Universität Bern

29. März 2018 05:54; Akt: 29.03.2018 18:02 Print

Falsche Soldaten kontrollierten Studis

Vor dem Eingang der Uni machten am Montagmorgen als israelische Soldaten verkleidete Aktivisten Ausweiskontrollen. Studenten ärgerten sich über die Aktion, die Uni wusste von nichts.

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Um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen, hatten am Montagmorgen Aktivisten von Boykott, Desinvestition, Sanktionen (BDS) die Studenten der Uni Bern vom Zutritt zum Uni-Gebäude Tobler aufgehalten. Es handelt sich bei BDS um eine umstrittene palästinensische Lobby-Organisation, die die Legitimation des Staates Israel in Frage stellt. Die Aktivisten stellten einen Checkpoint auf, kontrollierten die Studenten und liessen nur rein, wer einen Ausweis zeigte.

Hierfür hatten sie zwei Mauern aufgebaut, sie mit Stacheldraht versehen, und zwei Aktivisten verkleideten sich mit Camouflage-Jacken als israelische Soldaten. Damit wollten sie aufzeigen, dass in Isreal Apartheid herrsche und der Bevölkerung mit den strengen Zutrittskontrollen zu bestimmten Gebieten das Leben schwer gemacht werde.

Studenten ärgerten sich

Als Schikane empfanden es indes auch die Studenten. «Man kann doch auf öffentlichem Grund niemanden am Durchkommen hindern», erzählt eine Studentin, die anonym bleiben will. «Auch Ausweise zu verlangen, geht nicht.»

Sie selber habe gesehen, wie manche Studenten den Anweisungen gefolgt seien. «Ich habe den Aktivisten gefragt, ob er denn je in Israel war. Als er Nein sagte und ich ihm erklärte, dass die Realität dort überhaupt nicht so sei, hat er sich leise zurückgezogen.»

Aktion war nicht bewilligt

Die Aktion war allerdings nicht mit der Uni-Leitung abgesprochen, wie 20 Minuten weiss. Diese wusste von nichts.

Die BDS-Aktivisten hatten diese Woche eine ganze «Israel-Apartheid-Week» organisiert. Zu diesem Anlass haben sie am Dienstagabend an der Uni auch einen Filmabend organisiert. Dieser war dagegen bewilligt. Der Saal für die Filmvorführung wurde von Studierenden des Institut für Islamwissenschaft und Neuere Orientalische Philologie der Uni Bern reserviert.

«Nur Propaganda»

Die Studentin ärgert sich genauso ob des Filmabends. «Es ist halt einfach sehr einseitig, die zeigen einen Anti-Israel-Film, was ich für sehr problematisch halte. Sie haben nicht einmal richtige Argumente, es ist bloss Propaganda.»

Sie fordert, dass die Leute, die sich für das Thema interessieren, sich lieber einlesen und das Land besuchen sollten. «Diese Aktivisten von BDS schiessen einfach nur gegen das Land – es geht ihnen nur um den Hass, den sie selber haben. Dabei ist Israel die einzige Demokratie im Nahen Osten.»

«Wir stiessen bei Studierenden und Dozenten auf Verständnis»

Auf Anfrage von 20 Minuten sagt Roman Vonwil von BDS Schweiz: «Wir fordern von Israel die Einhaltung grundlegender, im Völkerrecht verankerter Freiheiten und Rechte für die Palästinenser. Nicht mehr und nicht weniger.» Die Aktion und die Filmvorführung an der Uni Bern hätten im Rahmen der weltweiten Woche gegen die Apartheidpolitik des Staats Israel stattgefunden.

«Mit dem Aufstellen von Checkpoints machten wir auf die Unrechtsituation aufmerksam, unter der die palästinensische Bevölkerung lebt.» Täglich würden Tausende Palästinenser an israelischen Checkpoints kontrolliert und schikaniert. «Mit der Aktion stiessen wir bei vielen Studierenden, Dozierenden und Uni-Mitarbeitenden auf Verständnis.»

(ct)