Kapo Bern an Reitschule

13. März 2019 18:50; Akt: 13.03.2019 20:25 Print

«Auch Polizisten nutzen das Reitschul-Angebot»

Stefan Blättler, Kommandant der Kapo Bern, wandte sich in einem offenen Brief in versöhnlichem Ton an die Besucher der Reitschule – kurz bevor dort ein Polizeieinsatz stattfand.

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«Ich wende mich mit diesem offenen Brief an Sie als die Besucherinnen und Besucher des Kulturzentrums»: Mit diesen Worten beginnt ein Erklärungsbrief von Kapo-Kommandant Stephan Blättler.

Die Kantonspolizei Bern sei für die Sicherheit aller Personen im Kanton verantwortlich – egal wo sie sich aufhalten würden. «Nicht immer mag dieser Schutz willkommen sein – gerade dann, wenn er in die Selbstbestimmung eingreift – dies ist mir klar», schreibt Blättler. Umso mehr sei es ihm ein Anliegen, Vorurteile aus der Welt zu schaffen.

Zwischen den Besuchenden der Reithalle und der Kapo gebe es aus seiner Sicht keine Unterschiede in den Grundwerten: «So stehen auch wir für ein selbstbestimmtes und solidarisches Leben ein.» Die Legitimität eines Kulturzentrums, welches durch das vielfältige Angebot und nicht zuletzt durch die demokratischen Entscheidungen mehrfach bestätigt wurde, werde von der Polizei als Institution keineswegs in Frage gestellt, sondern sogar gestützt, schreibt der Polizist. Auch Mitarbeitende der Kantonspolizei, deren Freunde oder Kinder würden das kulturelle Angebot nutzen und schätzen. «Solche Freiräume sind für eine Gesellschaft unbestritten ein Mehrwehrt.»

Drogenhandel auf Schützenmatte

Es gehe der Polizei nicht um eine Beeinträchtigung oder sogar Einschränkung dieser Freiheiten, heisst es weiter im Brief. Die Kapo habe den Auftrag, die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten und die Gesetze durchzusetzen: «Wir sind beauftragt und verpflichtet, dem Drogenhandel auf der Schützenmatte entgegenzuwirken, der mit seinen Strukturen Menschen in schwierigen Situationen ausnützt und ausbeutet.»

Weiter fügte er hinzu, dass die Kapo den Menschen, die sich auf der Schützenmatte aufhalten, eine Umgebung gewährleisten wolle, in der sich die Besucher sicher fühlen können. «Dies ist leider nicht immer der Fall und dies wollen wir ändern», so der Kommandant. Das seien die Gründe, weshalb sie in diesem Gebiet Kontrollen durchführen – Kontrollen, für welche sein Korps einen Auftrag hätten und von deren Notwendigkeit man überzeugt sei.

Gemeinsame Wege finden

Blätter verdeutlicht: «Dabei ist nicht das Kulturzentrum das Ziel, sondern Menschen mit krimineller Energie, welche den Raum in diesem Gebiet für sich und ihre Taten missbrauchen und erobern wollen – auf Kosten von Ihnen, den Besucherinnen und Besuchern des Kulturzentrums.»

Die Kantonspolizei wollen die ständige Spirale, die Konflikte zwischen der Reithalle und der Kantonspolizei Bern heraufbeschwöre und wohl auch verursache, durchbrechen und versuchen, gemeinsam Wege «zu unser aller Wohle» finden. «Wir wollen uns an unseren Taten messen lassen, aber eben auch auf der Grundlage der tatsächlichen Vorkommnisse», so Blättler. Er schliesst mit den Worten: «Gerne stehen wir dabei für einen offenen Dialog zur Verfügung.»

Aktion gegen den Drogenhandel

Nach der Veröffentlichung des Briefes liess die Kapo Bern Taten folgen. Am frühen Mittwochabend meldete sie auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, dass sie beim Kulturzentrum im Einsatz stehe:



Weniger später lieferte die Polizei die Bilanz des Einsatzes: So hielten Polizisten im Raum Schützenmatte offenbar fünf Männer an. «Bei mindesten einem Mann wurde Kokain gefunden», teilt die Kapo auf Twitter mit.

Antwort aus der Reitschule

Die Reitschule liess den offenen Brief von Blätter nicht unkommentiert. Sie bezogen sich dabei vor allem auf Blätters Zeilen: «Wir wollen uns an unseren Taten messen lassen, aber eben auch auf der Grundlage der tatsächlichen Vorkommnisse. Gerne stehen wir dabei für einen offenen Dialog zur Verfügung.»

Dazu die Reitschüler:« Die Taten haben wir in den letzten Wochen und nur zwei Stunden nach dem Blogpost hautnah erlebt. In den letzten 5 Wochen hatte die Reitschule insgesamt 7 Vorfälle zu verzeichnen.» Zwei Mal seien Mitarbeitende der Reitschule festgenommen worden. Weiter hätten Polizisten der Kapo Bern gedroht eine Scheibe des Restaurants Sous le Pont einzuschlagen: «Und vorletzte Woche steuerte die Polizei 1000 kg Metall in eine unbeteiligte Menschengruppe auf einem Trottoir.»

Die «angebliche Dialogbereitschaft» der Kantonspolizei würden sie unter diesen Umständen als vorgeschoben und reine PR-Massnahme beurteilen.

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