Autospur auf Berner Brücke gestrichen

16. September 2019 19:21; Akt: 16.09.2019 19:28 Print

«Die Stadt handelt ohne Rücksicht auf Verluste»

Um den Verkehr für die Velofahrer sicherer zu gestalten, ist der Autostreifen Richtung Wankdorf auf der Lorrainebrücke neu nur noch einspurig. Das finden nicht alle gut.

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Auf der Lorrainebrücke in Bern gibt es seit einigen Tagen eine neue Verkehrsführung: Aus zwei Autostreifen in Richtung Wankdorf wurde einer. Dies sei der Anfang für ein durchgängiges Velonetz, das für die Velofahrer angenehmer und vor allem sicherer sein soll, heisst es bei der Stadt.

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«Gefühl von Sicherheit»

«Jetzt kann man auf der Brücke mit dem Velo einfacher überholen», sagt Karl Vogel, Verkehrsplaner der Stadt Bern, gegenüber Tele Bärn. Zu den breiteren Velostreifen sollen auch noch Pfosten hinzukommen, die die beiden Fahrspuren klar voneinander trennen. «Das gibt Velofahrern jeden Alters ein Gefühl von Sicherheit», so Vogel. Der Plan sei es, überall in der Stadt Bern abgetrennte Velowege zu haben.

Michael Sutter, Präsident von Pro Velo Bern, sieht die neue Verkehrsregelung auf der Lorrainebrücke als grossen Vorteil für die Velofahrer. «Viele Velofahrende haben sich auf der Brücke unsicher gefühlt, nun ist die Lage sicherer geworden», erklärt Sutter. Die Verbesserungen seien notwendig gewesen, weil es ein viel befahrener Strassenabschnitt sei. «Wir wollten zu Beginn auf der ganzen Länge der Brücke eine Spurreduktion angehen, vorerst wird es aber erst nach dem Bollwerk verengt», sagt Sutter. «Genau das soll aber den Rückstau verhindern».

Probleme für das Gewerbe

Doch nicht alle freuen sich über die neue Verkehrsführung. Alexander Feuz, SVP Stadtrat, hatte sich im Stadtrat dagegen gewehrt. «Bereits jetzt hat es zur Rushhour einen enormen Rückstau auf der Lorrainebrücke», sagt Feuz. «Nun wird dieser noch schlimmer.» Die Fahrzeuge, die vom Neufeld-Tunnel kommen, könnten kaum mehr «abfliessen». Insbesondere weil noch viele andere Achsen verkehrsberuhigt würden.

Nicht nur die erhöhte Staugefahr sei ein Nachteil der Spurverengung: Auch Berner Kleinunternehmen seien betroffen. «Das wird dem Gewerbe schaden, ganz klar», sagt Feuz. Es komme zu Zeitverlusten und enormen Umwegen. «Wer von einem Quartier ins Nächste fahren will, muss zukünftig über die Autobahn gehen.»

«Ohne Rücksicht auf Verluste»

Tatsächlich äussert auch Thomas Balmer, Präsident vom Gewerbeverband KMU Stadt Bern, Bedenken. Durch die ständige Reduktion werde die Durchlässigkeit des Verkehrs verschlechtert. Arbeitsorte seien schlechter erreichbar und Waren anzuliefern, werde schwieriger. «Die Lorrainebrücke ist eine Hauptverkehrsachse, die einem raschen Verschieben der Fahrzeuge innerhalb des Verkehrsnetzes dient», sagt Balmer. «Bern sollte ein funktionierender Wirtschaftsstandort sein.» Aufgrund der neuen Spurverengung sei alles mühsamer und koste mehr.

Parkplätze würden entfernt, Strassen verengt und der Verkehr verlangsamt. «Das Problem wird nicht gelöst, sondern nur verteilt», sagt der KMU-Verbandspräsident weiter. «Die Arbeiter haben einen grösseren Zeitaufwand und Mehrkilometer werden verursacht.» Für Balmer handelt die Stadt «ohne Rücksicht auf Verluste, nur um ein autofreies Bern zu erreichen». Er mahnt: Die Stadt Bern habe rücklaufende Kundenzahlen und das Projekt der Lorrainebrücke sei erst der Anfang.

(km)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Landei am 16.09.2019 19:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selber schuld

    Linksgrün killt definitiv Städte. Sorry Berner, ihr habt bekommen was ihr gewählt habt. Viel Spass damit.

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  • Fredy Schluon am 16.09.2019 19:37 Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt brauch ich Whisky

    Ist ja auch das Wichtigste, dass Velofahrer einander überholen können müssen...

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  • renezuer am 16.09.2019 19:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Velostadt

    Ich mag das Wort Velo nicht mehr hören.....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mr. Bö am 01.10.2019 05:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glück

    Zum Glück zahle ich meine Steuern in einem anderen Kanton

  • Steff La Schneff am 20.09.2019 08:28 Report Diesen Beitrag melden

    gar kein bedauern

    Liebe Berner. Mit Euch habe ich zuletzt bedauern. Ihr habt das bekommen, was ihr verdient. Ihr wollt das ja so. Jedesmal, wenn ihr an der Urne etwas dazu sagen konntet (z.B. Wegfall aller überirdischen Parkplätze), habt ihr JA gesagt. Wenn ihr lesen könntet, dann hättet ihr gemerkt, dass man schon vor 20 Jahren als Ziel hatte, alle Verkehrsachsen auf 1 Spur zu reduzieren. Aber dafür habt ihr ja YB und SCB. Das sind dann die kleinen Freuden in eurem Leben. Ihr seid wirklich schuld.

  • die_Locke am 19.09.2019 17:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    weg mit den Autos

    Finde die Städte sollten komplett autofrei werden. ÖV + Velo und für gebehinderte kleine Elektrofahrzeuge

    • Steff La Schneffe am 20.09.2019 08:48 Report Diesen Beitrag melden

      Okay, eine Ausnahme gibt's dann

      Jö, für gehbehinderte kleine Elektrofahrzeuge. Lustig. Stell dir vor, eine Stadt ohne Autos und voller cooler Velofahrer und sont coolem Volk, das den ganzen Tag auf den Plätzen und Strassen herumhängt und über Gott und die Welt stusst. So à la Mittelstrasse. Megacool diese Berner. Im Elektromobil dürfen dann noch die gehbehinderten durch die Strassen cruisen. Wirklich cool dein Bern.

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  • Fritz am 18.09.2019 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    Schaut den Stadtplaner an

    Ein Foto vom Verkehrsplaner würde schon einige seiner falschgelenkten Handlungen erklären. Grüner gehts nimmer. Die Stadt stirbt weil die Bürger der Agglomeration nicht mehr in die Stadt gehen werden bzw. können.

  • Christoph Meyer am 18.09.2019 10:12 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht einmal für Velos gut

    denn die nervigen neuen roten Bahnen bremsen extrem ab, man hat das Gefühl über eine Schotterpiste zu fahren. Das verunsichert die Velofahrer und macht alles gefährlicher! Und das Abbiegen nach der Brücke (auf alle Seiten) ist schlicht ein Witz! Kein Velofahrer, ausser ich, hält sich dabei an die Regeln!!!!