Polizeiverband Bern

09. Oktober 2015 16:06; Akt: 09.10.2015 17:05 Print

Nach Pinkel-Prozess gibts Knatsch im Polizei-Korps

Die beiden mit Aussicht auf Kündigung freigestellten Polizisten erhalten Rückendeckung: Der Polizeiverband Kanton Bern schaltet sich ein.

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Polizisten und der Polizistenverband haben kein Verständnis für die angedrohte Kündigung gegen zwei Berner Uniformierte. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

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Nachdem zwei Berner Polizisten in erster Instanz wegen Amtsmissbrauchs verurteilt wurden, stellte die Kapo die Polizisten mit Aussicht auf Kündigung frei. Nun wurde der Polizeiverband Kanton Bern aktiv.

Polizeiverbands-Präsident Adrian Wüthrich traf sich am Donnerstag mit dem Polizeikommandanten Stefan Blättler, wie die Berner Zeitung berichtet. Wüthrich wehrt sich gegen die angedrohte Kündigung der beiden Polizisten: «Wir haben ein gutes Gespräch geführt und wir konnten dem Kommando der Kantonspolizei Alternativen zu einer möglichen Kündigung vortragen, so Wüthrich gegenüber der Zeitung. Die beiden Parteien hätten vereinbart, sich in der Öffentlichkeit nicht mehr zu dem Fall zu äussern – zumindest nicht, solange das Verfahren noch andauere.

Blättler trat vor das Korps

Nicht nur innerhalb des Polizeiverbandes sorgt die angedrohte Kündigung für Kopfschütteln. Auch Polizisten haben für die Massnahme kein Verständnis. Letzte Woche organisierten die Uniformierten einen spontanen Protest für ihre Kollegen – es kam zu einer Aussprache mit Peter Baumgartner, dem stellvertretenden Polizeikommandanten.

Offenbar reichte dies jedoch nicht aus, um die Gemüter der Beamten zu beruhigen. So kam es am Mittwochabend erneut zu einer Aussprache – diesmal mit Polizeikommandant Blättler, wie die Berner Zeitung berichtet.

Durch den Urin gezogen

Die Polizisten wurden wegen Amtsmissbrauchs verurteilt, nachdem es das Gericht als erwiesen ansah, dass die Männer im Februar 2014 bei einem Gefangenen zu weit gegangen waren. Einer der Polizisten soll das Opfer im Verhörraum zu Boden gedrückt haben, nachdem er auf den Boden uriniert hatte. Ausserdem soll das Opfer mehrmals durch die Urinpfütze gezogen worden sein. Der andere Polizist warf darauf die Felljacke des Mannes in die Pfütze. Eine Kollegin aus dem Korps sagte während des Prozesses gegen die beiden Polizisten aus.

Sie beide wurden in erster Instanz zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt. Das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig. Beide gaben bekannt, gegen das Urteil Berufung einzulegen.

(cho)

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