Tweet von SP-Nationalrätin

13. Januar 2019 17:21; Akt: 13.01.2019 17:22 Print

Gletscherschmelze soll Energiegesetz befeuern

von S. Ulrich - SP-Nationalrätin Nadine Masshardt wirbt mit dem Gletscherschwund für das neue Energiegesetz. Das ewige Eis wird aber auch mit Klimaschutz rasant weiterschmelzen – vorerst.

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Verhüllt: Weisse Tücher sollen den Rhonegletscher vor dem Schmelzen bewahren. Seit 1850 ist nachweislich die Hälfte der Gletscherfläche in der Schweiz geschmolzen. Vor allem seit Mitte der 80er Jahre ist der Schwund rapide. Das wurde jüngst auch der Nadine Masshardt, Berner SP-Nationalrätin und Co-Präsidentin des WWF Bern, schmerzlich in Erinnerung gerufen. Auf Twitter veröffentlichte die Politikerin ein Bild, das sie Ende der 80er Jahre als vierjährigen Knirps zusammen mit der Mutter zeigt. Im Hintergrund zu sehen ist der Obere Grindelwaldgletscher. Letzten Juli habe sie eine Wanderung zur Glecksteinhütte unternommen, auf der man über weite Strecken auf den Gletscher hinunterblicken könne. «Ich war entsetzt, wie weit er sich im Vergleich zu meinen Kindheitserinnerungen zurückgebildet hat», sagt Masshardt. Bild: Touristen vor dem Eingang zur Gletschergrotte im Oberen Grindelwaldgletscher, aufgenommen im September 1992. (KEYSTONE/Str) Letzten Juli habe sie eine Wanderung zur Glecksteinhütte unternommen, auf der man über weite Strecken auf den Gletscher hinunterblicken könne. «Ich war entsetzt, wie weit er sich im Vergleich zu meinen Kindheitserinnerungen zurückgebildet hat», sagt Masshardt. Bild: Oberer Grindelwaldgletscher im Juli 2003. Masshardt gehört dem Komitee «Ja zum Berner Energiegesetz» an. Die Gesetzesrevision verlangt unter anderem, dass Ölheizungen in bestehenden Wohnbauten wenn immer möglich durch Heizungen ersetzt werden, die mit erneuerbarer Energie betrieben werden. Allerdings werden die Schweizer Gletscher laut Glaziologen auch mit rigorosen Klimaschutz-Massnahmen weiter rasant zurückgehen. Grosse Alpengletscher wie der Aletschgletscher (Bild) oder der Rhone­gletscher werden nach Einschätzung von Glaziologen zwar überleben, allerdings nur in höheren Lagen. Mit dem Gletscherschwund versiegen die Wasserabflüsse ins Tal, es droht Wasserknappheit in den Trockenperioden. «Den Rückgang werden nicht nur die Alpen, sondern auch die grossen Flüsse Europas wie der Rhein und die Rhone (Bild) zu spüren bekommen, die zu einem grossen Teil von Gletscherwasser gespiesen werden», prophezeit Glaziologe Matthias Huss. Um auf die Erderwärmung und die damit einhergehende Bedrohung der Gletscher aufmerksam machen, wurde auf dem Aletschgletscher letzten November eine riesige Postkarte ausgelegt.

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Nirgends ist die Klimaerwärmung hierzulande besser ersichtlich als am Rückgang der Gletscher. Seit 1850 ist nachweislich die Hälfte ihrer Fläche geschmolzen. Vor allem seit Mitte der 80er- Jahre ist der Schwund rapide.

Das wurde jüngst auch der Nadine Masshardt (34), Berner SP-Nationalrätin und Co-Präsidentin des WWF Bern, schmerzlich in Erinnerung gerufen. Auf Twitter veröffentlichte die Politikerin ein Bild, das sie Ende der 80er-Jahre als vierjährigen Knirps zusammen mit der Mutter zeigt. Im Hintergrund zu sehen ist der obere Grindelwaldgletscher, der damals bis tief hinunter ins Tal reichte.


