Gute Tat oder Unsinn?

27. Februar 2019 05:49; Akt: 27.02.2019 05:49 Print

Passant schenkt obdachloser Frau Sneakers

Ein Facebook-User hat einer Obdachlosen ein paar Schuhe geschenkt. Für seine Tat erntete er jedoch nicht nur Lob, sondern auch Kritik.

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A. L.* bereitete am Montag einer Obdachlosen am Bahnhof Thun eine Freude. Bei der Unterführung entdeckte er sie ohne Schuhe. Er konnte dies nicht ignorieren, ging beim Bahnhof Schuhe kaufen und schenkte sie ihr. Die Reaktion der Frau sei unbezahlbar gewesen: «Das Leuchten in diesen Augen wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. Ich habe immer noch Gänsehaut», schreibt der junge Mann auf Facebook. Auch einen Brezel habe er ihr noch mitgebracht. L. ruft dazu auf, kein Geld zu spenden, sondern sich auf Socken, Schuhe oder etwas zu essen zu beschränken.

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Der Post erhielt fast 400 Likes und viele lobende Kommentare. «Das nennt man Nächstenliebe. Toll gemacht», schreibt eine Userin. Eine weitere findet: «Schön, gibt es noch solche Menschen mit einem grossen Herzen. Danke.»

Gespaltene Meinungen

Einigen Nutzer äussern sich aber auch kritisch. «Sie wird die Schuhe höchstens verkaufen. Für was, kannst du dir denken», meint einer. Ein anderer: «Genau dieses Geld brauchen sie für Drogen und Zigaretten – obwohl die vom Sozialamt Geld bekommen.»

Ursula Grundbacher, Leiterin der Notschlafstelle in Thun, lobt die Aktion des Facebook-Users: «Die aktuell vorhandene Not der Frau wurde damit unmittelbar behoben.» Geht es um Gaben an die Obdachlosen, deckt sich Grundbachers Haltung mit jener von L.: Essen und Kleidung sind okay, Geld dagegen nicht. «Das Geld wird in aller Regel nicht für die vorgegebenen Zwecke eingesetzt, etwa für Schuhe oder um den Hunger zu stillen, sondern für Alkohol und Drogen», sagt sie.

«Vielleicht unter Drogeneinfluss»

Oft schon habe sie erlebt, dass edle Geldspender sich in der Notschlafstelle erkundigten, ob sich der Bedürftige mit ihrem 10er-Nötli tatsächlich die Notschlafstelle finanziert habe – und dann enttäuscht wurden.

Dass ein Obdachloser in der Schweiz ohne Schuhe auskommen müsse, erachtet Grundbacher als praktisch unmöglich. Es gebe derart viele Hilfsorganisationen, an die Bedürftige gelangen könnten, dass dies nicht nötig sei. «Wenn jemand zu uns in die Notschlafstelle kommt und Löcher in den Schuhen hat, geben wir ihm aus unserem Vorrat ein Paar neue», so Grundbacher.

Dass die besagte Frau ohne Schuhwerk unterwegs war, könne viele Gründe haben, sagt Grundbacher: «Vielleicht stand die Frau unter Drogeneinfluss und hat ihre Schuhe irgendwo liegen gelassen. Oder sie ist einfach gern barfuss unterwegs.»

*Name der Redaktion bekannt

(pal/sul)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • _MadShark_ am 27.02.2019 06:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ist doch ok so.

    Ist doch egal was diese nun mit denn Schuhen macht. Die Geste zählt. Der Mann hat gezeigt das es doch noch einige wenige Menschen gibt wo nicht nur das eigene EGO zählt, wie leider bei wohl über 99% der Menschen. Bravo

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  • Denkpause am 27.02.2019 06:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überlassen wir ...

    ... es doch dieser obdachlosen Frau, ob es eine gute Tat war. Sie weiss es am besten.

  • Sonja am 27.02.2019 07:51 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch Kapitalismus

    Ich bin entsetzt wie manche Leute denken. Man sollte doch nicht immer gleich das Schlimmte denken. Es gibt auch Obdachlose die nichts mit Drogen zu tun haben. Sie hatten einfach Pech im Leben

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dave74 am 27.02.2019 09:30 Report Diesen Beitrag melden

    Verschiedene Menschen überall

    Man dürfte die Leute, welche wohl noch nie ein Wort mit einem obdachlosen Menschen gewechselt haben, mal darüber aufklären, welche verschiedene Typen es dort gibt. Ein Bekannter von mir z.B. war längere Zeit freiwillig obdachlos und hat zuerst immer auf eine gute Ernährung für Hund und sich geachtet (oft selber gekocht) und wenn noch was übrig war, gab es dafür vielleicht schon mal ein paar Bier. Gebettelt in dem Sinn hat er auch nicht, sondern auf der Strasse genäht und die Sachen verkauft. Nie Alkohol während der "Arbeit". Ist nur ein Typ von vielen.

  • mm_th am 27.02.2019 09:26 Report Diesen Beitrag melden

    bekannt...

    Diese Frau sitzt täglich ohne Schuhe in der Unterführung am Bahnhof Thun. Schon seit längerer Zeit... Aber die Geste geht ok.

  • roger miller am 27.02.2019 09:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    richtig

    ich muss nicht aufs geld schauen,sponsore kleinbauern gegen produkte.vor weihnachten in einer grösseren stadt wurde angebettelt,gab kein geld,nach längerem reden gingen wir essen und neue windjacke und schuhe kaufen.wir kennen ins heute noch wenn wir uns sehen.

  • helga am 27.02.2019 09:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    na sowas

    ob es eine gute Tat ist kann nur die Obdachlose selbst entscheiden aber eines ist klar. Motzen tut ihr immer. möchte einmal erleben wo nicht gleich wieder draufgehauen wird. Träumen kann man ja oder ?

  • Banane am 27.02.2019 09:20 Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch okay

    Find ich gut. Geld wird nur versoffen, Sneakers helfen wenigstens. Besser als nichts.