Teil des Unterrichts

21. März 2019 04:52; Akt: 21.03.2019 10:15 Print

Schule zwingt Schüler zur Teilnahme an Klimademo

von S. Ulrich - An der Oberstufe Frutigen war die Teilnahme am Klimastreik obligatorisch. Einen SVP-Grossrat ärgert dies masslos. Auch die Gemeinde ist nicht glücklich über die Aktion.

Bildstrecke im Grossformat »
«14:24 Ende obligatorischer Unterricht»: Die Teilnahme an der Klima-Demo gehörte für die Schüler der Oberstufe Frutigen zum Pflichtprogramm. Nicht alle Jugendlichen gingen ganz freiwillig an die Klima-Demo in Thun. Für die Oberstufe Frutigen etwa wurde die Teilnahme für obligatorisch erklärt. «Es darf doch nicht sein, dass Jugendliche von der Schule derart zu politischen Zwecken instrumentalisiert werden», sagt SVP-Grossrat Samuel Krähenbühl. Am letzten Freitag waren in Bern gegen zehntausend Klima-Demonstranten unterwegs. Auch in Luzern waren Tausende am weltweiten Aktionstag für das Klima unterwegs. Klimastreik in Bern, 15. März 2019. Luzern, 15. März 2019. In Lausanne war der Klimastreik schon seit dem Vormittag im Gang. Gegen Zehntausend versammelten sich in Bern zum Start der Klimademo am Freitag. Humor hatten die Demonstranten. Leser-Reporter Andri machte uns auf dieses Plakat aufmerksam: «Was wollen wir? MAOAM. KLIMASCHUTZ!» Ein Leser-Reporter schickte uns diese Aufnahmen aus Bern. Die Klima-Jugend kritisiert die SRF-«Arena»-Ausgabe vom Freitagabend zum Thema «Klimakrise». Laut einer Mitteilung von Climatstrike.ch mussten sich die Vertreter der Klima-Bewegung mit einem Platz in der zweiten Reihe bescheiden. Sie fühlten sich nicht ernst genommen. Am letzten Freitag fanden in 25 Schweizer Städten Klimademonstrationen statt. Beeindruckende Bilder vom Klimastreik in Lausanne am 15. März 2019. Tausende Demonstranten sind in Lausanne auf der Strasse. 15. März 2019. Lausanne, 15. März 2019. Lausanne, 15. März 2019. Seoul, Südkorea, 15. März 2019. Sie trotzen dem Regen in Stockholm, Schweden. 15. März 2019. Tokio, Japan, 15. März 2019. Rom, Italien, 15. März 2019. Rom, Italien. 15. März 2019. Delhi, Indien. 15. März 2019. Aarhus, Dänemark. 15. März 2019. Klimastreik in Nikosia, Zypern. 15. März 2019. Pretoria, Südafrika. 15. März 2019. Klimastreik in Wien, Österreich, 15. März 2019. Die schwedische Schülerin Greta Thunberg ist natürlich auch wieder dabei. Sie startete mit ihrem Klimastreik in Stockholm schon vor längerer Zeit und gilt als Ikone der weltweiten Bewegung. In Berlin versammeln sich die Klimaaktivisten vor dem Bundestag. 15. März 2019. Athen, Griechenland. 15. März 2019. London, England. 15. März 2019. Edinburgh, Schottland. 15. März 2019. Auch in Lissabon wird demonstriert, wie uns Leser-Reporter Christoph Schnyder aus den Ferien berichtet. Kiew, Ukraine. 15. März 2019. In Spanien huldigen die Demonstranten der schwedischen Schülerin Greta Thunberg. Paris, Frankreich. 15. März 2019. Katowice, Polen. 15. März 2019.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Unter dem Motto Klimastreik demonstrierten am letzten Freitag gegen 10'000 Jugendliche auf Berns Strassen. Auch in Thun und Biel zogen Hunderte mit Plakaten und Parolen durch die Gassen. Im Kampf gegen den Klimawandel forderten sie griffige Massnahmen seitens der Politik. Allerdings taten dies nicht alle ganz freiwillig, wie nun bekannt wurde.

SVP-Grossrat Samuel Krähenbühl spricht von «besorgten Eltern und Behördenmitgliedern», die ihm von «gravierenden Verstössen gegen die politische Neutralität» an Berner Volksschulen berichtet hätten. Besonders ärgerte sich der Politiker über einen Anruf aus Frutigen: An der dortigen Oberstufe wurde die Teilnahme an der Demo in Thun für mehrere Klassen für obligatorisch erklärt, wie ein Schreiben an die Eltern zeigt, das 20 Minuten vorliegt. Im Rahmen des geschichtlichen Themas «Das politische System der Schweiz» mache man «von unserem Recht auf freie Meinungsäusserung Gebrauch», schreibt die Lehrperson. Die Reisekosten wurden von der Schule übernommen.

«Politische Propaganda»

«Es darf doch nicht sein, dass Jugendliche von der Schule derart zu politischen Zwecken instrumentalisiert werden», sagt Krähenbühl, der in der Bildungskommission des Grossen Rates sitzt. Er verweist auf Artikel 43 der Kantonsverfassung, wo es heisst: «Der Unterricht ist konfessionell und politisch neutral.»

Weil die Verfassung in Frutigen und auch anderswo verletzt worden sei, will er nun mittels dringlicher Motion «die politische Neutralität der Schule wieder durchsetzen.» Der Regierungsrat müsse sicherstellen, «dass kein Schüler im Rahmen des obligatorischen Unterrichts zur Teilnahme an einer politischen Kundgebung gezwungen» wird. Auch soll es den Schulen untersagt sein, politische Propaganda zu betreiben, etwa in Form von Aufrufen zu Demo-Teilnahmen.

