Heimtückische Krankheit

05. November 2019 04:49; Akt: 05.11.2019 13:15 Print

Tierseuche zwingt Schafe in die Knie

Die Moderhinke bei Schafen ist in der Schweiz weit verbreitet. Ein nationaler Bekämpfungsplan soll die Seuche nun ausrotten.

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Einer Leserin fiel bei einem Spaziergang entlang einer Schafwiese in der Region Bern etwas Eigenartiges auf. «Ich fragte mich, was mit den Schafen los ist», so die Leser-Reporterin. Sie habe ungewöhnlich viele Schafe beobachtet, die ausschliesslich auf ihren Vorderknien gingen. «So etwas habe ich noch nie zuvor gesehen. Es sah aus, als ob sie extreme Schmerzen hätten», erzählt die Frau. Ihr Begleiter klärte sie auf: Die Tiere seien an der Tierseuche Moderhinke erkrankt.

Moderhinke ist eine hoch ansteckende Klauenkrankheit, die vor allem bei Schafen weit verbreitet ist. Dabei entzünden sich die Klauen der Tiere, was sehr schmerzhaft ist und die Tiere beim Gehen beeinträchtigt.

Die Seuche ist weitverbreitet

Forscher der Widerkäuerklinik der Universität Bern haben Daten zur Verbreitung der Krankheit in der Schweiz gesammelt. Sie stellten fest, dass fast ein Sechstel aller getesteten Schafe in der ganzen Schweiz, von dieser Krankheit betroffen sind.

Patrik Zanolari, Dozent an der Wiederkäuerklinik, schätzt die Problematik der Krankheit als hoch ein. «Die Moderhinke verursacht hohe wirtschaftliche Verluste und zählt weltweit zu den bedeutendsten Schafkrankheiten.» Der Umgang mit der Seuche sei für Schafhirte nicht alltäglich. «Die Bekämpfung der Krankheit dauert unter idealen Voraussetzungen zwischen sechs und acht Wochen», so Zanolari.

Schafhalter müssen selbst für Kosten aufkommen

Dank der Ergebnisse der Studie kann der Bund nun eingreifen. Mit dem nationalen Bekämpfungsplan soll die Krankheit innerhalb von fünf Jahren fast komplett ausgerottet werden. Dafür gibt es jedoch Auflagen: Sämtliche Schafsherden müssen ab Beginn der nationalen Bekämpfung jährlich durch eine Kontrolle. Dort werden die Tiere mittels Klauentupfertest auf die Krankheit untersucht. Wird bei einem Tier der Erreger festgestellt, muss die Herde «saniert» werden.

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen schreibt keine bestimmten Sanierungsmethoden vor, weist aber auf die Effektivität von Klauenbädern hin. Mit diesen Huf-Bädern könne die Ausbreitung der Krankheit verhindert werden. In Kombination mit regelmässiger Klauenpflege und diversen Hygienemassnahmen könne der Erreger so zum Verschwinden gebracht werden.

Nachdem die «Sanierung» erfolgreich abgeschlossen wird, muss die Herde vor Neuinfektionen geschützt werden. Dies gehe nur durch regelmässiges Klauenschneiden, sauberes Klauenwerkzeug und mehr Vorsicht beim Kauf der Tiere. Unterstützt werden die Bauern bei diesen Massnahmen durch die Kantonstierärzte. Für Kosten der Behandlung müssen die Schafhalter jedoch selbst aufkommen.

Auch in der Region weitverbreitet

Markus Nyffeler, Schafhirte aus Rüeggisberg BE kennt die Krankheit bestens: «Ich hatte auch schon damit zu kämpfen», so der Berner. Der Landwirt sieht den Ursprung der Krankheit in der Pflege der Tiere. Laut Nyffeler sind es meist einzelne Schafe, die sich anstecken. «Die erkrankten Tiere trennen wir von der Herde und behandeln sie mit einem Bad und pflegen die Klauen», so Nyffeler. Man müsse schnell reagieren, sonst würde sich die Krankheit umgehend in der Herde verbreiten.

Der Landwirt badet seine Schafe deshalb stets im Frühling und im Herbst – als Vorbeugemassnahme. «Wenn man die Schafe stark vernachlässigt, kann es im Extremfall vorkommen, dass ein Tier geschlachtet werden muss», erklärt Nyffeler.

Kritik am Aufwand für die Bauern

Das will der Bekämpfungsplan des Bundes verhindern. Nyffeler steht hinter dem Projekt des Bundes, kritisiert jedoch den enormen Aufwand und die finanziellen Kosten, die auf die Bauern zukommen. «Ich kann mir vorstellen, das manche Bauern aufhören werden, Schafe zu halten, weil der Aufwand zu gross wird», so der Schafhirte.

