SLRG-Schwimmkurs

07. August 2017 06:50; Akt: 08.08.2017 01:39 Print

Neo-Berner lernen, wie gefährlich die Aare ist

Für Zugezogene, Ausländer oder Landratten: Berner Rettungsschwimmer gaben erstmals einen Kurs im Aareschwimmen.

Rettungsschwimmer der SLRG zeigen, wie man sicher in der Aare schwimmt.
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Joses Augen starren auf die grüne Aare. Er ist konzentriert und etwas ängstlich, wie sein Blick verrät. Der Südamerikaner trägt einen schwarzen Neopren-Anzug, darüber leuchtet eine rote Schwimmweste. Er ist einer von 48 Teilnehmern, die sich für den Aareschwimmkurs angemeldet haben. Dieser fand am Samstag zum ersten Mal statt – seit Wochen war er ausverkauft.

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Insgesamt 657 Teilnehmer

Der halbtägige Lehrgang soll zur Risikoprävention beitragen, denn immer wieder kommen gerade ungeübte Schwimmer in Notsituationen. Jose, der aus Ecuador stammt, lebt seit einem Jahr in Bern und war auch schon in der Aare baden: «Auch ich hatte schon die eine oder andere problematische Situation. Ich fühle mich nicht sehr sicher im Fluss.» Nach diesem Kurs soll dies anders sein.

Sprung in die Gischt

Jose ist Teil einer siebenköpfigen Gruppe, welche vom Rettungsschwimmer Bernhard Fleuti geführt wird. Dann beginnt für die ungeübten Flussswimmer die erste Etappe – für manche Teilnehmer wird bereits der Sprung ins Wasser zur Mutprobe. Sein wichtigster Tipp: «Immer mit Schwimmweste in den Fluss. Und immer mit den Füssen voran. Wenn ein Hindernis kommt, könnt ihr euch abstossen», lautet einer der vielen Ratschläge.

Nachdem Fleuti seinen Schützlingen klare Anweisungen gegeben hat, springt er in die wilden Wassermassen. Die anderen Gruppenteilnehmer tun es ihm gleich. Zügig schwimmen sie in die Flussmitte. Schnell wird das Wasser wieder ruhig und die Teilnehmer treiben sichtlich entspannt auf der Wasseroberfläche. Auf einer Kiesbank gibt es die nächste Lektion für die Schwimmer. Obschon das Wasser nur kniehoch ist, können sich die Teilnehmer kaum auf den Beinen halten. «Viele vergessen, dass ein Kubikmeter Wasser – was nach wenig aussieht – bereits eine Tonne wiegt», sagt Fleuti.

Nasse Theorie

Insgesamt legt die Gruppe eine Strecke von drei Kilometern in der Aare zurück. Immer wieder geht die Gruppe an Land, wo Fleuti kurze Theorieblöcke hält, wertvolle Ratschläge gibt und auf aktuelle Situationen eingeht. Wie im Fall von Noemi. Die blonde Appenzellerin, die seit kurzem in Bern lebt, schwimmt in einer Flusskurve zu weit aussen und wird von der Gruppe getrennt, vergebens versucht sie gegen die Strömung anzuschwimmen. Fleuti eilt zur Hilfe und zeigt der Neubernerin, wie sie sich den Zug der Aare zu Nutze machen kann. «In einer Kurve ist die Strömung an der Aussenkante immer am stärksten», lehrt der Rettungsschwimmer seine Schüler danach.

Nach fast zwei Stunden kommt die Gruppe zur Tiefenaubrücke – sie bildet das letzte Lehrstück. Kurz davor gibt es nochmals einen Theorieblock von Fleuti. Der Freiburger erklärt, wie man sicher an der Pfeilern vorbei schwimmt, wo sich Wirbel bilden und wie sich Schwimmer das Widerwasser zunutze machen können. Zwischen den gigantischen Brückenpfeilern durchzuschwimmen erfordert Mut und Selbstvertrauen.

Der Fluss reisst hier gewaltig, es wimmelt von Wirbeln und scharfen Felsen. Trotzdem stellen sich alle Teilnehmer von Fleutis Gruppe der Herausforderung und springen in die Strömung, manövrieren geschickt zwischen den Pfeilern und nutzen den Strömungsschatten. Einige Teilnehmer können gar nicht mehr genug kriegen und wiederholen das Spiel immer und immer wieder, auch Jose: «Es macht einfach richtig Spass», sagt er – ohne eine Spur von Angst in den Augen.

Idee, Organisation und Durchführung: Verein Aareschwimmkurs

(cho)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dan am 07.08.2017 07:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sinnvoll

    Sinnvolle Sache! Jetzt sollten nur noch Kurse für die Böötler angeboten werden.