Natalie Imboden, Grossrätin der Grünen, kontert: Es gehöre zum pädagogischen Auftrag der Schule, gesellschaftspolitische Themen wie den Klimastreik im Unterricht aufzugreifen und kritisch zu reflektieren. «Eine Schule, die eine Jugendbewegung mit Zehntausenden auf der Strasse einfach ignorieren würde, wäre eine schlechte Schule», sagt Imboden. Um die Teilnahme an einer Demo für obligatorisch zu erklären, brauche es aber zwingend eine Anbindung an den Unterricht.

«Solche Aktionen wollen wir nicht mehr sehen»

In Frutigen hat man Kenntnis über Krähenbühls Vorstoss. Der Oberstufen-Schulleiter wollte sich auf Anfrage nicht dazu äussern. Er habe von der Gemeinde die Anweisung erhalten, keine Auskünfte zu erteilen und Exkursionen wie die Teilnahme an der Klima-Demo künftig nicht mehr zu bewilligen.

Dies bestätigt Gemeinderatspräsident Hans Schmid: «Solche Aktionen wollen wir in Zukunft nicht mehr sehen. Der Schulunterricht muss eine politisch neutrale Haltung einnehmen.» Als politische Propaganda will Schmid die Aktion der Schule dennoch nicht bezeichnen: «Ob es sich verfassungsrechtlich um eine solche handelte und folglich die politische Neutralität der Schule verletzt wurde, muss nun der Regierungsrat im Zuge von Krähenbühls Motion klären.»

Ebenso ermittle die Schulleitung, wer für die ungewöhnliche Lektion welche Entscheidungen getroffen habe. Über allfällige Konsequenzen für die betreffenden Lehrpersonen wollte sich Schmid nicht äussern: «Darüber werden wir innerhalb des Gemeinderats befinden.»

Die Gemeinde sei von der Oberstufe vorab nicht informiert worden: «Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Expat am 21.03.2019 07:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gemeinde hat gut reagiert

    Ich finde die Gemeinde hat gut reagiert, das in Zukunft zu verbieten. Ich hätte schon als Vater reagiert und mein Kind nicht an diese Demo gehen lassen. Der oder die Verantwortlichen Lehrer gehören verwarnt und bei der nächsten solchen Aktion entlassen.

    einklappen einklappen
  • Cel Lo am 21.03.2019 05:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Zeit

    Ich persönlich finde eine Demo von Schülern an einem Freitag unmöglich. Gerne dürfen die Jungen demonstrieren gehen, warum tun sie dies aber nicht in ihrer Freizeit? Zb an einem Samstag?

    einklappen einklappen
  • TheCapitalist am 21.03.2019 07:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schulen

    Die Politische Ausrichtung von Schulen und Lehrern ist schon lange bekannt. Das ist nichts neues.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tackle am 21.03.2019 21:11 Report Diesen Beitrag melden

    Mit gutem Gewissen ignorierem

    Unsere Politiker tun gut daran die klima Demos zu ignorieren, da die meisten Kinder dazu genötigt werden daran teil zu nehme. Die Schulen sollten die Kinder über die ganze Wahrheit der Klimahysteri informieren.

  • Bt. Schulrat am 21.03.2019 18:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Daneben

    Wo führt dies noch hin. Dass Jugendliche friedlich demonstrieren Hut ab, aber bitte in der Freizeit. Dass es während der Unterichtszeit von der Schule angeordnet wurde und von Linker Seite (Grüner Politikerin) gutgeheissen wird finde ich daneben. Meine Kinder hätte ich nicht gehen lassen. Den Schüler kann man die Demokratie auch anders näherbringen.

  • Aschji am 21.03.2019 10:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum so einseitig

    Die Grünen verlangen ein kritisches reflektieren. Nun wurde die ganze Klimafrage gar nie kritisch hinterfragt, sonst wäre es nicht zu Demonstrationen gekommen. Wir haben ja Internet. Setzt euch doch mal ins Bild was ALLE Klimaforscher sagen. Nur so kommt man zu einem Bild wie es etwa um unser Klima steht und was zu erwarten ist und warum. Wer das seriös macht muss ob den verschiedenen Fakten zu einem Achselzucken kommen und kann nicht einfach EINE vorgekaute Meinung die jetzt die Wahrheit sein soll, in die Welt hinaus "möögge"

  • Philoswiss am 21.03.2019 10:34 Report Diesen Beitrag melden

    Et Voila!

    Da habens wir wieder. Schüler werden zum Aktivismus von den Lehrern und der Schule gezwungen und der Rest geht streicken damit sie nicht in den Unterricht müssen. Und dann wundern sich die Leute warum sie niemand ernst nimmt... Und dann noch auf Kosten der Schule aka Steuergelder. Und an Frau Imboden, würden sie auch noch so argumentieren, wenn es eine anti-Klima Demo wäre? Oder ist es nur ok wenn es ihr Anliegen unterstützt? Wenigstens hat die Gemeinde ein klaren Statement abgegeben, hoffentlich halten sich die Schulen auch daran.

  • Leser am 21.03.2019 10:23 Report Diesen Beitrag melden

    Lustig...

    ...."Demo oder Ersatzunterricht in der Schule"...Ja wie viele Schüler sich wohl dann für die Demo entschieden haben aus ganz anderen Gründen als "Klima"? Wie schnell aus der "Unabhängigen Greta" eine von ihrem Vater vertretene Agentin und aus den "Schülerprotesten" Lehrerproteste werden...