Die Bekämpfung der Moderhinke verlaufe im Moment auf freiwilliger Basis. «Durch die bundesweite Koordinierung werden jedoch die Weichen richtiggestellt», sagt Patrik Zanolari.

(km)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mila am 05.11.2019 05:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tiere = Pflegen und Hegen

    Wenn man Tiere hat, muss man diese auch Pflegen. Ist völlig normal, Mehraufwand oder nicht. Schafe 2x/Jahr durch ein Infektionsbad zu treiben kann abermals verlangt werden.

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  • WilliTell am 05.11.2019 06:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Schäfer

    Als ehemaliger Schafhalter der weiss von was er spricht; Tierpflege vor allem Klauenpflege ist beim Schaf sehr wichtig. Da die Klauen sehr schnell wachsen und sich zuwenig beim laufen abnützen, ist es wichtig die Klauen periodisch zu prüfen und wenn notwendig zu schneiden. Das Schaf sollte auch regelmässig entwurmt werden. Das Schaf ist das stärkste von Parasiten betroffene Tier.

  • Leser am 05.11.2019 06:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hm

    Also soweit ich mich erinnere wurden Schafe schon vor 50 Jahren vor und nach dem Sömmern, zwemal im Jahr gebadet .....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ganjaflash am 05.11.2019 21:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden
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  • Roger Campos am 05.11.2019 11:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden
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    • Klaus07 am 05.11.2019 11:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Roger Campos

      Täglich ihre Sinnlosen Gif's !

    • Stepi am 05.11.2019 12:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Klaus07

      Für mehr reicht es halt nicht.

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  • Major Tom am 05.11.2019 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    Soso, zuviel Aufwand

    Ja, im klimatisierten Traktor übers Feld zu tuckern und dabei am Handy zu hängen ist schon einfacher, als sich aktiv um Tiere zu kümmern. Und die Subventionen kommen auch noch automatisch aufs Konto.

  • Behandlung und Heilung ist möglich am 05.11.2019 11:06 Report Diesen Beitrag melden

    Nachgedacht

    Viel mehr Tiere verenden übrigens an der Moderhinke oder der Maul- und Klauenseuche als an Angriffen durch den Wolf. Sie stürzen ab oder verhungern schlicht, meist sind die unbeaufsichtigten Tiere auf der Alp betroffen. Kommt der Wolf wird Zeter und Mordio geschrien, aber die Tiere anständig zu pflegen wenn sie erkrankt sind, das liegt nicht drin. Genauso wie anständige Schutzmassnahmen für die Herde nicht drin liegen. Aber Hauptsache man kann beim Bund die hohle Hand machen sobald man ein totes Tier hat. Unsere Landwirte haben Punkto Tierschutz noch viel zu lernen.

    • Abgründe am 06.11.2019 10:14 Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      Was für ein "schönes" Beispiel gerade wieder in den Schlagzeilen zu lesen ist, und - mal wieder - aus dem Thurgau.. In diesem Kanton läuft einfach gründlich etwas schief. Da sind zuerst mal mehr Schutzmassnahmen vor den Besitzern nötig als vor irgendwelchen Einflüssen von aussen.

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  • GLC am 05.11.2019 10:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pilotversuche

    In Graubünden zb wurden darum schon vor Jahren erfolgreich Pilotversuche gemacht. Es gibt nicht viel Mehraufwand. Das Problem ist, dass diese Keime in der Erde zu sein scheinen.In nassen Sommern sind die Klauen der Tiere weicher,empfindlicher.Eine mini Verletzung führt dazu dass die Keime (aus der Erde) eine Infektion verursachen.

    • nicht ganz richtig am 05.11.2019 11:11 Report Diesen Beitrag melden

      Leider Nein

      Der Keim überlebt in der Umwelt nicht lange sondern nur im Klauenhorn. Wenn sie jedoch die kranken Klauen auf der Weide schneiden oder das abgeschnittene Klauenmaterial auf den Miststock werfen, erstaunt es mich nicht, wenn Jahr für Jahr eine Reinfektion stattfindet.

    • GLC am 05.11.2019 12:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @nicht ganz richtig

      ah ok..ich hatte das so in Erinnerung dass es eben ein paar Jahre braucht bis der Keim auch in der Erde weg ist. Aber es ist ja schon eine Weile her. Auf jeden Fall hatte es sich gelohnt.Bis dahin wusste man wenig wie dem beikommen.Wir waren froh dass es endlich etwas gab womit man den armen Tieren helfen konnte. Das mit dem Klauenschneiden ist natürlich so wie du es sagst.

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