Bern

08. Januar 2016 08:03; Akt: 08.01.2016 10:04 Print

Neue illegale Kurdendemo geplant

Erneut kommt der Kurdenkonflikt nach Bern. Eine antifaschistische Jungengruppe ruft für Samstag zu einer unbewilligten Demo in Bern auf.

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Bereits am Samstag, 12. September 2015, fand in Bern eine unbewilligte Demonstration unter dem Motto «Gegen den Krieg und das Massaker in Kurdistan!» statt. Die Revolutionäre Jugend-Gruppe Bern ruft zur Demo auf. Die Demonstranten wollten eine bewilligte Kundgebung von Mitgliedern der Union für türkische Demokraten in Europa (UETD) verhindern. Auf dem Helvetiaplatz kam es zu Zusammenstössen zwischen Kurden und Türken. Hier ein Bild von einer Rede beim Casino-Pärkli. Die Gruppen gingen mit Schlaggegenständen aufeinander los. Die Kurden wollten ihren Widerstand zeigen, sagt ein Teilnehmer. Jeder habe Angst gehabt. Die Polizei hatte auf der Kirchenfeldbrücke eine Sperre zwischen den beiden Gruppierungen errichtet. Sie riegelte Teile der Innenstadt ab. Vor der Kirchenfeldbrücke standen mehrere Krankenwagen. Rund um den Helvetiaplatz kam es zu Verkehrsbehinderungen. Ein Bild vom Umzug, als es noch ruhig war. Nach einem Tränengaseinsatz der Polizei: Der Kurde Techim kühlt seine Augen mit Milch. Unter den Teilnehmern der unbewilligten Gegendemo seien auch Schweizer gewesen, berichtet der Kurde, der vor Ort gewesen war. Wie ein Video zeigt, ist ein Auto unterhalb vom Helvetiaplatz in die Menschenmenge gerast. Gegen den Besitzer des Autos, das in die Menschenmenge gerast ist, wurden bereits Morddrohungen ausgesprochen. Der Mann schreibt in einer Stellungnahme, dass er nicht der Fahrer gewesen sei. Bei der Demo kam es zu mindestens 22 Verletzten. Solche Krawalle würden künftig grösser werden, sagt der Kurde, der dabei war. Gegen 16 Uhr beruhigte sich die Situation allmählich. Viele Demonstranten mussten sich wegen Verletzungen am Kopf vor Ort verarzten lassen. Am Abend musste die Polizei allerdings erneut zu einer Demonstration vor der Schützenmatte ausrücken.

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Die Erinnerungen an die Kurdendemo vom letzten September sind noch frisch: Gummischrot, Tränengas, Eisenstangen und ein BMW, der in die Menschenmenge raste. Trotz des anschliessenden Demoverbotes von Sicherheitsdirektor Reto Nause wird es am Samstag erneut zu einer Kundgebung kommen, wie die «Berner Zeitung» berichtet.

Unbewilligte Demonstration

Am Nachmittag wollen sich die Demonstranten beim Berner Bahnhofsplatz zur unbewilligten Kundgebung treffen. Der Aufruf kommt diesmal via Facebook von der Revolutionären Jugend-Gruppe Bern, die etwa auch bei den letzten Antifa-Demos mitwirkte. Die Polizei hat Kenntnis vom Aufruf und prüft nun die Sicherheitslage. Dabei berücksichtigt sie auch die Ereignisse vom letzten September, bei denen 22 Personen verletzt wurden, darunter fünf Polizisten (20 Minuten berichtete).

Gleichzeitig Kurdendemo in Paris

Arzu Güngör von den Demokratischen Gesellschaftszentren der Kurden in Bern, die die Demos vom letzten September organisiert haben, rechnet mit rund 300 Teilnehmern. Viele Mitglieder ihrer Organisation werden in Paris an einer zeitgleichen Kurdendemo sein. Da die Berner Aktion nicht von Kurden, sondern von einer externen Organisation durchgeführt werde, erwartet sie keine gewaltsamen Ausschreitungen: Gegner der Kundgebung würden sich so zurückhaltender verhalten. «Die Gefahr von extremistischen Angriffen besteht aber immer», so Güngör zur «Berner Zeitung».

(kaf)