Nach Angriff auf Wache

22. Februar 2015 15:22; Akt: 22.02.2015 15:51 Print

Nause spricht von terrorähnlichen Verhältnissen

Unbekannte haben in Bern die Polizeiwache Waisenhaus angegriffen und verwüstet. Sicherheitsdirektor Nause spricht von «Gewaltextremismus».

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Die Gruppe Vermummter griff in der Nacht auf Samstag die Polizeiwache der Kapo am Berner Waisenhausplatz an. Die Angreifer warfen Farbbeutel, beschmierten das Polizei-Gebäude und demolierte Fahrzeuge. Gemäss Communiqué der Kantonspolizei ereignete sich der Angriff gegen 0.40 Uhr. Bei den Angreifern habe es sich um eine «grössere Gruppe» gehandelt, schreibt die Kapo.

Sieben Polizeiautos demoliert

Auf den Aussenparkplätzen wurden sieben abgestellte Zivilfahrzeuge demoliert. Ebenfalls von Sachbeschädigungen betroffen war das Regionalgefängnis. «Der Sachschaden kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genau beziffert werden», teilt die Kapo mit.

Polizist verletzt

Beim Einsatz wurden die Polizisten nach eigenen Angaben mit Flaschen, Gläsern, Feuerwerkskörpern und weiteren Wurfgeschossen beworfen. Ein Polizist wurde durch einen Flaschenwurf verletzt. Er musste sich ins Spital begeben, konnte dieses kurze Zeit später wieder verlassen.

Die Polizei setzte Gummischrot ein, woraufhin sich die Angreifer zurückzogen. Laut Kapo zogen sie sich auf den Vorplatz der Reitschule zurück.

«Reithalle muss sich distanzieren»

Der Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause spricht am Sonntag gegenüber 20 Minuten von terrorähnlichen Verhältnissen. «Das sind gezielte Angriffe von Extremen, die Verletzte in Kauf nehmen. Für mich ist damit die Schwelle des Gewaltextremismus überschritten.» Bei dem Vorfall handle es sich nicht nur um einen Angriff auf die Polizei, sondern auf alle Institutionen der Stadt Bern. Gemäss Nause müsse sich die Stadt nun geeignete Massnahmen überlegen, um solchen Angriffen entgegen zu wirken, möglich seien zum Beispiel Videoüberwachungen im öffentlichen Raum.

Nause kritisiert weiter die Betreiber der Reitschule: «Es wird einmal mehr klar, dass die Sicherheitsvereinbarungen mit der Reitschule nicht so funktionieren, wie sie sollten. Wenn die Reitschule Kriminellen eine Rückzugsmöglichkeit bietet, stellt sie ihre eigene Existenz in Frage», so der Sicherheitsdirektor weiter. «Ich fordere eine klare Distanzierung der Reitschule.»

Bei der Polizei denkt man ähnlich: «Ich bin überzeugt, dass die Mehrheit der Besucher der Reitschule solche Angriffe und solche Gewalt nicht befürwortet. Falls jemand etwas gesehen hat, hoffen wir, das er uns bei den Ermittlungen unterstützt», sagt Manuel Willi, Chef der Regionalpolizei Bern. «Wer sich nicht distanziert, unterstützt die Angriffe», so Willi weiter.

Statement der Krawall-Macher

Die Täter erklären die Aktion in einem Statement. «Aufgrund rassistischer Vorurteile verhaften und erniedrigen die Marionetten der Staatsgewalt Tag für Tag People of Color», schreiben die Verantwortlichen. «Wir werden nicht aufhören zu kämpfen, bis diese kranken Verhältnisse überwunden sind und alle frei von Hierarchien miteinander leben können», schreiben sie weiter.

(mub/smü/pat/sda)