Nova Friburgo

17. April 2018 18:39; Akt: 17.04.2018 18:39 Print

In Brasilien gibt es eine ganze Schweizer Stadt

1818 wanderten 261 Freiburger Familien nach Brasilien aus und gründeten die Stadt Nova Friburgo. Zum Jubiläum stellt Freiburg nun eine kleinere Version des Cristo Redentor von Rio aus.

Hier wird Christo im Freiburger Park montiert. (Video: Take Off Productions)
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Im Norden von Rio de Janiero befindet sich ein Städtchen, das einen ziemlich an europäische und vor allem schweizerische Architektur erinnert. Schweizer Fähnchen, Blumenkästen mit Geranien und hohe Dachbalken sind eigentlich eher untypisch für brasilianische Bauwerke. Doch in dieser Stadt gehören solche Häuser zum Stadtbild. Die Stadt mit ihren 180'000 Einwohner ist rund zwei Stunden Autofahrt von der Megacity Rio de Janiero entfernt und heisst Nova Friburgo.

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Nova Friburgo gilt als die erste offiziell von Nicht-Portugiesen gegründete Stadt in Brasilien. 261 Freiburger Familien gründeten sie im Jahre 1818 und benannten sie nach der alten Heimat: Nova Friburgo (Neufreiburg). Zum 200-jährigen Jubiläum der Auswanderer stellt die Schweizer Stadt Freiburg nun eine Kopie des Wahrzeichen Rios, der weltbekannten Statue Cristo Redentor, aus.

200 Jahre Nova Friburgo

Die Statue wurde am Dienstag in Freiburg angeliefert und vom Kran gehievt, wie ein Leser-Reporter festhielt. Sie steht nun beim Parc des Pérolles. Sie ist mit ihrer Höhe von 12,5 Metern zwar nur ein Viertel so gross wie das Original, soll Freiburgs Bevölkerung aber trotzdem auf das Jubiläum aufmerksam machen. Die Feierlichkeiten werden von der Vereinigung Freiburg – Nova Friburgo, den Behörden von Nova Friburgo, lokalen Vereinen sowie dem Schweizerischen Generalkonsulat in Rio de Janeiro organisiert. Sie finden sowohl in Brasilien wie auch in der Schweiz statt.

Nova Friburgo – Das Freiburg in Brasilien

Mit der Feier in der Schweiz will der Kanton Freiburg vor allem die Jugend ansprechen. Der Kanton plant eine Reihe von Veranstaltungen mit brasilianischen Elementen, um das Jubiläum gebührend zu feiern. Zudem sind auch interkulturelle Vermittlungsangebote in Planung. So werden beispielsweise Brasilianer an die 1.-August-Feier nach Estavayer-le-Lac kommen, wo die Schweizer Auswanderer ihre Reise vor 200 Jahren antraten.

Warum wanderten sie aus?

Im Jahre 1816 sorgte ein dürftiger Sommer vielerorts für Ernteausfälle und brachte viele Schweizer Familien in Not. Zwei Jahre später konnte ein Freiburger Diplomat eine Vereinbarung mit dem König João VI. von Portugal und Brasilien aushandeln und erhielt die Erlaubnis, das dicht bewachsene Hügelgebiet Brasiliens zu besiedeln.

Es machten sich jedoch nicht nur Freiburger auf den Weg ins fremde Land. Auch 500 Berner und Jurassier, dazu Walliser, Waadtländer, Aargauer und Luzerner schlossen sich den 800 auswandernden Freiburgern an.

Dort gründeten sie natürlich auch einen Fussballverein: Den Stucky Futebol Clube, der 1935 durch einen gewissen Valentin Stucky gegründet wurde. Auch viele andere Personen aus der brasilianischen Stadt tragen ursprüngliche Schweizer Namen, wie zum Beispiel Carlos Alberto Braune und Antonio Muller.

Im Stadtteil «Suíço» (übersetzt Schweiz) gibt es unter anderem auch die Schule Frialp, in der man die Kunst der Käseproduktion erlernen kann. Ausserdem kann man dort in gediegenem Schweizer Ambiente ein brasilianisches Raclette nach Schweizer Rezeptur bekommen. Im Casa Suíço, dem mit Geranien verzierten Schweizer Museum, gibt es weitere «typisch Schweizerische» Angebote. Die brasilianische Stadt scheint sich auf den kulturellen Austausch mit der Schweiz zu freuen und lässt für die Jubiläumsfeier sogar eine Schweizer Delegation einfliegen.

(rc)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sleepless am 17.04.2018 19:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht nur brasilien

    in urugay gibts einen ort namens nueva helvetia. auch geschmückt mit allen kantonswappen und so.

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  • Timio am 17.04.2018 19:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht wirklich schweizerisch

    Ich war schon dort, ausser ein paar Häuser mit etwas europäischer Architektur ist alles brasilianisch, der Einfluss ist einfach zu gross. Solche Städtchen gibts auch in anderen Ländern

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  • tinu am 17.04.2018 19:21 Report Diesen Beitrag melden

    Gut zu wissen

    ...falls ich es in Helvetistan nicht mehr aushalte, weiss ich wohin.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bugsinho am 22.04.2018 20:03 Report Diesen Beitrag melden

    Blumenau

    Blumenau ist ein Dorf in Brasilien das man gesehen haben muss.Überall Biergärten und deutsche Musik.Kraaasss!

    • Martial2 am 22.04.2018 20:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bugsinho

      Warum Krass, es gibt auf die ganze Welt viele Deutsche, Italiener, Schweizer, Spanier, Österreicher... Wo ist das Problem?

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  • Martial2 am 22.04.2018 17:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Als Expat sind wir sehr glücklich...

    Immer schön zu wissen, dass es Menschen gibt die eine Auswanderung in Kauf nehmen. Das nennt man die Welt entdecken, mit anderen Kulturen, Menschen, Sprachen, Essen, Volklor. Das nennt man seinen Horizont erweitern. Es kommt meistens perfekt raus!

  • Anna am 22.04.2018 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    Argentinien

    Argentinien hat die meisten Schweizer in Lateinamerika.

  • Vanessa Lukowsky-Steinkamp am 22.04.2018 01:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Historisches

    Die Ernteausfälle 1816 ("Jahr ohne Jahreszeiten") waren dem extrem schlechten, nassen und sehr kalten Wetter geschuldet. Dieses wiederum war auf den Jahr zuvor erfolgten, äusserst heftigen Vulkanausbruch in Indonesien zurückzuführen. Die Vulkanasche reixherte sich in der Atmosphäre an und verhinderte den normalen Sonnenensxhein. Ähnliches ereignete sich 1884: 1883 Ausbruch des Krakatau in Indonesien, 1884 deswegen wiederum Ernteausfälle, auch in Europa!

  • s. schäfli am 18.04.2018 09:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    argentinien

    meine Urgrosseltern sind auch im 19. Jahrhundert ausgewandert. Nach Argentinien in ein schweizer Dörfchen :) sie hatten ein sehr hartes Leben in der Schweiz..