Haufenweise Bauern-Frust

12. Juni 2019 15:00; Akt: 12.06.2019 16:44 Print

Hundekot ist für Mensch und Tier extrem gefährlich

von S. Ulrich - Bauern ärgern sich über Hunde auf ihren Feldern. Der Bauernpräsident und ein Parasitologe sind sich einig: Die Gefahr durch Kot ist ernst zu nehmen.

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Das Plakat dürfte manch einem Hundehalter einen Schauer über den Rücken jagen: Mit einer abgebildeten Bärenfalle mahnt ein Bauer aus dem bernischen Arch, Vierbeiner an die Leine zu nehmen, damit diese nicht seinen Kartoffelacker betreten. Ein Bluff, wie sich auf Nachfrage herausstellte: Fallen sind dort keine aufgestellt. Weil Hunde die Kartoffelkulturen aber wiederholt beschädigten und auf dem Feld ihr Geschäft verrichteten, wusste sich der Landwirt nicht anders als mit einem Elektrozaun und dem Horror-Hinweis zu behelfen.

Nährboden für Bakterien und Würmer

Auch Gespräche mit anderen Bauern zeigen: Der Frust über rücksichtlose Halter, die ihre Hunde auf den bestellten Feldern frei laufen lassen, ist weit verbreitet. «Als Privatperson haben wir es auch nicht gern, wenn Hunde oder Katzen auf unserem Grundstück streunern oder koten», sagt Hans Jörg Rüegsegger, Präsident des Berner Bauernverbandes. Wer Nahrungsmittel und Tierfutter anbaut, hat allerdings grössere Probleme als sich den Dreck aus den Schuhsohlen zu kratzen.

«Hundekot kann Mensch und Tier krank machen», warnt Rüegsegger. Die Hinterlassenschaften der Vierbeiner würden einen Nährboden für Viren, Bakterien und Würmer wie den Bandwurm bilden. «Krankheiten und Ungeziefer könnten dann plötzlich im Salat sein», sagt er. Rinder und andere Wiederkäuer könnten sich direkt auf dem Feld oder über das Tierfutter mit den Erregern anstecken. Ein Ärgernis für die Bauern, denn die Entwurmung ist aufwändig und teuer. «Deshalb muss unbedingt vermieden werden, dass Hunde sich auf den Feldern herumtreiben», sagt der Landwirt und SVP-Politiker.

Neben den Hundehaufen seien Flohhalsbänder ein grosses Problem. «Sie enthalten nachweislich toxische Wirkstoffe, die vor allem kleine Gewässer belasten», sagt Rüegsegger. In Bächen und Flüssen, die stark von Hunden frequentiert würden, gebe es negative Auswirkungen auf die Kleinstlebewesen im Wasser. In der Landwirtschaft seien diese Wirkstoffe längst verboten. «Der Berner Bauernverband plant deshalb einen Vorstoss, der unter anderem Flohhalsbänder strenger regeln soll», so der Grossrat.

Leberinfektionen, Augenprobleme, Durchfall

Auch Bruno Gottstein, Leiter des Instituts für Parasitologie der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern, warnt vor den Risiken des Hundekots. Er weist auf drei Parasiten hin, die über kontaminierte Garten- oder Freilandprodukte auf den Menschen übertragen werden können: der Fuchsbandwurm, der Hundespulwurm sowie die Giardien, eine Gattung kleiner Dünndarm-Parasiten. «Die Erreger können etwa zu Leberinfektionen, Haut- und Augenproblemen oder Durchfall führen», sagt der Parasitologe. Genaue Zahlen zur Häufigkeit gibt es laut Gottstein nicht, da für diese parasitären Erkrankungen auch andere Ansteckungsquellen in Frage kämen.

Auf Weiden und Mähwiesen können Fifis Ausscheidungen das Gras mit Infektionserregern verunreinigen und beim Rind gesundheitliche Probleme wie zum Beispiel Salmonellen verursachen. Nicht zu unterschätzen sei auch das «kulinarische Problem», sagt Gottstein: «Keine Kuh frisst gerne Gras, das mit Hundekot verunreinigt ist.» Wenn es ganz schlecht läuft, enthält der Hundekot den Neospora-Parasit, der bei trächtigen Kühen zu Fehlgeburten oder missgebildeten Kälbern führen kann. «Im Vergleich zu anderen Übertragungswegen kommt Neospora in Hundekot aber äusserst selten vor», räumt Gottstein ein.

