Fazit war, dass noch mehr getrollt wurde. Das wird hier genau gleich sein. Die Idee an sich ist einfach nur naiv.

  • Maddin Joop am 03.08.2018 07:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    1.Weltproblemchen

    Wenns wieder ein Jöbli schafft - und so dreht sich das Sozialindustrie-Rädchen weiter.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Gero F am 03.08.2018 11:59 Report Diesen Beitrag melden

    Umgekehrt geht auch?

    Wie wären wohl die Reaktionen, wenn ein Mann etwas in derselben Art ins Leben rufen würde? Frauen haben immer noch den Geschlechtsvorteil wenn es um Trennung und Kinder geht. Somit wird der Mann nach wie vor diskriminiert und dies seit Jahren seit die Feministen Welle die Sozialen Geld Umwandlung Institutionen in fester Hand haben. Beispiele hierfür gibt es genügend, angefangen im BR

  • Alejander am 03.08.2018 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Beleidigungen im Netz.

    Gerade junge Frauen sind heute oftmals Zielscheibe von üblen Beleidigungen im Netz? Falsch. Unter Männern wird genauso übel beleidigt, wenn nicht sogar öfters und übler. Es ist eine seltsame Sub-Kultur, in die sich diese Frauen bloss nicht hineinversetzen können, sie müssen es aber auch nicht. Sie wollen es aber, und weil es nicht passt, quetschen sie sich hinein und glauben dann, alles bekämpfen zu müssen, was ihnen fremd ist. Als würde Amerika abermals entdeckt und die Eingeborenen abermals verdrängt werden.

  • Persusson am 03.08.2018 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    Trolle.

    Bitte lernen, was Trolle sind. Hasskommentare, die ernst gemeint sind, sind nicht von Trollen. Diese Kommentatoren als Trolle abzutun, nimmt das Problem auf die leichte Schulter und jemand, der in seinem Hass lediglich als Troll angesehen wird, macht auch gerne weiter. Zumal solche Projekte die eigentlichen Trolle fördern, da die eigentlichen Trolle keine Bedrohung sind.

  • Marko am 03.08.2018 11:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respekt

    Rassen, Geschlechter, Religionen, Hautfarben etc. Täglich eine neue Gruppe, wo wir zu Respekt, Liebe und Akzeptanz gezwungen werden. Alles kontraproduktiv: Der ausstehende Erfolg und der zunehmende, allgemeine Hass sind der Beweis für die falsche Richtung der extremen Propaganda. Jeder Mensch liebt, wen er lieben kann, er respektiert automatisch, wen ihn respektiert, und er akzeptiert jeden, der ihm nicht als Hindernis im Leben steht. Ignorante Gruppierungen wollen diese natürlichen Regeln mit Zwang brechen. Keine Chance: jedes Lebensjahr wird es ihnen praxisnah beweisen.

  • Felix am 03.08.2018 10:42 Report Diesen Beitrag melden

    Social Media

    Wer solches Zeug nicht wegstecken kann oder will, sollte seine Internetnutzung überdenken und den Social Medien fernbleiben. Reale Kontakte und Konversationen sollte der virtuellen Seite überwiegen.

    • Tom am 03.08.2018 11:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Felix

      Leider gibt es schon zu viele Netzzombies mit Realitätsverlust.

    • Dave am 03.08.2018 12:38 Report Diesen Beitrag melden

      safe-space-Zombies

      Viele Leute leben eben lieber in einer Echo-Kammer, weil sie nie gelernt haben mit dem bitteren Ernst der Realität umzugehen.

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