Forschung der Uni FR

19. Juli 2018 13:26; Akt: 19.07.2018 13:47 Print

Perfekte Bodys anderer schlagen uns aufs Gemüt

Durchtrainierte Modelkörper sind im Alltag omnipräsent. Wie die Uni Freiburg nun erforscht hat, lösen solche Bilder negative Gefühle und sogar Essstörungen aus.

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Forscher der Universität Freiburg wollten dem Problem Essstörung auf den Grund gehen. Dabei wurde klar: Negative Emotionen – verursacht durch die überperfekte Insta-Beauty-Welt – können zu Anorexie, Bulimie oder anderen psychischen Störungen führen.

Dies zeigte unter anderem ein simpler Test: Für fünf Minuten liessen die Forscher Frauen in einem Magazin blättern, in dem vermeintlich perfekte Models zu sehen waren. Deren gebräunte Körper, wohlgeformte Brüste und Wespen-Taillen über ellenlangen Beinen regten die Frauen nicht etwa zum Träumen an: «Ausnahmslos alle Frauen reagierten mit Verstimmung, Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper und dem Vorsatz, die eigene Ernährung besser zu kontrollieren», rapportierten die Forscher.

Nicht Unzufriedenheit ist Schuld an einer Essstörung

Beim Betrachten solcher Bilder seinen also bei allen negative Emotionen hochgekommen. Diese seelischen Verstimmungen würden zu Stress führen. «Bei allen Essstörungen ist Essen ein Mittel zur Emotions- oder Stressregulation», sagt die Freiburger Professorin Simone Munsch.

Ausschlaggebend dafür, ob jemand eine Essstörung entwickelt, sei also nicht nicht in erster Linie die Zufriedenheit oder Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, sondern der generelle Umgang mit negativen Emotionen – wie sie eben durch die Betrachtung solcher Beautys in der Werbung ausgelöst würden. Dabei ist die Folge solcher Stresssituationen von Frau zu Frau völlig unterschiedlich: «Frauen, die ihre Emotionen trotz Frustration wieder in den Griff kriegen, sind weniger gefährdet, psychisch krank zu werden oder eine Essstörung zu entwickeln», sagt Munsch.

Resultat soll Therapieprogramm weiterentwickeln

Die Resultate dieser Studie sollen nun auch im Therapieprogramm BEAT (Binge-Eating Adolescent Treatment) verwendet werden, das kürzlich angelaufen ist und die Behandlung von Jugendlichen mit regelmässigen Essanfällen oder einer Binge-Eating-Störung umfasst. Es ist das erste Therapieprogramm dieser Art für Jugendliche und das erste, dessen primärer Fokus nicht auf der Behandlung der Symptome liegt, also der Reduktion der Essanfälle, sondern auf dem Umgang mit negativen Emotionen.


(miw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ann Onym am 19.07.2018 14:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Andererseits...

    Ja, etwas neidisch könnte man da schon werden. Andererseits, ich kann sehen, hören, gehen. Habe Arme, Beine, alle Finger und Zehen und bin gesund. Und DAFÜR bin ich dankbar.

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  • Gaby am 19.07.2018 13:56 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz neue Erkenntnisse

    Da hat heute wieder jemand herausgefunden dass die Erde rund ist....hoffentlich bekommen sie einen Preis.

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  • Dana am 19.07.2018 14:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Natürlich vs OP

    Nur für die, die es zulassen... ohne Fett absaugen und sonstige OPs sähen viele nicht so aus wie sie es tun... also seit stolz auf eure NATÜRLICHEN KÖRPER mit all dem was er zu bieten hat... in der Vielfalt liegt das Schöne...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Itsy Bitsy am 20.07.2018 09:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Yes you can!

    Unerwünschtes ausblenden, um die eigenen Schwächen nicht wahrzunehmen - das ist wirklich die Lösung! Habe in 2 Jahren über 20kg abgenommen da ich die Nase voll hatte. 2 Sechspack Mineral nicht mehr dauernd rumzuschleppen ist schon toll! Disziplin, Wille und Konstanz sind Voraussetzung. Und an alle Neider und Hater, über 99% der Übergewichtigen haben keinen Gendefekt. Bewegung, nicht hungern und ein wenig Geduld, dann funktioniert es. Ich wünsche einen schönen Tag.

  • fredi gurtner am 20.07.2018 09:19 Report Diesen Beitrag melden

    Schönheit?

    Wie kann man nur sich so verhalten müssen. Jeder Mensch ist anders und so haben Leute, welche Modelcharakter haben, nichts mit der eigenen Figur zu tun. Doch das muss im eigenen Kopf geändert werden. Schön sein ist genauso individuell wie der eigene Körper auch. Etwas nacheifern darf man ja schon, aber alles in Massen um selber gesund zu bleiben. Den Kopf behalten und sich nicht ins Boxhorn jagen lassen

  • Tinu Tobler am 20.07.2018 08:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sei dich selbst

    Sei und bleibe dich selbst. Alle anderen gibt es schon.

  • Stella am 20.07.2018 02:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Menschen!!!

    Mit 15 kg mehr, habe ich mich weniger verglichen. Fühlte mich unwohl, unsportlich, schlaff. Also, was gesucht, passte, das Gröbste Fett ist weg auf Normal. Bin zufrieden damit. Nun kommen neue Zweifel... warum nicht so definiert wie die vielen Models. Ok meine Beine messen nicht 110cm länge, und ich bin nicht diszipliniert genug um alles zu tun, damit KFA so tief kommt. Ich geniesse das Leben zu sehr. Jedoch mag ich das Training, das Gefühl zu haben, was zu tun, meine Mukkies zu spüren. Anderseits schlage ich auch gerne mal über die Stränge :) Wie das Leben so läuft, alles geht nicht...

  • Marylin Monrobot am 19.07.2018 18:00 Report Diesen Beitrag melden

    ich frage mich

    würde man mal alle Werbung und Heftchen etc. mit dicken Frauen anstatt schlanken Frauen ausstatten, so für 10, 20 oder 30 Jahre. Würde sich dann das Schönheitsideal von knackig zu schwabbelig ändern, und würden die jungen Mädchen sich übergewicht anfuttern, weil sie so aussehen wollen wie die präsentierten Frauen? Daran habe ich ERHEBLICHE Zweifel! Gesundes Aussehen gilt seit jeher als Attraktiv, und wabbelschwabbel sieht nun mal NIE gesund aus (auch bei Männern).

    • Hiob am 19.07.2018 22:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Marylin Monrobot

      Mal was von Rubens gehört? Wohl eher nicht...

    • Monrobot am 20.07.2018 09:32 Report Diesen Beitrag melden

      @Hiob

      ja klar, einige Jahrzehnte Malerei von Rubens sind sicher 100% repräsentativ für einige zehntausend Jahre Menschheitsgeschichte... NICHT!

    • dave am 20.07.2018 12:41 Report Diesen Beitrag melden

      @Hiob

      Nur weil es mal eine kurze Zeitperiode gab in der ein paar wenige Maler ein sehr spezielles Schoenheitsideal hatten, ist dass sicher nicht die Nullhypothese.

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