Schüpfen BE

19. März 2019 18:49; Akt: 19.03.2019 19:39 Print

Penis-Sprayereien werden für Berner (22) teuer

von S. Ulrich - Ein Sprayer, der in Schüpfen und Bern Fahrzeuge und Gebäude verschandelte, stand am Dienstag vor dem Bieler Regionalgericht. Die Vandalenaktionen kosten ihn nun viel Geld.

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In der Nacht auf den 19. Oktober 2016 sorgten in Schüpfen vier Burschen im Alter zwischen 17 und 24 Jahren für ein hässliches Dorfbild: Zwischen Bahnhof und Oberdorf versprayten sie zahlreiche Gebäude und Fahrzeuge und verursachten laut der Staatsanwaltschaft einen Sachschaden von mehreren Zehntausend Franken. Prominentestes Beispiel war ein parkierter Camper, der mit einem grossen, schwarzen Penis besudelt wurde.

«Je mehr Alkohol, desto einleuchtender die Idee»

Der Anführer der Sprayerbande, der Berner S.S.*, musste sich am Dienstag vor dem Bieler Regionalgericht verantworten. Den Plan, Schüpfen zu verschandeln, fassten er und seine Kumpanen bereits am Vorabend, wie der heute 22-Jährige vor Einzelrichter Wuillemin schilderte. Der Alkohol floss in Strömen, die Stimmung war aufgeheizt. «Je mehr wir tranken, desto einleuchtender erschien uns die Idee.»

Ausgerüstet mit Spraydosen und Tag-Utensilien und wieder mit reichlich Alkohol intus machten sich die Vandalen am nächsten Abend nach Schüpfen auf. Dort sprayten sie sich in einen regelrechten Rausch: Die Fassaden des Alters- und Pflegeheims, des Restaurants Bären und mehrerer Wohnhäuser waren am nächsten Morgen mit Tags verunstaltet. Sogar die Kirchenmauern mussten dran glauben.

«Eine der dümmsten Ideen, die ich je hatte»

Nicht weniger als 20 Privatkläger aus Schüpfen machen nun ihre Forderungen auf Schadenersatz geltend. Die Aussage des Beschuldigten, dass er sich nicht mehr an jede einzelne Sprayerei erinnern könne, erstaunt daher nicht weiter.

S., der laut eigenen Angaben derzeit in einem betreuten Wohnheim lebt und sich wegen seiner ADHS-Erkrankung und Anzeichen einer Depression in psychiatrischer Behandlung befindet, gab sich vor Gericht reumütig: «Das war eine der dümmsten Ideen, die ich je hatte.» Über den angerichteten Schaden sei er sich damals nicht im Klaren gewesen. «Wir fanden es einfach witzig.»

Selbst nachdem ihn die Polizei überführt hatte, war S. nicht einsichtig: Im Februar 2017 begab er sich mit einem Kollegen erneut auf Sprayer-Tour in Bern – und wurde prompt wieder erwischt.

Leben in den Griff bekommen

Wie die Verteidigerin von S. betonte, habe sich ihr Mandant nach der Sprayer-Tour in Bern nichts zuschulden kommen lassen und sich ganz aus der Sprayer-Szene zurückgezogen. Er sei heute «ein anderer Mensch als vor zwei Jahren», der sich zum Ziel gesetzt habe, sein Leben in den Griff zu bekommen. Strafmildernd auf das Urteil müsse sich zudem seine aufrichtige Reue auswirken.

Die Staatsanwaltschaft forderte für den Beschuldigten eine unbedingte Geldstrafe von 280 Tagessätzen à 30 Franken, also 8400 Franken, sowie eine Busse von 300 Franken. Die Verteidigung hielt eine bedingte Geldstrafe von 1200 Franken (120 Tagessätze à 10 Franken) sowie eine Busse von 100 Franken für angemessen.

Über 10'000 Franken Schadenersatz

Einzelrichter Wuillemin verurteilte S. schliesslich zu einer bedingten Geldstrafe von 152 Tagessätzen à 30 Franken. Er anerkannte, dass beim Beschuldigten eine Läuterung eingetreten sei und ihm daher keine schlechte Prognose ausgestellt werden könne. Neben der bedingten Geldstrafe muss S. für die Verfahrenskosten von 12'000 Franken aufkommen und 152 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

22 Geschädigte machten zudem Zivilforderungen geltend: Diese belaufen sich auf über 10'000 Franken.

* Name der Redaktion bekannt