Nach Tod von Mundart-Musiker

25. Juli 2017 18:13; Akt: 25.07.2017 18:13 Print

Oberhofen nimmt in aller Stille Abschied von Polo

von Mira Weingartner - Zuhause in Oberhofen hat Polo Hofer in den letzten Jahren eine Oase der Ruhe gefunden. Im Dorf wird der berühmte Mitbürger künftig fehlen.

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Polo Hofer, der wohl berühmteste Mundartrocker der Schweiz, ist am letzten Samstag gestorben. Die letzen Jahre verbrachte er am Ufer des Thunersees, zuhause in Oberhofen. In diesem Oberhofer Wohnblock lebte Polo Hofer in den vergangenen letzten Jahren. Seine Wohnung in der Mitte im zweiten Stock wirkt, als wäre sie abrupt verlassen worden. «Er wird den Leuten hier im Dorf fehlen», sagt eine Einheimische. Der Musiker hat bereits im Voraus geplant, was nach seinem Tod mit ihm passieren soll: Er möchte seine Asche vom Niesen aus in den Himmel feuern lassen. Zu Lebzeiten hatte er von seinem Zuhause direkte Sicht auf den pyramidenförmigen Berg Zu Lebzeiten stand der Musiker oft im Rampenlicht. Bei den Swiss Awards im Zürcher Hallenstadion wurde Polo Hofer letztes Jahr als Schweizer des Jahres ausgezeichnet. (9. Januar 2016) Der Mundartrocker an einem Auftritt am Gurtenfestival in Bern. (19. Juli 2015) Der Künstler entwarf für die Schweizerische Post eine Sonderbriefmarke. (5. November 2013) Auch politisch engagiert: Bundesrätin Simonetta Sommaruga und Hofer bei einer Wahlkampfveranstaltung der SP in Bern. (21. August 2011) An einem Kurz-Konzert stellte die Rocklegende am Stadelhofen in Zürich seinen Euro-08-Song «Hopp Schwiiz 08» vor. (27. März 2008) Polo Hofer mit dem deutschen Rockstar Udo Lindenberg im Wankdorfstadion in Bern. (10. September 1998) Der Schweizer Mundart-Rocker feiert in Luzern seinen 50. Geburtstag. (16. März 1995) Hofers Rockband Rumpelstilz: Milan Popovich (Bass), Polo Hofer (Vocals), Hanery Amman (Piano), Schifer Schafer (Gitarre) und Kurt Guedel (Schlagzeug) (v.l.n.r.). (3. Februar 1977)

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Am Kiosk werden Kaugummis und Zeitungen gekauft, der Kassenschrank der örtlichen Bankfiliale ist aufgefüllt und die Hotels bewirten ihre Gäste: Im bernischen Oberhofen nimmt alles seinen gewohnten Gang. Doch der Schein trügt: Seit vergangenem Samstag hat das Dorf am Ufer des Thunersees seinen bekanntesten Bewohner verloren – Polo Hofer ist am 22. Juli im Alter von 72 Jahren kurz vor Mitternacht gestorben. «Lautlos und unbemerkt», wie eine Nachbarin sagt. «Diese stille Verabschiedung passt zu ihm; er lebte sehr zurückgezogen.» In Oberhofen habe er eine Oase der Ruhe gefunden: «Er genoss es, dass wir ihn alle stets als normalen Mitbürger behandelten», sagt eine Kollegin.

So begegnete man dem Berner Musiker bis vom Kurzen immer wieder im Dorf: Beim Kaffeetrinken im Tea Room, beim Einkaufen im Kiosk, im STI-Bus nach Thun, schwatzend bei der Dorfcoiffeuse oder beim geselligen Zusammensein im Stadiönli. «Er sass viel hier am Pier und schaute dem An- und Ablegen der Kursschiffe zu», sagt ein älterer Hafenarbeiter. Doch seit ungefähr drei Monaten habe er Polo nicht mehr draussen gesehen. «Es ging ihm wirklich sehr schlecht, täglich kam die Spitex vorbei und kümmerte sich um ihn», so eine weitere Anwohnerin.

«Lang mach igs hie nümme»

So ist die Nachricht über Hofers Tod für die Oberhofner nicht wirklich überraschend – «und dennoch traf mich die traurige Meldung mit voller Wucht», meint ein Kollege. «Er wird den Leuten hier im Dorf fehlen», sagt auch die Kioskverkäuferin.

Der an Krebs leidende Hofer war offenbar auf sein Ableben vorbereitet: «Als ich ihm vor ein paar Monate begegnete, flüsterte er mir ins Ohr: ‹Lang mach igs hie nümme›», erinnert sich ein Bekannter. So verfasste Urs Alfred Hofer, wie er bürgerlich hiess, gar eigenhändig seine Todesanzeige und plante das «Danach» schon vor Monaten. Weder eine Beerdigung noch eine Aufbahrung kamen für ihn dabei in Frage.

In einem Interview vor zwei Jahren sagte Polo Hofer gegenüber der «Schweizer Illustrierten», er möchte seine Asche vom Niesen aus in den Himmel feuern lassen. Zu Lebzeiten hatte er von seinem Daheim direkte Sicht auf den pyramidenförmigen Berg. Nun wirkt der Balkon und die Wohnung des Sängers wie abrupt verlassen – über dem Balkongeländer flattert ein flüchtig hingehängtes Frotteetuch, am Fenster baumelt noch eine helle Lederjacke zum Auslüften.