Gefährlicher Sprengstoff

25. Februar 2020 19:30; Akt: 26.02.2020 10:24 Print

Die Bewohner von Mitholz müssen ihr Dorf verlassen

Die Munition, die in Mitholz BE unter dem Berg schlummert, soll geräumt werden. Dafür muss die Bevölkerung das idyllische Dorf für zehn Jahre verlassen.

Darum ist die Räumung in Mitholz unumgänglich. (Video: Keystone)
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Die Bevölkerung von Mitholz BE musste heute einen gigantischen Brocken schlucken. Bundesrätin Viola Amherd informierte an einem Informationsanlass persönlich, wie es mit dem ehemaligen Munitionslager im Berg weitergeht.

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Dieses wird definitiv geräumt – mit grossen Konsequenzen für die Dorfbewohner. Sie werden ihre Häuser wohl für rund zehn Jahre verlassen müssen. Frühstens 2031 soll es so weit sein – davor braucht es umfassende Vorbereitungsmassnahmen. So sollen etwa Schutz- oder Neubauten für den Schienen- und Strassenverkehr errichtet werden.

«Es ist heftig», sagt Roman Lanz, Gemeindepräsident der betroffenen Gemeinde Kandergrund zu 20 Minuten. Man habe damit gerechnet, dass es temporäre Evakuationen brauchen werde, aber niemand habe mit diesem Ausmass gerechnet: «Manche Bewohner müssen nicht nur für eine Weile gehen, sondern wegziehen.»

Die Gefahr einer Explosion in Mitholz besteht

«Leidensdruck wird gross sein»

Das würde nicht erst 2031 beginnen, denn bereits während den Vorbereitungsmassnahmen würden die Einschränkungen und der Leidensdruck für die Mitholzer gross sein: «Da wird sich mancher überlegen, bereits vorher wegzuziehen.»

Das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) rechnet damit, dass die Räumung deutlich über eine Milliarde Franken kostet. Ziel sei die vollständige Entfernung der Munitionsrückstände. Ob dies tatsächlich machbar ist, bleibt einstweilen offen. Zur Not könnte die gesamte Anlage mit Gestein überdeckt werden.

Die Langzeit-Evakuierung bliebe den 160 Dorfbewohnern dann erspart. Doch dass Munitionsrückstände für immer vor Ort blieben, wäre «ein giftiges Geschenk für unsere Nachkommen», wie Projektleiter Hanspeter Aellig vor Medienvertretern sagte. Dies wäre auch nicht im Interesse der Gemeinde, sagt Roman Lanz. Solche Altlasten könnten nicht der nächsten Generation überlassen werden. «Es muss wieder möglich sein, in Mitholz sicher leben zu können.» Aber der Preis den die Bewohner zahlen müssten, sei sehr hoch.


So sieht es im Innern des Munitionslagers aus. (Video: Key)

Es geht auch um Geld

50 bis 60 Haushalte gibt es in Mitholz; manche Familien leben seit Generationen hier. «Wir stehen zu unserer Verantwortung und wollen die Bewohner in dieser schwierigen Lage so gut wie möglich unterstützen», betonte Bruno Locher, Chef Raum und Umwelt VBS. Dabei gehe es auch, aber nicht nur, um Geld. Wie die finanzielle Entschädigung für die betroffenen Einwohner aussieht, ist noch unklar. «Solche und andere Fragen müssen jetzt angegangen werden», sagt Gemeindepräsident Lanz. Das VBS werde Einzelgespräche mit Betroffenen führen.

Das VBS hat den Mitholzern bei der Infoveranstaltung am Dienstag einen Mitwirkungsplan vorgestellt. Das Departement will wissen, was die Betroffenen über das Räumungskonzept denken. Jeder Bewohner sei vor grosse Zukunftsfragen gestellt und müsse beispielsweise entscheiden, ob er einstweilen bleiben oder schon jetzt wegziehen wolle, ob er Mitholz für immer verlassen wolle oder auf eine Rückkehr nach der Räumung setze. Über das weitere Vorgehen will der Bundesrat in der zweiten Jahreshälfte entscheiden – im Wissen, was die lokale Bevölkerung über das Projekt denkt.

Sind Sie von der Räumung in Mitholz betroffen? 20 Minuten will wissen, was die lokale Bevölkerung davon hält. Teilen Sie uns Ihre Ansichten mit dem Formular mit.

(cho/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Baselbieter am 25.02.2020 19:50 Report Diesen Beitrag melden

    Okay, aber...

    Ich hoffe doch schwer dass die betroffenen Menschen eine angemessene (finanzielle) Entschädigung erhalten!!

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  • Jan J. am 25.02.2020 19:44 Report Diesen Beitrag melden

    Schande

    Eine Schande. Für die EU hat man Milliarden aber man wendet nicht einen Bruchteil davon auf damit die eigenen Bürger in Frieden und ungestört leben können. Diese Alternative bestand und wurde aus "Kostengründen" gestrichen.

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  • Waran am 25.02.2020 19:48 Report Diesen Beitrag melden

    Knall auf Fall

    Typisch CH Staat eine Zumutung, schlimm. Wer bezahlt das ? die Einheimischen 10 Jahre danach in ihre Häuser zurückkehren dürfen und alles marode ist , ist doch Irrsinnig!!! Alles Gute Mitholzer....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • i-fit-you am 26.02.2020 17:51 Report Diesen Beitrag melden

    China

    Die Chinese würden diese Bauangelegenheit innert 1 Woche erledigen. Aber in der Schweiz muss man 10 Jahre lang Geld Verblöden und 160 Anwohnern die Lebensgrundlage rauben.

    • ReaList am 26.02.2020 18:59 Report Diesen Beitrag melden

      @i-fit-you

      Die Chinesen würden gar nichts aufräumen sondern einfach alles lassen wie es ist!

    • Zzz am 26.02.2020 23:05 Report Diesen Beitrag melden

      @i-fit-you

      Jaja China... halt schon ein ganz, ganz tolles Land... was die alles so erschaffen.

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  • Jürg Butscher am 26.02.2020 17:36 Report Diesen Beitrag melden

    Wohnung in Mitholz gefällig?

    Krass finde ich, dass es bereits Inserate gibt, die Wohnungen in Mitholz zur Miete anpreisen. Wie kann man mit gutem Gewissen jemanden eine Wohnung dort vermieten? Kann mir auch vorstellen, dass bald Verkaufsinserate publiziert werden.

  • Tell am 26.02.2020 16:53 Report Diesen Beitrag melden

    Willhelm

    Und denen in der Umfrage mit 52%,also immerhin 1431 Ja-stimmenden empfehle ich,mal eine nacht dort zu übernachten.Und dann starten wir eine neue Umfrage mit der möglichen Antwort:Wie war es?

  • Simon Lauper am 26.02.2020 16:29 Report Diesen Beitrag melden

    Steuern

    Dafür würde mich kein einziger Rappen den ich Steuern zahle "reuen" um den Mitholzern ein neues Zuhause zu bezahlen!! Da wirt ganz andern Leuten von den Steuern ein Zuhause mit allem drum und dran ermöglicht und in den A... geschoben....

    • Bimbo CH am 26.02.2020 17:58 Report Diesen Beitrag melden

      @genau

      Das sind aber keine Eidgenosssen!

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  • Fred am 26.02.2020 14:38 Report Diesen Beitrag melden

    Würde Dummheit weh tun....

    Würde Dummheit weh tun, dann würde das Schmerzgeheul einiger Kommentarschreiber selbst die grösste Explosion in Mitholz noch um ein Vielfaches übertönen.