«Dein Hundekot, mein Salat»

Als weniger bedenklich stuft der Wissenschaftler die Situation mit den Flohhalsbändern ein. Diese würden zunehmend durch modernere Lösungen wie Spot-on-Präparate, also flüssige Antiparasiten-Wirkstoffe, verdrängt. «Diese Produkte sind so gestaltet und geprüft worden, dass nur minimalste Mengen in die Umwelt gelangen können», sagt Gottstein. Nichtdestotrotz empfehle er, den Einsatz solcher Mittel auf ein Minimum zu beschränken, am besten ausgehend von einer tierärztlichen Beratung.

Der Bauernpräsident und der Forscher sind sich einig: Um Infektionen bei Mensch und Tier vorzubeugen, ist eine saubere Weidehygiene ohne Hundekot wichtig. Dazu verhelfen könnten Informationsplakate, die auf das Problem hinweisen. Rüegsegger hat dazu auch schon einen Vorschlag für einen Slogan: «Dein Hundekot, mein Salat».

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Eidgenosse am 12.06.2019 15:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hunde

    Habe zwei Hunde. Räume IMMER alle Hauffen weg ... in die Tüte & in den Robi-Dog... wenn das alle machen würden, hätten wir keinen Ärger! Die faulen Hundebesitzer sind ein Graus!

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  • KAter Garfield am 12.06.2019 15:05 Report Diesen Beitrag melden

    Oh ein Hundethreed

    ich hol schon mal Popkorn und bin gespant auf die Ausreden der Hundehalter/innen

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  • Kate am 12.06.2019 15:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hundehalterin

    Liebe Hundehalter Sammelt um Himmels Willen die Hinterlassenschaften eurer Hundd auf. Ich lese regelmässig den Kot fremder (!!) Hunde auf, weil ich mich so dermassen darüber aufrege! Danach werden alle Hündeler in den selben Topf geworfen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Eve79 am 03.07.2019 16:52 Report Diesen Beitrag melden

    Wohin dürfen wir noch?

    Da wird hier wieder diskutiert....wir sollen mit den Hunden nicht in den Wald, auf die Wiese auch nicht...wo sollen wir denn dann hin? Auf die Autobahn??? Wir zahlen eine Menge Hundesteuer. Und Haufen aufnehmen ist eigentlich Ehrensache oder?

  • Romi Bauer am 03.07.2019 07:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur der Hund?

    es ist nicht nur der Hundekot. ich behaupte die meisten Hundehalter nehmen ihre Haufen zusammen. Aaber es kommt leider zu meinem Leidwesen oft vor, dass mein Hund Häufchen von Fuchs,Katze und Co frisst.. Und die Verunreinigen das Gras genauso.. Klar ist jedoch auch dass der Hund zum Versäubern nicht gerade die Bauernwiese nehmen sollte. Gibt andere Plätze wo nicht landwirtschaftlich genutzt werden wo sich besser eignen...

  • Zischgeli am 12.06.2019 17:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hundekot

    Ich habe einen Hund und lese jedes noch so kleine Häufchen auf....aber liebe Bauern,eure Hunde laufen zu 90% frei herum und koten auch in die Wiese...wo seid ihr dann un den Kot aufzunehmen? Habs schon oft beobachted das dieser Kot nicht aufgelesen wird.

  • Elch.Test am 12.06.2019 17:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vergiftete Felder ...

    ... wegen Flohhalsbändern - und die Gewässer auch noch deswegen. Das Gejammer unserer Landwirtschaftsfraktion findet wieder mal auf hohem Niveau statt. Aber Glyphosat befürworten und gemäss Kassensturz vom 11.6. auch 11 weitere Gifte, das ist alles legal, weil nicht verboten! Ja, Hundekot gehört entrobidogt, aber wenn er mal auf's Feld macht oder unter die Büsche - was soll's? Da gibt es noch ganz anderes Weggeworfenes, welches noch nach Jahren nicht verrottet ist - Zigarettenstummel oder Däfipapierli. Und noch was: Hunde markieren (twittern) ihre Botschaften damit sie gelesen werden.

  • Hunde ohne Grenzen am 12.06.2019 17:29 Report Diesen Beitrag melden

    Man sollte den

    Hunden das Koten einfach verbieten. So gehts nicht weiter.