Brachiales Vorgehen

28. Mai 2018 18:27; Akt: 29.05.2018 08:40 Print

Blitzeinbruch-Methode macht Polizei ratlos

Vergangene Woche rasten Unbekannte mit einem Auto direkt in ein Einkaufscenter in Aarberg. Die Methode kommt aus Deutschland und könnte sich auch hier verbreiten.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Da krachte es in Aarberg gewaltig. Ein Auto raste am vergangenen Donnerstag kurz vor zwei Uhr nachts mit voller Absicht durch die Frontscheibe des Aarbergcenters ins Innere, wie der «Blick» berichtet. Die Täter flüchteten allerdings ohne Beute – noch bevor die Polizei eintraf.

Das Spezielle an der Tat: Die Kriminellen achteten nicht darauf, unentdeckt zu bleiben, sondern setzten bewusst auf Schnelligkeit und waren deswegen innert weniger Minuten wieder vom Tatort verschwunden. Diese sogenannten Blitzeinbrüche sind in der Schweiz ein seltenes und eher neues Phänomen – abgesehen von Rammbock-Überfällen auf Bijouterien in St. Moritz oder Zürich.

Dreiste Methode mit geringen Risiken

Die Methode ist in Deutschland allerdings weit verbreitet. Wie sie funktioniert, schilderte ein Profi-Einbrecher aus Berlin einmal in einem TV-Interview mit dem «rbb»: «Ruckzuck – rein raus, Blitzaktion, zwei Minuten – höchstens. Man nennt es Arbeit hier.»

Mittlerweile gehören Blitzeinbrüche in Deutschland zur Tagesordnung. Es gibt Banden, die sich komplett auf diese Art des Einbruchs spezialisiert haben. Blitzeinbrecher raubten schon das Berliner Einkaufszentrum KaDeWe, Saturn- oder Mediamarkt-Filialen oder einen Applestore aus. Die Türen werden zerschlagen, einer nach dem anderen steigt in das Geschäft ein und erbeutet in kürzester Zeit so viele Waren wie möglich.

Dabei ist den Kriminellen egal, ob sie Alarm ausgelöst haben oder nicht, denn die Polizei braucht bis zum Tatort mehrere Minuten. In dieser Zeit sind die Räuber mit ihrer Beute schon längst über alle Berge.

So läuft ein Blitzeinbruch ab (Youtube/ Tony Sosa)

Die Polizei scheint machtlos zu sein

«Wir beobachten schon seit einigen Jahren, dass sich junge Erwachsene zusammenschliessen und solche Einbrüche begehen», sagt Sebastian Sendt, Staatsanwalt für organisierte Kriminalität in Berlin. Oft sei die Polizei machtlos, da die Täter in kürzester Zeit wieder verschwunden seien. Die Täter sind meist skrupellos und fühlen sich sicher: «Du hast den Weg berechnet, du hast das Objekt, du hast dir alles angeguckt – du hast dir gedacht, was wäre wenn. Aber wenn alles nach Plan läuft, dann kann nix passieren», sagt ein Mitglied einer Bande in einem Interview.

In der Schweiz sind Blitzeinbrüche nicht per se ein neues Phänomen, sagt Markus Stauffer von der Schweizerischen Kriminalprävention: «Bisher wurden jedoch meist Bijouterien so ausgeraubt.» Laut dem Experten könnten solche Einbrecher-Methoden in Zukunft jedoch auch in Schweizer Läden öfters angewendet werden. Stauffer: «Man kann sich lediglich durch das Aufstellen von Pollern gegen die brachiale Vorgehensweise der Täter schützen.»

(rc)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Henry am 28.05.2018 18:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Steine klopfen in Lager

    Wäre an der Zeit wieder echte, harte Strafen einzuführen.

    einklappen einklappen
  • Schweizerin am 28.05.2018 18:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir müssen alles dulden

    Ja, sie brauchen halt unsere Unterstützung und von Andersen Kulturen kann man immer lernen, von wem habe ich das gehört?

    einklappen einklappen
  • Berner am 28.05.2018 18:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Reportage

    Bravo, nun weiss man wenigstens wie es geht. Hoffentlich gibt das jetzt keine Nachahmer!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mauro am 29.05.2018 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    Warum wohl??

    Mit unseren Witzstrafen ist das doch nicht verwunderlich! Die Schweiz ist ein Schlaraffenland für jeden Kriminellen. Nur nicht für die Arbeiter hier!

  • Ric am 29.05.2018 08:24 Report Diesen Beitrag melden

    Neuer Artikel alte Methode

    Neue Methode? Was bitte ist der Unterschied zu Rammbock räubern? Stimmungs macher Artikel?

  • Peter Schütz am 29.05.2018 06:55 Report Diesen Beitrag melden

    Schlechte Bildqualität

    Was ich nicht verstehe ist, dass die Kameras schärfere Bilder machen. Darauf sieht man meistens kaum etwas. Die Technik hätte man heute.

  • Online-Shopper am 29.05.2018 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Läden

    Im Onlinehandel gibts das nicht.

    • xGambyte am 29.05.2018 07:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Online-Shopper

      Auch die Artikel die im Onlinehandel vertrieben werden, müssen irgendwo gelagert werden. Oder meinst Du das wird auf Bestellung aus dem Nichts geschaffen? DAS können nur Banken, Buchgeld aus dem nichts erschaffen. Das kann dann wirklich kaum gestohlen werden.

    einklappen einklappen
  • steven am 29.05.2018 04:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wer nicht hören will muss fühlen

    wozu das gejammer? ihr habt nach kulturbereicherung geschrien und genau das bekommt ihr jetzt.

    • Stefan am 29.05.2018 07:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @steven

      Haben wir? Nein haben wir nicht.

    einklappen einklappen