Bei Zug-Panne im Wallis

28. Januar 2020 16:35; Akt: 28.01.2020 16:35 Print

Ungeduldige Pendler stiegen durch Nottüren

Ein Zug aus Domodossola blieb am Montag kurz vor dem Bahnhof Brig VS stecken. Verärgerte Passagiere wollten nicht länger warten und betätigten die Notöffnung.

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Eine Fahrleitungsstörung verunmöglichte gestern um 10.37 Uhr einem RegioExpress aus Domodossola (I) die Einfahrt in den Bahnhof Brig VS. Rund 60 Zuginsassen steckten vor dem Bahnhof Brig in diesem BLS-Zug fest. Einem Teil der Passagiere riss nach einer Stunde des Wartens der Geduldsfaden. Sie verliessen den «Lötschberger» samt Reisegepäck über die offenen Gleise durch den Notausgang. Bei der BLS ist man sauer: «Ein solches Handeln ist äusserst gefährlich», sagt Sprecherin Helene Soltermann. Ein Beobachter gibt der BLS jedoch auch eine gewisse Mitschuld. Das Personal habe ein ungenügendes Verhalten an den Tag gelegt: «Die Passagiere sind viel zu lange im Ungewissen gelassen worden», meint der Pendler. Die BLS räumt ein, die Reisenden tatsächlich nicht genügend aufgeklärt zu haben. «Die Pendler konnten von unserem anwesenden Reiseleiter nicht ausreichend informiert werden. Dieser war selber nicht im Bild, was genau vor sich ging», sagt die Sprecherin. Die Bergung des Zugs dauerte aussergewöhnlich lange. «Direkt nach der Panne meldete der Lokführer den Schaden. Sofort wurde der Rettungs- und Löschwagen zum Zug geschickt.» Bis dieser eintraf, seien rund 30 Minuten verstrichen. Danach versuchten die Einsatzkräfte, den Zug abzuschleppen. Aufgrund der technischen Probleme konnte der Zug jedoch nicht umgehend weggezogen werden. So mussten die Passagiere weitere 30 Minuten ausharren. Schliesslich habe man die restlichen Zugpassagiere unter Aufsicht aus dem Pannen-Zug aussteigen lassen. «Sie wurden zu Fuss oder mit einem Shuttle-Bus an den Bahnhof Brig geführt.»

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Rund 60 Zuginsassen steckten vor dem Bahnhof Brig in einem BLS-Zug fest. Am Montag, kurz nach halb zehn Uhr, musste der Zug aus Domodossola (I) wegen technischer Probleme stoppen. Die Komposition liess sich nicht mehr bewegen.

So folgten für die Zuginsassen lange Minuten. Nach einer Stunde des Wartens und Ausharrens hatten eingeschlossene Pendler schliesslich genug; sie nahmen ihr Schicksal selber in die Hand.

Von Innen betätigten die Pendler die Notöffnung und stiegen auf die dortigen Gleise und ins Freie. Ungefähr zehn Personen sollen bei dieser Aktion unkontrolliert aus den Wagen auf das Bahntrasse gestiegen sein, bestätigt auch das ÖV-Unternehmen. Ein Leser des «Walliser Boten» beobachtete diesen Exodus: Mitsamt Gepäck hätten die Passagiere das Gleis überquert.

Rechtliche Folgen

Bei der BLS ist man sauer: «Ein solches Handeln ist äusserst gefährlich», sagt Sprecherin Helene Soltermann. Das Öffnen dieser Türen sei nicht ohne Grund nur für die wirklichen Notfälle vorgesehen. «Wenn die Passagiere aus einem Zug auf die offenen Gleise steigen, kann das schlimm ausgehen.»

Das Vorgehen der Passagiere war aber nicht nur gefährlich, sondern auch verboten. Ob die Personen nun mit einer Anzeige rechnen müssen, weiss das ÖV-Unternehmen derzeit noch nicht. Der BLS liegen jedoch Videos vor, auf denen die ungeduldigen Zug-Ausbrecher zu sehen sind. «Das Material der Überwachungskameras haben wir nun gesichert», sagt die BLS-Sprecherin.

Schlecht informiert

Ein Beobachter gibt der BLS jedoch auch eine gewisse Mitschuld. Das Personal habe ein ungenügendes Verhalten an den Tag gelegt: «Die Passagiere sind viel zu lange im Ungewissen gelassen worden», meint der Pendler.

Die BLS räumt ein, die Reisenden tatsächlich nicht genügend aufgeklärt zu haben. «Die Pendler konnten von unserem anwesenden Reiseleiter nicht ausreichend informiert werden. Dieser war selber nicht im genau Bild, was genau vor sich ging», sagt die Sprecherin.

