Ein Dorf in Angst

21. Juli 2016 17:50; Akt: 11.11.2016 11:46 Print

Orpund fürchtet sich vor dem Frauen-Mörder

Im kleinen Dorf im Kanton Bern geht die Angst um – drei Tage nach dem brutalen Tötungsdelikt im Wald wurde der Täter noch nicht gefasst.

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«Die Ungewissheit ist das Schlimmste», sagt ein verunsicherter Dorfbewohner. «Wir mussten alles aus den Medien erfahren, die Polizei informierte uns nicht.» Auch viele andere Orpunder haben ein mulmiges Gefühl. Am Montagmorgen fand eine Spaziergängerin die Leiche einer 66-jährigen Frau aus dem Kanton Bern im Burgerwald. Ein Hund harrte treu an der Seite seines leblosen Frauchens aus. Laut der Kantonspolizei Bern starb die Frau an den Folgen «massiver stumpfer Gewalt».

Im Dorf ist das Tötungsdelikt Thema Nummer Eins. «Alle fragen einander, ob man etwas wisse oder gehört habe, wer der Täter oder das Opfer seien», so ein Wirt aus dem Dorf. Dass der Täter aus dem Dorf stammt, hofft in Orpund niemand. «Daran mag ich gar nicht denken», so ein Gast vor einem Wirtshaus.

Vize-Gemeindepräsident ist «entsetzt»

Der Burgerwald ist ein beliebter Spazierweg für Hündeler. Besonders unter den Hundebesitzern ist die Angst deshalb nun gross: «Ich gehe jetzt sicher nicht mehr in den Wald», sagt eine Frau, die ihre Hunde jetzt im Dorf spazieren führt. «Jedenfalls nicht, solange nicht klar ist, wer die Frau umgebracht hat und der Täter nicht festgenommen ist.»

Auch ein Bewohner des Quartiers, das in der Nähe des Leichenfundortes liegt, meidet den Wald nun: «Ich ging dort sonst immer joggen, nun werde ich mir eine neue Route suchen müssen.» Er bemängelt auch, dass die Polizei die Anwohner nicht informierte. Er habe erst am Montagabend aus den Medien von dem Vorfall erfahren.

Verunsicherte sollen sich bei der Polizei melden

«Wir informieren die Bevölkerung via Medienmitteilungen. Auch schalten wir diese auf Twitter und auf unserer Homepage auf», sagt Kapo-Mediensprecher Christoph Gnägi dazu. So erreiche man am schnellsten viele Menschen. Beim Fall Orpund habe es einige Leute gegeben, die vor Ort die Polizisten angegsprochen haben. «Sollten die Leute verunsichert sein, so haben sie immer die Möglichkeit, sich auf einem Polizeiposten oder per Telefon bei uns zu melden», so Gnägi weiter. Man habe Verständnis, dass die Bevölkerung nun verunsichert sei. Doch der Polizeisprecher versichert: Die Ermittler arbeiten mit Hochdruck an der Lösung des Falls. Von einem Serienkiller sollen sich die Leute aber nicht fürchten: «Zurzeit gibt es keine konkreten Hinweise darauf, dass die Tat mit anderen Delikten in Zusammenhang steht.»

Die Kantonspolizei Bern teilte am Mittwochnachmittag mit, dass das 66-jährige Opfer im Kanton Bern wohnte. Laut dem Bieler Tagblatt lebte das Opfer jedoch nicht in Orpund. Im Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt sucht die Polizei auch nach dem grauen Chevrolet Matiz der Getöteten und erhofft sich dadurch neue Hinweise. Orpunds Vize-Gemeinderäsident Samuel Suter (SVP) erhofft sich nun eine möglichst rasche Aufklärung des Falls, «damit die Unsicherheit ein Ende hat» Er war entsetzt, als er von dem Leichenfund in seiner Gemeinde erfuhr; auch er besuche den Wald regelmässig.

(aha)