Christopher S. vor Gericht

03. Juli 2018 13:47; Akt: 04.07.2018 08:20 Print

«Was hier gesagt wird, ist einfach gelogen»

DJ Christopher S. kämpft vor dem Berner Obergericht gegen eine Gefängnis-Strafe wegen Brandstiftung und versuchten Betrugs. Sein Mitarbeiter habe ihn betrogen.

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Während es am Dienstagmorgen über der Stadt Bern blitzt und donnert, entscheidet das Berner Obergericht über die Zukunft von Christoph Spörri, besser bekannt als DJ Christopher S. Der Berner wurde 2016 in erster Instanz wegen Anstiftung zu Brandstiftung und Betrug zu einer Freiheitsstrafe von 6 Jahren verurteilt. Dagegen legte der ehemalige Star-DJ Berufung ein. «Was hier gesagt wird, ist einfach gelogen. Das hört sich ja nach einem Krimi an», sagt Spörri und meint damit die Zeugenaussage seines Komplizen N.J.*

Dieser sagte zuvor vor den drei Oberrichtern aus, dass Spörri alles eingefädelt habe: «Wir haben Monate lang über den Brand geredet. Ich wollte eigentlich gar nicht mitmachen, aber mein Cousin liess sich überreden», so N.J. Er sei lange Spörris Chauffeur und Trainer gewesen, habe aber auch andere Tätigkeiten für ihn ausgeführt: «Ich musste für ihn Menschen bedrohen und verprügeln.» Schliesslich sei er 2012 doch mitgegangen, als sein Cousin im Auftrag des DJ dessen 13'000 Stück umfassende und hoch versicherte Plattensammlung, verbrennen sollte.

Aussschaffung droht

N.J., der aus Bosnien Herzegowina stammt, sagt:«Mit dem Versicherungsbetrug wollte er 200'000 bis 300'000 Franken machen. Er hatte zu der Zeit Geldprobleme.» Sein Chef habe ihm immer wieder versichert, dass «alles gut kommen» werde. Doch das kam es nicht: Als der Cousin von N.J. am 1. Mai 2012 das mit Benzin getränkte Plattenlager in Ostermundigen betrat, gab es eine heftige Explosion. «Wenn ich nicht dort gewesen wäre und ihn gerettet hätte, wäre mein Cousin tot», sagt J. Während der Cousin das erstinstanzliche Urteil im Fall akzeptiert hat, kämpft N.J. wie Spörri vor Obergericht um seine Zukunft: «Ich habe Angst, dass ich ausgeschafft werden und meine Kinder verlassen muss.»

«Ich war in meiner Blütezeit»

Auch Spörri kämpft dafür, seine Familie nicht verlassen zu müssen. Vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland wurde der House-Plattenleger zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Er sei jedoch unschuldig, beteuerte Spörri am Dienstag mit entschlossener Stimme vor den Richtern: «Ich war damals in meiner Blütezeit, mir ging es gut – auch finanziell.» Es habe keine Notwendigkeit für einen Versicherungsbetrug gegeben. Und: «Ich kenne diesen Cousin von N.J. noch nicht einmal.» Das Ganze sei ein abgekartetes Spiel zwischen N.J. und anderen Beteiligten gewesen: «N.J. hat mein Vertrauen missbraucht. Es war der Neid, den ihn dazu trieb.»

Im erstinstanzlichen Urteil seien ausserdem Fehler begangen worden. Spörri hofft nun am Berner Obergericht auf einen anderen Ausgang – das letzte Urteil belaste ihn noch immer: «Ich bin seither in psychischer Behandlung.»

Die Verteidigung von Christoph Spörri beantragt Freispruch, die Staatsanwaltschaft eine Bestätigung der Freiheitsstrafe von sechs Jahren. Das Urteil wird kommenden Freitag gefällt.

* Name der Redaktion bekannt.

(cho)