Notmassnahmen in Alpen

10. April 2019 11:57; Akt: 10.04.2019 14:33 Print

Gletschersee droht ins Tal zu donnern

Experten warnen: Der Gletschersee Faverges im Berner Oberland droht im Sommer auszulaufen und das Simmental zu überschwemmen. Der Bund wird nun aktiv.

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Bauliche Notmassnahmen sollen verhindern, dass der Gletschersee Faverges in den Berner Alpen im kommenden Sommer erneut eine kritische Hochwasserlage im Simmental verursacht. Das teilte die Schwellenkorporation Lenk am Mittwoch mit.

Experten fanden demnach eine Lösung, um das Entwässerungssystem zu reaktivieren. Dabei handelt es sich um eine Kombination von Graben und Mikrotunneling. Das Wasser soll durch die Eisbarriere geführt und in die bestehende Gletschermühle abgeleitet werden. Die Massnahmen kosten rund zwei Millionen Franken.

Überwachungsanlagen und Alarme

Auf der Plaine Morte im Grenzgebiet der Kantone Bern und Wallis gibt es mehrere Gletscherseen, die sich mit Schmelzwasser füllen und im Hochsommer auslaufen. Überwachungsanlagen lösen Alarm aus, wenn grosse Mengen Wasser zu erwarten sind – so wie im Juli 2018. Damals spielten sich teils dramatische Szenen ab: So musste das Restaurant Simmenfälle an jenem Freitag vorsorglich evakuiert werden: «Die anwesenden Gäste hatten 30 Minuten Zeit, um fertig zu essen, das Gebäude zu verlassen und sich im Dorf in Sicherheit zu bringen», erzählt die Wirtin des Gasthofes damals 20 Minuten. Auch auf dem örtlichen Campingplatz Hasenweide mussten Feriengäste das Feld räumen. Rund 100 Personen mussten eine Nacht in Notunterkünften verbringen. Verletzt wurde niemand.

So donnerten die Wassermassen 2018 ins Simmental.

Um solche Ereignisse besser abschätzen zu können, setzte der Lenker Gemeinderat zwei Expertengruppen ein. Sie befassten sich mit der künftigen Entwicklung des Sees und dem Verhalten des Wassers bei der Seeentleerung.

Wallis könnte das Wasser gebrauchen

Mittelfristig stehen verschiedene Massnahmen im Raum. Als nicht rasch realisierbar erwies sich der Plan, das Wasser in Richtung Wallis abzupumpen. Die Walliser wären am Wasser interessiert – im Winter für Beschneiungen, im Sommer für Bewässerungen. Auch für die Stromproduktion wäre das Wasser wertvoll.

Das Projekt musste aber sistiert werden, wie die Schwellenkorporation am Mittwoch mitteilte. Zur Begründung verwies sie auf die schwierigen Bedingungen zur Verlegung der Stromleitung bis zu den Pumpaggregaten.

Notmassnahmen seien deshalb nötig. Schliesslich erwarteten die Fachleute im nächsten Sommer einen ähnlichen Ausbruch wie 2018.

(cho/sda)