«Entsetzt über Rückgang»

«Was können wir tun, damit unsere Kinder Gletscher dereinst überhaupt noch sehen können?», schreibt Masshardt zum Foto. Letzten Juli habe sie eine Wanderung zur Glecksteinhütte unternommen, auf der man über weite Strecken auf den Gletscher hinunterblicken könne. «Ich war entsetzt, wie weit er sich im Vergleich zu meinen Kindheitserinnerungen zurückgebildet hat», sagt Masshardt zu 20 Minuten.

Der Tweet der Nationalrätin ist jedoch nicht nur nostalgisch, sondern vor allem politisch motiviert. Die Antwort auf ihre Frage, was wir gegen den Verlust der Eisriesen unternehmen können, gibt sie gleich selbst: «Zuerst Ja stimmen zum revidierten Berner Energiegesetz.» Über die Gesetzesrevision, die die Energieeffizienz in den Gebäuden erhöhen und erneuerbare Energien fördern will, wird am 10. Februar abgestimmt (siehe Box).

Trägheit von Klima und Gletschern

«Gebäude verbrauchen in der Schweiz 40 Prozent der gesamten Energie und verursachen einen Drittel des CO2‐Ausstosses», sagt Masshardt. Insbesondere im Gebäudebereich komme den Kantonen daher eine entscheidende Rolle zu. «Mit einem Ja zur Vorlage können wir konkret etwas gegen die Klimaerwärmung unternehmen», sagt Masshardt.

Allerdings werden die Schweizer Gletscher auch mit rigorosen Klimaschutz-Massnahmen weiter rasant zurückgehen. Der Grund sind laut Glaziologe Matthias Huss die langen Reaktionszeiten von Klima und Gletschern. «Selbst wenn wir unseren CO2-Ausstoss heute noch auf Null herunterfahren würden, ginge es Jahrzehnte, bis sich die Temperaturen auf einem konstanten Niveau einpendelten», sagt er. Genauso würden sich Gletscher erst nach mehreren Jahrzehnten dem Klima anpassen, das zum aktuellen Zeitpunkt herrsche. «Aufgrund dieser beiden Verzögerungsmechanismen ist ein Grossteil der Schweizer Gletscherfläche bereits verloren.»

Keine Hoffnung für kleine Gletscher

Jedoch nicht alles: Bei Einhaltung des Pariser Klimaabkommens könnten laut Huss zumindest die grossen Alpengletscher gerettet werden – wenn auch in deutlich kleinerer Ausdehnung als heute. Für kleinere Gletscher sei der Zug dagegen abgefahren. «Mit dem Klimaschutz können wir bis ins Jahr 2100 immerhin noch einen Unterschied zwischen gar keinen Gletschern und noch ein paar Gletschern machen», so der ETH-Forscher.

Madeleine Amstutz, Grossrätin und Komitee-Mitglied «Nein zum Energiegesetz», stimmt Masshardt überhaupt nicht zu: «Zwischen dem Energiegesetz und der Gletscherschmelze besteht kein Zusammenhang.» Das sei viel zu weit hergeholt. «Die Gletscher hören mit einem Ja zum Gesetz weder auf zu schmelzen, noch kommen sie zurück», so die SVP-Politikerin. Die Gesetzesverschärfung stoppe die Klimaerwärmung nicht.

Der Gletscherschwund ist so oder so dramatisch. Denn Gletscher spielen heute nämlich eine wichtige Rolle für den Wasserhaushalt des Landes, indem sie die natürlichen Schwankungen im Wasserangebot ausgleichen. «Gletscher bringen uns dann Wasser, wenn wir es am meisten brauchen: wenn es heiss und trocken ist», sagt Huss. Mit dem Schwund versiegen die Wasserabflüsse ins Tal, es droht Wasserknappheit in den Trockenperioden. «Den Rückgang werden nicht nur die Alpen, sondern auch die grossen Flüsse Europas wie der Rhein und die Rhone zu spüren bekommen, die zu einem beträchtlichen Teil von Gletscherwasser gespeist werden.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alter Sack am 13.01.2019 17:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Welt dreht sich trotz Geltscherschmelze

    Auch wenn die ganze Schweiz morgen stillgelegt und abgebrochen wird... die Gletscherschmelze geht genau so weiter wie bisher.

