Spiegel für Konsumenten

17. August 2018 05:45; Akt: 17.08.2018 09:47 Print

Fake-Supermarkt zeigt uns real, wie wir einkaufen

In Bern können Konsumenten ihr Einkaufsverhalten analysieren lassen – und so sehen, wie sich ihre Einkäufe auf Mensch und Umwelt auswirken.

Rundgang durch den Supermarkt (Video: Benjamin Hostettler/ Christian Holzer)
Fehler gesehen?

Verstecktes Palmöl, schlechte Arbeitsbedingungen, Pestizide, die unsere Umwelt verschmutzen: Konsumenten, die fair und nachhaltig einkaufen wollen, müssen allerhand beachten. Dabei sei das Angebot in hiesigen Supermärkten kaum noch zu überblicken, meint Marcel Anderegg von der Stiftung Biovision. Zusammen mit seinem Team hat er an der PHBern-Mediothek am Helvetiaplatz in Bern die Clever-Ausstellung ins Leben gerufen. Diese besteht aus einem künstlichen Supermarkt.

Falsche Fischstäbchen, Plastik-Peperoni, leere Pizza-Schachteln: In den Regalen ist alles fake – die Message aber echt: Clever will den Konsumenten den Spiegel vorhalten. Wer die interaktive Ausstellung besucht, wird aufgefordert, einen bestimmten Einkauf zu tätigen. In den Regalen stehen Produkte, die Schweizer bestens kennen: «Wir haben über hundert Produkte auf ihre Nachhaltigkeit überprüft bieten diese hier sozusagen zum Verkauf an», so Anderegg.

Plastik-Peperoni für einen nachhaltigeren Warenkorb

Entweder oder

Der Konsument wird bewusst vor schwierige Entscheidungen gestellt: fair, aber aus Fernost oder regional, dafür mit Pestiziden behandelt? Am Schluss geht es mit dem Warenkorb zur Kasse, wo der Konsument die Quittung für den Warenkorb erhält: Eine Grafik zeigt schliesslich die Nachhaltigkeit des Einkaufs auf. (siehe Video oben). Anderegg: «Verstecktes Palmöl in Kosmetika etwa sorgt immer wieder für grosse Augen.» Die Konsumenten könnten sehen, «wie sich ihre Einkäufe auf Mensch und Umwelt auswirken». Zweitens sollen die Besucher dadurch zu nachhaltigem Einkaufen motiviert werden.

Die Organisatoren erwarten nicht, dass Konsumenten nach der Ausstellung ihr Einkaufsverhalten völlig ändern. Anderegg: «Ich bin sicher, dass bei jedem Besucher etwas hängen bleibt.» Er sei bereits froh, wenn die Besucher danach etwas weniger Fleisch konsumieren oder mehr Bio-Lebensmittel kaufen.

Die Ausstellung wurde am Donnerstag offiziell eröffnet. Bis zum 19. September können Besucher dann montags bis samstags durch die künstliche Einkaufslandschaft schlendern – der Eintritt ist frei. Für Schulen und Gruppen gibts Führungen auch ausserhalb der Öffnungszeiten.


(cho)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Michi am 17.08.2018 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    Zum Thema einkaufen

    Immer wieder das gleiche Macht das Angebot die Nachfrage oder umbekert? Immer soll der Konsument schlussendlich schuld sein. Dabei würde vieles gar nicht gekauft würde es so nicht angeboten. Also Nachhaltigkeit beginnt schon viel früher z.B. beim Lieferanten und Produzenten. Was man nicht abstreiten kann alle wollen billig

    einklappen einklappen
  • Centurio am 17.08.2018 11:37 Report Diesen Beitrag melden

    Richtiges Angebot fehlt

    Ich will nicht so viel studieren und lesen müssen, stellt einfach die richtigen Produkte ins Regal, die nehme ich dann.

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  • Mary-Lou am 17.08.2018 11:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wirklich? Bin ernsthaft gwundrig

    Frage: Viele behaupten und schreiben es nonstop in den Foren. Gerne würde ich wissen, ob das wirklich stimmt: Wollt ihr alle möglichst billigen Food, egal ob ungesund, schwer belastet usw? Wenn ja, lebe ich wohl in einer Scheinwelt, denn ich lasse mir Nahrung etwas kosten.

Die neusten Leser-Kommentare

  • I. Kaufmann am 21.08.2018 08:46 Report Diesen Beitrag melden

    Konventionell soll ein Label erhalten

    Es sollte gerade umgekehrt sein: konventionelle Lebensmittel sollten als solche deklariert werden. Pestizidfreie, nachhaltige und faire sollten ohne Label auskommen. Verkehrte Welt.

  • Bodenständiger am 20.08.2018 22:56 Report Diesen Beitrag melden

    1 + 1 =?

    Das Meiste kaufe ich beim Biobauer um die Ecke (zu Fuss), Getreide von der hiessigen Mühle, selten überhaupt etwas im Supermarkt. Diesen Sommer musste ich Wasser vom Hahnen für meinen kleinen Garten nehmen und wurde deswegen übelst von Besserwissern angegangen. Das gekaufte, gespritze Gemüse vom Supermarkt mit dem Lastwagen wer weiss woher gekarrt, das ja sicher auch Wasser benötigte, ist bestimmt grösser im Ökofussabdruck als das Eigene. Es ist toll, dass die Menschen umweltbewusster werden, doch diese ewigen Belehrungen von Einigen (oft grün und Vielflieger) geht mir auf den Nerv.

    • B.R. am 21.08.2018 11:15 Report Diesen Beitrag melden

      Geb dir recht

      Unser Rasen sieht überl aus. Den haben wir nicht bewässert. Das Gemüsebeet schon. Diese undifferenzierten Regeln weil einige keine Prioritäten setzen können (oder etwas seltsame Prioritäten haben) ist schlimm.

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  • norina am 18.08.2018 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    kurz und bündig

    es ist nicht einfach, aber auch nicht unmöglich: codecheck app nutzen, mit der zeit die "guten produkte" kennen, saisonal und wenns geht regional einkaufen. oder hat jemand andere tipps? bestimmte marken? bestimmte läden?

  • Frau Witzig am 18.08.2018 09:18 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr geehrter Herr Anderegg

    mit ihrem Satz: "fair, aber aus Fernost oder regional, dafür mit Pestiziden behandelt?" stellen sie die Schweizer Produzenten unter Generalverdacht "unsauber" zu arbeiten. ihnen ist schon bewusst, dass FAIR aus der Ferne vorallem Obst/Gemüse mit Reifestoppern eingeschläfert und erst hier wieder aufgeweckt wird, damit es nicht schon vergammelt in die Regale kommt? Umweltschädigende Verpackungen und 1000deKM Transportweg nicht zu vergessen, teils unmenschliche Arbeitsbedingungen in den Produktionsregionen?...

  • Doedel Langlois am 18.08.2018 06:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit mir nicht!

    Einem Kunden falsche Fischstäbchen andrehen zu wollen, das ist Betrug! Ohne wenn und aber! Was soll das nun wieder?!