Wallis

13. November 2019 17:50; Akt: 13.11.2019 19:25 Print

50'000 fordern Verbot von Trophäen-Jagd

Berichte über reiche Ausländer, die im Wallis für teures Geld Steinböcke schiessen, haben eine hitzige Debatte ausgelöst. Eine Petition will die Trophäenjagd nun verbieten.

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Bis zu 20'000 Franken zahlen vermögende Touristen, um im Wallis Steinböcke mit möglichst imposanten Hörnern zu schiessen. Der Kanton verdient daran jährlich rund 650'000 Franken: Zwei Beiträge im Deutsch- und Westschweizer Fernsehen über die Trophäenjagd haben eine Welle der Empörung ausgelöst.

Eine Online-Petition, die kurz nach den Medienberichten lanciert wurde und die Steinbock-Safaris für Ausländer verbieten will, erfreut sich nun grosser Beliebtheit: Rund 50'000 Leute
haben sie bereits unterschrieben, wie das SRF «Regionaljournal» berichtet.

«Schlechtes Image für Kanton»

Auch die Grünen sind aktiv geworden. Die Fernsehsendungen hätten ihn stark berührt, sagt Jérémy Savioz, Grossrat und Geschäftsführer von Pro Natura Wallis: «Die Bilder sind schockierend, zeigen aber deutlich die Realität.» Savioz stört sich daran, dass reiche Ausländer auf Steinbock-Jagd gehen und dabei von Walliser Wildhütern begleitet werden: «Sie bescheren dem Kanton ein schlechtes Image.» Er hat deshalb am Dienstag eine Motion im Kantonsparlament eingereicht, die die Praxis verbieten will.

Anderer Meinung ist Peter Scheibler, Chef der Dienststelle Jagd, Fischerei und Wildtiere. Er sagt: «Die Berichte waren vollkommen tendenziös und plakativ.» Die Realität sei, dass die Wildhüter den ausländischen Kunden nur gezielt jene Tiere zeigen würden, die sowieso abgeschossen werden müssten. Scheibler verteidigt daher das seit 1991 bestehende Jagdsystem, in dem Deutschschweizer und Ausländer im Wallis ein Tagespatent lösen und Steinböcke schiessen können.

«Interessante Bewirtschaftungsform»

Als einziger Kanton hält das Wallis bis heute an dieser Praxis fest. «Weil es eine interessante Bewirtschaftungsform ist, dem Steinwild nicht schadet und von interessierten Kreisen bis heute mitgetragen wurde», so Scheibler. Der Bestand an 5300 Steinböcken, die es im Wallis gebe, müsse zwingend reguliert werden. Rund 120 Tiere werden in der Tagesjagd geschossen. 330 weitere Steinböcke werden den einheimischen Jägern zugelost.

Wie Scheibler hatte auch die Jagdagentur Capra Adventures vor wenigen Tagen in einem offenen Brief die SRF-Reportage kritisiert. Von den 50'000 Unterschriften der Online-Petition zeigt sich CEO Eric von Schulthess unbeeindruckt. «Solche Online-Petitionen sind überhaupt nicht aussagekräftig», sagt er zu 20 Minuten. Schliesslich könnten sie von «irgendjemandem auf der Welt» unterzeichnet werden. «Zudem kann man mit einem gefälschten Profil ohne Probleme mehrmals mitmachen», so von Schulthess. Seine Agentur werde weiter ausländischen Gästen Steinbockjagden anbieten – «so wie das im Rahmen des Gesetzes erlaubt ist».

Abschaffung wäre für Jagdverband kein Problem

Daniel Kalbermatter, Präsident des Walliser Jagdverbands, könnte mit der Abschaffung der umstrittenen Steinbock-Jagden grundsätzlich leben. Diese Wildart könne man bewirtschaften, wie jede andere auch, sagt er. Will heissen: Walliser Jäger könnten auch jene Tiere regulieren, die momentan von zahlenden Touristen erlegt würden. Kalbermatter: «Ich frage mich einfach, wie man die Ertragsausfälle deckt, die durch allenfalls wegfallende Steinbock-Abschüsse entstehen.»

(sul)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kurt am 13.11.2019 18:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Regulierung OK - Trophäenjagt No Go

    Kranke Menschen, die sich daran aufgeilen ein Tier zu erlegen.

  • In Dog I Trust am 13.11.2019 18:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wow!

    Das freut mich und man sieht deutlich den Willen des Volkes. In unserer Demokratie muss das ernst genommen werden. Danke an den Journalisten, der auf diesen Missstand aufmerksam gemacht hat, das war und ist toll!

    einklappen einklappen
  • nabo am 13.11.2019 18:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ekelt mich an

    Ich unterstütze keine schiesswütigen, fettbäuchigen Amis, hab unterschrieben und bin nicht einfach irgend jemand, den es nicht gibt, nein bin Schweizerin.

Die neusten Leser-Kommentare

  • kiki am 14.11.2019 13:03 Report Diesen Beitrag melden

    Jagen ist ok

    Wenn ein Tier geschossen werden muss und alles verwertet wird ist es io auch die schönen Geweihe zu verkaufen. Aber nur wegen einer Trophäe darf kein Tier geschossen werden!

  • Haudensack am 14.11.2019 12:00 Report Diesen Beitrag melden

    Das Wallis war schon immer speziell

    Wenn nur die grössten Steinböcke mit den längsten Hörner geschossen, nimmt die Qualität der Tiere ab. Es sollten doch nur alte und kranke Tiere geschossen werden, so dass ein gesunder Wildbestand erhalten bleibt. Da lobe ich mir Wölfe, die wissen was sie tun.

  • Martin am 14.11.2019 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    Umsiedeln? Nicht regulieren?

    Wie dumm doch der Mensch von heute ist!? Urvölker könnten uns ach so zivilisierten Menschen sehr viel wertvolles lernen. Kein Respekt mehr den Tieren gegenüber. Nur immer Geld im Kopf. Alles kommt zurück.

  • wolf am 14.11.2019 08:46 Report Diesen Beitrag melden

    Trophäe

    Wo liegt das Problem bin zwar kein Jäger. Wenn ein Tier geschossen wird was mit dem Kopf passiert ist doch gar nicht wichtig. Hauptsache das Tier wir verwertet. Ob dann daraus eine Trophäe wird spielt keine rolle es ist ja der Kopf und die Hörner. Zu dem muss ich mal betonnen das Prinz Philipp Gründer war vom WWF und genau in seinen Schlösser hängen 1000 Jagt Trophäen. Und wer Unterstützt den WWF? Genau diejenigen die hier über etwas reden von sie keine Ahnung haben

  • Gina am 14.11.2019 08:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jagdgesetz

    Nicht nur das ist ein Problem, sondern auch die Revision des Jagdgesetzes. Bitte unterschreibt alle auch das Referendum gegen die Revision des Jagdgesetzes. Da geht es auch um Leben oder Tod.