Urteil der Berner Richter

06. Juli 2018 15:52; Akt: 11.07.2018 15:55 Print

Vier Jahre Gefängnis für DJ Christopher S.

von Benjamin Hostettler - DJ Christopher S. kämpfte vor dem Berner Obergericht gegen seine Gefängnisstrafe. Dieses reduziert nun die Haft von sechs auf vier Jahre.

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Die Richter in Bern haben gesprochen: Sie verurteilten DJ Christopher S., der mit bürgerlichem Namen Christoph Spörri heisst, am Freitag zu 48 Monaten unbedingter Freiheitsstrafe und einer bedingten Geldstrafe. Somit senkte das Obergericht das erstinstanzliche Urteil um zwei Jahre. Der Schuldspruch lautet auf Anstiftung zu Brandstiftung, versuchtem Betrug, Anstiftung zu falschem Zeugnis sowie ungetreue Geschäftsführung. Bei der Urteilsverkündung wirkt Christoph Spörri, wie er bürgerlich heisst, relativ gelassen und ohne grosse Emotionen.

2016 war Spörri am Regionalgericht Bern-Mittelland zu 6 Jahren Haft verurteilt worden. Die Richter sahen es damals als erwiesen an, dass der Erfolgs-DJ 2012 zwei Männer anheuerte, um seine gut versicherte Plattensammlung zu verbrennen.

«Miserable finanzielle Lage»

Das Obergericht um Richter Fritz Aebi folgte in den meisten Punkten dem bestehenden Urteil des Regionalgerichts. Dass der Brand vorsätzlich gelegt worden war, ist unbestritten. Die beiden von Christopher S. angeheuerten Männer wurden nach der Explosion in der Nähe des Tatorts gesehen und man fand ein Baseballcap von einem der beiden. Das Obergericht kommt zum Schluss, dass ausser Christoph Spörri niemand vom Brand der Halle hätte profitieren können. Ausserdem sei der neue Aufenthaltsort der Plattensammlung äusserst spartanisch eingerichtet gewesen und wenig geeignet für das Arbeitsmaterial des ehemaligen DJ’s.

Den Hauptgrund für die Anstiftung zu Brandstiftung sah das Obergericht vor allem in der «miserablen finanziellen Lage» des Angeklagten. In den Monaten vor dem Brand waren mehrere Betreibungen hängig sowie Schulden bei verschiedenen Gläubigern. Unter anderem hatte er bei der Bank «American Express» über 30’000 Franken Schulden. Laut überprüfbaren Unterlagen konnte das Gericht auch nachweisen, dass die Frau von Christoph Spörri im Jahre 2012 ihr gesamtes Pensionskassenguthaben bezog, mit welchem verschiedene Schuldbeträge abbezahlt wurden.

Im Unterschied zum Urteil des Regionalgerichts, welches eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren verlangte, reduzierte das Obergericht die Strafe auf vier Jahre. Einzig die Anstiftung zur Brandstiftung und der versuchte Betrug taxierte das Gericht als Freiheitsstrafe. Im Anklagepunkt der Anstiftung zu falschem Zeugnis und der ungetreuen Geschäftsführung wurde eine bedingte Geldstrafe ausgesprochen. Dass Christoph Spörri nicht vorbestraft ist, war in dieser Hinsicht ein wichtiger Punkt.


Bundesgericht als mögliche Option

Spörris Mitarbeiter, welcher zusammen mit einem Komplizen den Brand gelegt haben soll, wurde vom Gericht unter anderem wegen Brandstiftung zu 42 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigung von Christoph Spörri muss nun entscheiden, ob sie vor das Bundesgericht weiterziehen möchte. Spörri hat bereits angetönt, dass diese Möglichkeit genutzt wird.