Nationalrat

03. Mai 2019 19:01; Akt: 03.05.2019 19:20 Print

Neue Partei sucht Kandidaten per Inserat

«DU – die Unabhängigen» wollen im Kanton Bern bei den nationalen Wahlen antreten. Noch fehlen allerdings die Anwärter – und die Spender.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Man findet in den verschiedenen Parteien fast niemanden mehr, der unabhängig von Lobbyisten und Interessengruppen politisiert», sagt Ex-BDP-Grossrat und Drogist Peter Eberhart (63). Die Folge sei politischer Frust in weiten Teilen der Bevölkerung. Zusammen mit Rolf Frischknecht (60), Präsident des Dachverbands Berner Tierschutzorganisationen, hat Eberhart deshalb eine neue Politikplattform gegründet, die «ausschliesslich für das Volk» politisieren wolle: DU – die Unabhängigen.

Der Verein setzt sich zum Ziel, unabhängigen Personen einen unkomplizierten Einstieg in die Politik zu ermöglichen, ohne dass sich diese «lange in einem Parteiapparat hocharbeiten» müssen, wie die Gründer auf ihrer Homepage schreiben.

«Jeder kann sich bewerben»

Ein Parteidiktat gebe es bei DU nicht, betont Eberhart: «Wir suchen Leute aus jeglichen Bereichen, die mit ihren Fachkenntnissen und Erfahrungen auf ihrem Gebiet etwas bewirken wollen.» Entsprechend breit gefächert sind denn auch die Themen, denen sich die Gruppierung widmen will: Wasser, Gesundheit, Haftungsrecht, Tiere, Eigenverantwortung, Landwirtschaft, Klima. Politisch sei man in der Mitte zu Hause – «je nach Thema ein Stück links oder rechts davon», so Eberhart.

Das Parteiprogramm steht – allein, die Mitglieder fehlen noch. Doch das soll sich schon bald ändern: Mittels Kleinanzeigen sucht DU nach Kandidatinnen und Kandidaten, die die Vereinigung bei den kommenden Nationalratswahlen für den Kanton Bern ins Rennen schicken kann. «Bewerben kann sich jeder, der sich mit unseren Verhaltensregeln einverstanden erklärt», so Eberhart. Diese sind in der DU-Charta festgehalten und muten recht allgemein an. So verlangt eine der Regeln etwa, dass man «eigenständig und nicht nach Anweisung Dritter» handelt.

Finanzierung via Crowdfunding

Auch wenn die Plattform-Gründer «gestandene Herren» seien, so Eberhart, wolle man insbesondere junge Menschen ansprechen. Gerade die jungen Frauen und Männer, die am Klimastreik teilnehmen und gegen die Untätigkeit der Politik protestieren würden, fänden mit ihren Anliegen bei DU Platz. «Bewirken können sie letztlich nur etwas, wenn sie in einem Parlament sitzen», sagt Eberhart.

Doch wer finanziert den Wahlkampf, wenn man sich nicht in die Abhängigkeit von Dritten begeben will? Das Geld will DU über ein Crowdfunding beschaffen. Sofern genügend Spenden eintreffen, will die Partei die Kandidierenden finanziell unterstützen.

Eberhart zeigt sich optimistisch: Auch in Liechtenstein oder Bayern hätten unabhängige Parteien Wähleranteile von 10 Prozent oder mehr errungen. «Wenn es uns gelingt, den Menschen zu vermitteln, dass wir uns für sie einsetzen und nicht nur Brancheninteressen vertreten, dann haben wir gute Chancen.»

(sul)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heidi Heidnisch am 03.05.2019 20:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    LdU

    Erinnert mich an den Landesring der Unabhängigen, damals noch von Duttweiler (Migros) gegründet. Tatsächlich hatten ein paar interessante Politiker darin Platz gefunden, die sich vor allem vom "roten" Timbre der SP abgrenzen wollten. später waren dann mehr und mehr ökologische Themen in den Vordergrund getreten. Ob aber diese "gestandenen" Herren tatsächlich das Charisma haben, um politisch gewichten zu können? Nun ja, sollen sie es versuchen. Für den Moment würd ich jedenfalls schon mal das Logo ein wenig attraktiver fürs Zielpublikum gestalten.

  • VioletB am 03.05.2019 19:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Parteivielfalt

    Sehr gut, je mehr desto besser. Jetzt müssen soe nur noch beweisen dass sie für uns kleinen politisieren

    einklappen einklappen
  • Einhornjäger am 04.05.2019 09:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel Bla bla

    "«ausschliesslich für das Volk» politisieren wolle." Ersten, gibt es DAS Volk nicht, sondern man politisiert immer nur für einen Teil des Volkes. Zeitens, egal welche Meinung man vertritt es gibt immer Interessensgruppen die der gleichen Meinung sind, somit politisiert man immer auch für Interessensgruppen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bärgbur am 05.05.2019 02:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Quo vadis........?

    die Zersplitterung der Kräfte ist nicht unbedingt die Lösung und sind ein Zeichen der Ohnmacht und des Zerfalls unserer Society ,zudem zeigt es gewisse Parallelität zu den Problemen der Landeskirchen ,die nach einer neuen Indentität suchen !

  • SilFoiera am 04.05.2019 14:35 Report Diesen Beitrag melden

    Partei ist das Eine

    Du bietet Parteilosen hier möglicherweise eine gute Plattform um kandidieren zu können. So weit so gut. Spätestens in den Räten muss man dann aber Fraktionsstärke erreichen um unabhängig politisieren zu können. Erreicht man das nicht, muss man sich einer Fraktion anschliessen und politisiert dann doch wieder im Korsett.

  • Skeptiker am 04.05.2019 13:34 Report Diesen Beitrag melden

    Wie geht das in unserem system?

    Eine Mittepartei und ohne Maulkorb, ok. Aber ganz ohne Parteilinie werden die in unserem System auch nicht auskommen.... es kann ja dann im Parlament nicht der eine DU Vertreter sagen, wir brauchen zb eine CO2 Steuer und der andere sagt genau das Gegenteil. Das Problem sind also Parteien per se... die gehören vielleicht alle abgeschafft und ersetzt durch Individuen mit Vision, beraten von unabhängigen wissenschaftlichen Gremien, um links- und rechtspopulismus und fake news in Zaum zu halten...

  • Marc L am 04.05.2019 12:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Partei der parteilosen

    Wäre ich dabei wenn, kein Verwaltungsratmandat innehat , spenden ab 1000. öffentlich gemacht wird und wirklich für den Mittelstand, Mieter und Ärmeren politisiert wird.

  • fh am 04.05.2019 12:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bieder, bieder

    Nur schon mit diesem biederen Logo wird sich kein Mensch angesprochen fühlen. Schon gar nicht junge Menschen mit diesen beiden Parteigründern.