Polizei liegen vier Fälle vor

27. Januar 2020 17:25; Akt: 28.01.2020 17:51 Print

Pferdeschänder in Bern und Solothurn unterwegs?

Ein Pferd hatte Verletzungen im Genitalbereich, ein Pony wurde mit Fesseln im Stall vorgefunden: In der Reitszene des Mittellandes fürchtet man sich vor einem Zoophilen.

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Die Meldungen häufen sich: Die Polizei in Bern und Solothurn wurde in den vergangen Tagen mehrmals wegen eines mutmasslichen Pferdeschänders alarmiert. Vier konkrete Meldungen mit Verdacht auf Zoophilie liegen den Ermittlern vor.

Die erste Meldung ging am 4. Januar aus Oberwangen bei Köniz BE ein. Schon hier wurde der Verdacht geäussert, dass ein Pferd Opfer eines Tierschänders geworden sein könnte.

Zwölf Tage später meldete sich die Mitarbeiterin eines Reithofs nahe Kirchberg BE bei der Kapo. Bei ihrem nächtlichen Kontrollgang habe sie eine besorgniserregende Entdeckung gemacht: Im Freilaufstall sei eines der Ponys angebunden gewesen. Das Tier wurde so festgemacht, dass es sich nicht mehr bewegen konnte. «Wir gehen davon aus, dass die Mitarbeiterin den Täter beinahe inflagranti erwischt hätte», sagt der Chef des dortigen Reithofs zu 20 Minuten. Der Eindringling habe wohl die Flucht ergriffen, als er die sich nähernden Schritte gehört habe.

Zwei weitere Meldungen aus Solothurn

Nur einen Tag später erhielten die Solothurner Kollegen einen beinahe identischen Anruf. Eine Stute soll am 19. Januar in Bettlach SO mit Verletzungen vorgefunden worden sein. Der Verdacht der Pferdebesitzer: Das Pferd wurde sexuell misshandelt.

Fünf Tage später gab es bereits eine weitere Meldung aus dem benachbarten Bellach SO. Die Besitzerin einer Pony-Herde meldete unnatürliche Verletzungen an ihrem Wallach. «Ich entdeckte die Blessuren bereits anfangs Jahr und wurde skeptisch. Dann, als ich von einer Reitkollegin hörte, dass ihr Pferd missbraucht worden sein könnte, erhärtete sich der schlimme Verdacht», sagt die Besitzerin. So habe auch sie umgehend die Polizei ins Bild gesetzt.

Die Ermittler der beiden Kantonspolizeien untersuchen nun sämtliche Fälle. «Wir haben auch Tierärzte aufgeboten, die die Verletzungen der Pferde genau untersuchen», sagt Polizeisprecher Bruno Gribi. Die Verletzungsbilder seien noch nicht definitiv ausgewertet. «Wir können also nicht sagen, ob die Tiere Opfer von Tierquälerei geworden sind», so Gribi. Man warte nun auf die Berichte der Veterinäre. Auch in Bern ist man dran, den Meldungen auf den Grund zu gehen, um herauszufinden, ob ein Tatbestand vorliegt. Und wenn ja, ob die einzelnen Fälle zusammenhängen könnten.

Kameras installiert

Während die Polizei ermittelt, ergreifen die Besitzer von regionalen Reithöfen Sicherheitsmassnahmen. Sie wollen ihre Pferde und Ponys vor allfälligen Übergriffen durch einen mutmasslichen Pferdeschänder schützen. Mehrere von ihnen geben an, Videokameras in den Ställen installiert zu haben. Auch würde man die Stalltüren nun stets verriegeln.

(miw)