Passagiere begleitet

Die Bergung des Zugs dauerte nämlich aussergewöhnlich lange. «Direkt nach der Panne meldete der Lokführer den Schaden. Sofort wurde der Rettungs- und Löschwagen zum Zug geschickt.» Bis dieser eintraf, seien rund 30 Minuten verstrichen.

Danach hätten die Einsatzkräfte versucht, den Zug abzuschleppen. Aufgrund der technischen Probleme konnte der Zug jedoch nicht umgehend weggezogen werden. So mussten die Passagiere weitere 30 Minuten ausharren. «Dann bemerkten unsere Leute vor Ort plötzlich, dass Passagiere selbständig den Zug verlassen», rapportiert Soltermann. Schnell habe man sich eingeschaltet, um die Situation wieder unter Kontrolle zu bringen. Schliesslich habe man die restlichen Zugpassagiere unter Aufsicht aus dem Pannen-Zug aussteigen lassen. «Sie wurden zu Fuss oder mit einem Shuttle-Bus zum Bahnhof Brig geführt.»

(km / miw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • lui votui am 28.01.2020 16:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    fahrgastinformation wie im 3. welt land

    also nach einer stunde ohne information wäre ich auch ausgestiegen. ich erwarte mindestens eine durchsage vom lokführer. die infos in unseren zügen trams und am bahnhof sind eine zumutung. die passagiere werden einfach sich selber überlassen. und das im 21. Jahrhundert.

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  • tinu am 28.01.2020 16:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nottüren?

    also die qualität der infos dieser zeitung lässt seit geraumen zu wüschen übrig. sauber abgeklärt? und so werden leute beeinflusst. auch bei abstimmungen. es sind hunzgewöhnliche türen. lediglich der notgriff oberhalb der türe wurde verbotenerweise gezogen.

  • Max König am 28.01.2020 16:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hmm...

    Nottüren? Ganz normale Einstiegtüren sind das.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • SvO am 29.01.2020 20:44 Report Diesen Beitrag melden

    1h ist zu viel? Wie wäre es mit 2?

    Liebe externe Fachberater. Es ist und bleibt ein absolutes No-go eine Zug auf offener Strecke zu verlassen, basta. Ich habe viele Kommentare gelesen, in welchen sich viele empört hatten, dass die Passagiere 1h im Zug ausharren mussten. Ich erinnere mich an eine Vorfall zwischen Olten und Oensingen, in welchem ich in einem rappelt vollen ICN kurz vor dem BHF Oensingen nach einer Schnellbremsung stehen blieb; Nach 45 min Info über Evakuation Nach 1h eintreffen LRZ Nach 2h Evakuation in Ersatzzug... Bei der Bahn geht eben alles länger. Es ist alles an die Schienen gebunden... labt damit!

  • josef zenhäusern am 29.01.2020 13:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bls wenig kompetenz in einer krise

    nocheinmal als passagier dieses zuges: 1. info war katastrophal 2.überqueren der stumpengeleise nicht gefährlich, sicher weniger als das passieren der geleise der matterhorn gotthardbahn nach ca 400/500m ohne jegliche kontrolle 3.geführte wanderung nach bahnhof brig?? stimmt leider nicht!!! 4. shuttle?? woo???? 5. videos: hätte auch fotos sorry anfänger in einer krisensituation

  • Zugahoi am 29.01.2020 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    Selber Schuld

    Das lernt man von den sogenannten Fussballfans fast jedes Wochenende! Passiert ja eh nie was!

    • Karl am 29.01.2020 13:05 Report Diesen Beitrag melden

      Gleicher Gedanke

      Fussballterroristen machen das jedes Wochenende. Dazu zerstören die noch die Wagons. Was ja hier nicht passiert ist. Also lasst die Leute in Frieden. Die bezahlen was der Fussballgterrorist am Wochenende wieder zerstört.

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  • Holla am 29.01.2020 10:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Liebe BLS, gestern wurde ein Ding namens Funk patentiert, da kann man über Distanz miteinander reden...

  • Schlaumeier am 29.01.2020 07:33 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Strom ?

    Guten Morgen. Ich frage mich ob jemandem aufgefallen ist, das bei Bild Nr. 1 steht, dass der Zug wegen einer Fahrleitungsstörung stecken geblieben ist? Im Artikell steht aber nur der Zug hatte eine Panne. Fahrleitungsstörung heisst KEIN Strom! Wie soll der Zug ohne Strom fahren? Aber hauptsache Wettern und besserwissen.