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  • Amina123 am 07.08.2017 07:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gute tat

    eine top aktion,die gefördert werden sollte.flüsse sind unberechenbar,auch der rhein und selbst die thur. gehe auch ap und an schwimmen im fluss. und die aare ist ja bekannt für ihre gefährlichkeit. super sache:)

  • Rainer am 07.08.2017 07:20 Report Diesen Beitrag melden

    Weitere Erfahrungsregeln:

    1. Immer leichte Turnschuhe tragen, um die Füsse zu schützen. 2. Nie ins Widerwasser einwassern. 3. Beim schwimmen können die Beine durch scharfe, leicht unter der Wasseroberfläche befindliche, scharfe Steinbrocken arg verletzt werden. 3. Kleinkinder gehören auf Flüssen, auch mit Schwimmweste ausgestattet, niemals in ein Schlauchboot. Bei einer Kenterung: Dort schwimmt ein Ruder, hier ein Kind, da drüben das Boot und der Profiant, und wo ist mein Sohn? Und der Fluss fliesst einfach weiter!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Globi und Globine am 07.08.2017 15:36 Report Diesen Beitrag melden

    Ein weiteres Problem ist, dass sowohl

    Schweizer wie auch Ausländer immer schlechter oder gar nicht schwimmen können. Herkunftsbelastet wollen es viele auch gar nicht lernen; aber sich im Fluss abkühlen dann doch. Und wie schnell wird man von der Strömung mitgerissen. Und jetzt will man den Turn- und Sportunterricht allenfalls abschaffen? Wie blöd sind wir denn? Nach dem Licht und den Glocken an den Fahrrädern jetzt auch noch keinen Schwimmunterricht mehr?

  • AlterSack am 07.08.2017 14:05 Report Diesen Beitrag melden

    Was man alles "überlebt" hat als 50+

    Bin mit etwa 7 Jahren (1971) das erste Mal in der Aare gewesen, 1 Jahr nachdem ich schwimmen gelernt hatte. Einfach in Begleitung. Per "Gummiboot" war man schon unterwegs, als es noch kein solcher Boom wie heute war. Beides aber - offenbar im Unterschied zu heute - mit gesundem Menschenverstand + Vernunft. Dort scheint es aber je länger je mehr zu fehlen. Natürlich gab es auch Unfälle, aber irgendwie kamen mir die Leute damals nicht derart lebensuntauglich vor wie heute.

    • K. Rausch am 07.08.2017 16:42 Report Diesen Beitrag melden

      Reine Logik

      Diejenigen, die es nicht überlebt haben, werden auch nicht 50+. Insofern ist es klar, dass nur jene, die das Können, die Umsicht oder auch einfach nur das Glück hatten, zu überleben, davon berichten können. Deshalb würde ich nicht den Fehler eingehen, und behaupten, dass früher mehr gesunder Menschenverstand und Vernunft vorhanden war, sondern allenfalls früher einfach nicht so häufig über gewisse Vorfälle berichtet wurde. Ertrunken sind früher bestimmt auch genug in der Aare.

    • roro am 08.08.2017 14:06 Report Diesen Beitrag melden

      Mehr gesunder Menschenverstand

      Ich kann aber auch bestätigen dass es früher (nein, nicht einfach besser) anders war, man hat noch überlegt, auch körperlich war man fitter und nicht so zimperlich (man hat es einfach gemacht) und mimosenhaft. Heute geht man davon aus, dass alles was erlaubt (oder nicht verboten) ist kein Problem darstellt und wenn doch etwas passiert, schreit man und möchte jemand anders dafür verantwortlich machen. Mehr gesunder Menschenverstand sicher das Überleben.

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  • Typhoeus am 07.08.2017 12:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Für Alle, die in Flüssen

    schwimmen wollen, ein Muss-Schwimmkurs

  • B.T am 07.08.2017 12:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Aare ist schön

    Soll in der Aare schwimmen, wer will. Ich würde die Aare nur benutzen, wenn ich Selbstmord begehen will. Das scheint mir eine schöne Art zum sterben.

  • RIed Winkel NZL am 07.08.2017 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    bedenkliche Entwicklung

    Unglaublich! Wie konnte die Menschheit nur so alt werden ohne all die Kürsli und Beschäftigungsprogramme...

    • Alter Sack am 07.08.2017 12:49 Report Diesen Beitrag melden

      Rettung in letzter Not

      Angesichts ihres Kommentar frage ich mich das auch. Wohl vergessen wieviele Tote es in der Aare gibt pro Jahr!

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