«Ich handelte instinktiv»

30. Mai 2018 05:45; Akt: 30.05.2018 05:45 Print

Ladenbesitzer überwältigt bewaffneten Räuber

von Simon Ulrich - Beim Überfall auf ein Münzengeschäft in Solothurn machte ein Räuber die Rechnung ohne den Inhaber: Philipp Eppler erzählt, wie er dem Täter die Tour vermasselte.

Münzenhändler Philipp Eppler spricht über den versuchten Raubüberfall auf sein Geschäft. (Video: sul)
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«Das kann ich nicht genau sagen. Alles ging blitzschnell.» Mit diesen beiden Sätzen muss sich Philipp Eppler (43) während des Gesprächs mit 20 Minuten immer wieder behelfen. Geht es um die Details des Vorgefallenen, streikt sein Gedächtnis. Noch immer verliert er zuweilen den Faden oder vergisst die ihm zuvor gestellte Frage. Der Schrecken über das Erlebte sitzt ihm auch Tage später noch in den Knochen. «So etwas geht nicht spurlos an einem vorbei», sagt er.

Am Samstagnachmittag befand sich Eppler mit seiner Frau im Münzengeschäft in der Solothurner Altstadt, das er seit neun Jahren führt. Gegen 14.30 Uhr betrat ein maskierter Mann den Raum. «Meine Frau sah ihn zuerst und machte mich erschrocken darauf aufmerksam», erinnert sich Eppler.

Unterstützung von einem Grenzwächter

Was in den darauffolgenden Sekunden folgte und was ihn zu seiner Reaktion bewog, kann er nicht mehr beschreiben. Klar ist: Eppler fackelte nicht lange, ging auf den Maskierten zu und packte ihn. «Im ersten Moment hatte ich keine Angst, sondern handelte instinktiv.»

Hilfe erhielt Eppler von einem Grenzwächter, der an diesem Tag privat in Solothurn weilte und durch das Schaufenster auf den Überfall aufmerksam wurde. «Es war ein Gerangel. Als ich sah, dass einer von beiden eine Maske trägt, war der Fall rasch klar», sagt der Grenzwächter, der nicht namentlich genannt sein will.

Also sei er ohne Zögern ins Geschäft gestürmt und habe Eppler geholfen, den Einbrecher zu Boden zu drücken. «Dabei kam mir natürlich meine Ausbildung zugute», sagt er.

Plötzlich war da eine Waffe

Erst als der Mann, ein 47-jähriger Italiener, am Boden fixiert war, sahen Eppler und sein Helfer, dass er eine Pistole in der Hand hatte. «Wenn ich diese vorher gesehen hätte, hätte ich wahrscheinlich anders reagiert – zumal ja auch meine Frau anwesend war», sagt der Ladenbesitzer. Eppler und dem Grenzwächter gelang es schliesslich, den Einbrecher zu entwaffnen und ihn festzuhalten, bis die Polizei nach wenigen Minuten eintraf. «Er hat sich dabei heftig gewehrt», sagt Eppler.

Auch wenn Eppler das Erlebte noch immer beschäftigt: Aus der Bahn geworfen habe es ihn nicht. «Das Münzengeschäft ist meine Leidenschaft. Und dieser werde ich sicher weiter nachgehen.» Auch sei er enorm dankbar, dass es noch immer Leute mit Zivilcourage gebe. Eppler: «Ich hatte wirklich Glück im Unglück.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • René B. am 30.05.2018 06:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    So sollte es allen Räubern und auch den Einbrechern ergehen. Bravo für so viel Mut.

  • Bonnie_X am 30.05.2018 09:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Glück gehabt. besonders sein letzter Satz gefällt mir! Zivilcourage bewirkt sehr viel wie auch etwas Aufmerksamkeit im Alltag! Super gemacht! :-)

  • EidGenosse am 30.05.2018 08:16 Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Gratuliere ein richtiger Mann und Held!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marius am 30.05.2018 11:11 Report Diesen Beitrag melden

    Hat er ja gar nicht

    Der Grenzwächter hat ihn überwältigt, er hat nur mit ihm gerangelt. Wozu das überhaupt gut gewesen ist, verstehe ich nicht. Abgesehen davon, dass der Räuber offensichtlich dement war und die Knarre vergass ordentlich vorzuweisen wie dies bei einem Raubüberfall üblich ist, ist es einfach nur dumm sein eigenes Leben für etwas aufs Spiel zu setzen, das sowieso versichert ist. Er hatte nur Glück war der Grenzwächter da, sonst hätte der Räuber im Gerangel die Pistole vielleicht dann auch eingesetzt die er zuvor nicht gesehen hat.

  • Jean110 am 30.05.2018 10:37 Report Diesen Beitrag melden

    So einfach geht es nicht mehr

    Durch Misserfolg und den Angriff von zwei Männern gegen einem armen maskierten bewaffnen Italiener muss dieser Mensch unbedingt physische betreut werden. Ah ja, auch diese Kosten sind auf dem Last von die 2 gewalttätiger Bürger.

  • bmf 66 am 30.05.2018 10:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bedenklich

    Für mich fehlt die Information ob Täter in der Schweiz wohnhaft oder ein Kriminaltourist ist. Das die Situation in Grenznähe immer prekärer wird ist bei den offenen Grenzen nachvollziehbar. Aber Solothurn ist nun wirklich ein Ort im Landesinneren. Bedenklich finde ich auch das Zivilcourage inzwischen in unserer Egogesellschaft etwas derart Exotisches geworden ist das es in den Medien explizit erwähnt werden muss. Ein grosses Lob an alle, die sich noch getrauen sich zu wehren und ebenfalls an jene die Handeln und tatkräftig Eingreifen. Bravo!

  • Bonnie_X am 30.05.2018 09:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Glück gehabt. besonders sein letzter Satz gefällt mir! Zivilcourage bewirkt sehr viel wie auch etwas Aufmerksamkeit im Alltag! Super gemacht! :-)

  • Italico Nero am 30.05.2018 08:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich hoffe

    Ich hoffe, dass ich nie in so eine Situation erleben muss.