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  • Marvin Lanz am 13.01.2019 18:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorwand für Kampagnen

    In der Geschichte der Erde gab es viele Klimawandel, welche nichts mit Energie zu tun hatten. Fruher war da wo berge sind Meer usw. Gletscher entstehen und verschwinden. das lässt sich nicht verhindern. Wir haben da nur bedingt einfluss darauf. Also hort auf mit der Panikmache. die welt drwht sich trotzdwm weiter. Politiker nutzen dies fur ihre Kampagnen um diese zu ihren gunsten zu nutzen.

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  • marcel am 13.01.2019 17:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    özi unterm eis..

    der özi wurde dank der eisschmelze gefunden, das heis es gab zeiten da hatte es schon weniger eis, sonst wäre er ja nicht unter dem eis eingebettet gewesen das ist ein normaler zyklus aber die weltverbessere möchten das ja nicht sehen

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jimy Hofer am 14.01.2019 09:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Seit 12 000 Jahren

    Dass die Gletscher nun seit mehr als 12 000 Jahre kontinuierlich am schmelzen sind, ( mal schneller, mal langsamer) wird von Grünen und Linken einfach unterschlagen. Damit Politik zu machen und Ängste zu schüren ist einfach nur pervers.

  • Thomas Melone am 14.01.2019 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    Selbsternannte Klimaexperten

    Erstaunlich wie es auf einmal ganz viele selbsternannte Klimaexperten gibt. Eigentlich nicht erstaunlich, denn in der Schweiz will ja niemand auf das Fliegen oder den Hausfrauenpanzer verzichten.

  • sirLiftalot am 14.01.2019 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Paar Fakten am Montagmorgen

    Der CO2 Gehalt in der Atmosphäre beträgt 0.038%, der Menschengemachte Anteil daran beträgt 3%... also 0.00114%... nun errechne man noch den Anteil der Schweiz und stelle dem gegenüber was der Staat durch CO2-Abgaben und sonstige Massnahmen einnimmt. Glaubt dann wirklich noch jemand, dass es um das "Klima" geht? Oder eher darum, eine riesen Geldmaschine laufen zu lassen? Überlegt nur mal, welche Unternehmungen sich damit einen goldenen Daumen verdienen können... und dann schaut wer in der Politik Einfluss hat. Follow the Money!

  • Phil am 14.01.2019 08:39 Report Diesen Beitrag melden

    Da sollte Frau Masshardt...

    mal was anderes Lesen als die Klimaberichte des IPCC, z. Bsp. gibt es gute Arbeiten zu diesem Thema von Prof. em. Christian Schlüchter, Zitat aus dem Bund: "Die Gleichgewichtslinie, also die Linie zwischen Nähr- und Zehrgebiet eines Gletschers, lag zu Zeiten Hannibals mindestens 300 bis 350 Höhenmeter höher als heute. Die Durchschnittstemperatur lag anderthalb Grad über jener von 2005. Erdgeschichtlich ist die jetzige Entwicklung nicht neu." "Viele Naturwissenschafter sind heute Zudiener von Politikern, aber nicht mehr Naturwissenschafter, denen es um neues Wissen und Daten geht."

  • John Livers am 14.01.2019 08:35 Report Diesen Beitrag melden

    Die Natur beginnt sich zu wehren..

    Bald 8 Milliarden Menschen und jedes Jahr 80 Millionen mehr. Die Natur beginnt sich zu wehren und verändert das Klima. Letzte Woche war in den Medien zu lesen, dass sich die Erdpole verschieben, vielleicht kommt die Erwärmung daher.

    • Nicola St. am 14.01.2019 08:44 Report Diesen Beitrag melden

      @John Livers

      Die magnetischen Pole verschieben sich, das ist normal und zu kompletten Umpolungen ist es in der Erdgeschichte schon ein paar mal gekommen.

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