YB-Fans am Internetpranger

27. Februar 2019 19:32; Akt: 27.02.2019 19:35 Print

«Machen mich drei Pyros etwa zum Verbrecher?»

Die Kapo Bern sucht 16 Personen, die an der YB-Meisterfeier im Mai Pyrotechnik gezündet haben sollen. Nun wurden erste Fotos veröffentlicht.

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Nach der Eskalation an der YB-Meisterfeier im Mai sucht die Polizei nach wie vor nach den mutmasslichen Straftätern. Vor einer Woche wurde die Öffentlichkeitsfahndung angekündigt, nun tritt sie in Kraft. Die Kantonspolizei Bern hat verdeckte Bilder von Personen veröffentlicht, die laut Kapo verdächtigt werden, während der Feier im Mai 2018 auf dem Bundesplatz, in der Berner Innenstadt und/oder im Stade de Suisse verbotenerweise Pyros in der Nähe von Personen gezündet zu haben.

Moritz* ist seit mehreren Jahren leidenschaftlicher YB-Fan und zündet selber regelmässig Pyrotechnika an Fussballspielen: «Das gehört für mich zum Fussball dazu.» Auch an der Meisterfeier habe er einige Male stolz eine brennende Petarde in die Luft gestreckt: «So wie das Hunderte andere getan haben.»

Wenn die Fackel fällt

Die Pyrotechnik bestellt der Berner im Internet oder kauft sie in einem Laden für Schifffahrtszubehör in der Region. Die Fackeln seien nicht ungefährlich, die Flamme würde bis zu 2000 Grad erreichen: «Ausserdem sprühen viele kleine Partikel daraus, die immer noch ziemlich heiss sind und auch auf Personen nebenan regnen.» Er selber sei extrem vorsichtig, wenn er eine solche Fackel abbrenne. «Betrunken würde ich das nie machen. Wenn man die Fackel etwa fallen lässt, kann das katastrophale Folgen haben.»

Aus diesem Grund habe er etwa auch bei der Meisterfeier drinnen im Stade de Suisse keine Pyro gezündet. «Dort war nicht nur ich bereits betrunken, sondern praktisch das ganze Stadion.» Erst im Nachhinein habe er erfahren, dass dort eine Frau wegen einer Pyro schwer am Auge verletzt wurde: «Ich habe gehört, dass sie ein Augenlid verlor.» Das sei tragisch und er habe sogar Verständnis dafür, dass die Polizei versuche, den Schuldigen zu finden. «Aber dass jetzt 25 Fotos von Personen veröffentlicht werden, weil sie Pyros an der Meisterfeier gezündet haben, kann es auch nicht sein.»

Das Bildmaterial der Polizei

Er selber habe die Fahndungsfotos bereits gesichtet – von ihm sei kein Foto dabei. Das hätte er auch verstörend gefunden: «Ich habe zwei oder drei Pyros gezündet. Das macht mich doch nicht zum Verbrecher?»

Die regionale Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland gibt an, im Zuge umfangreicher Ermittlungen zahlreiche Foto- und Videoaufnahmen detailliert ausgewertet zu haben. Neun Tatverdächtige konnten bereits identifiziert werden. 16 weitere Personen blieben bislang trotz intensiver Fahndung unbekannt.

Galgenfrist abgelaufen

Die Polizei gab den Gesuchten bis zum heutigen Mittwoch eine Galgenfrist, in der sie sich selbst stellen konnten. Dies hat bislang jedoch keiner getan. Die bereits angedrohte Massnahme, Bilder der Gesuchten – wenn auch vorerst verdeckt – publik zu machen, ist nun in Kraft getreten. Die Fotos sind ab sofort unter Police.be.ch einsehbar.

Bereits wenige Stunden nach dem Verbreiten der Bilder scheint die Taktik Früchte zu tragen. Die Polizei nimmt am Mittwochnachmittag bereits erste Bilder vom Netz. «Es sind konkrete Hinweise zur Identität einer Person eingegangen», so Kapo-Sprecher Dominik Jäggi. Sobald genügend Hinweise zur Identität einer Person vorliegen würden, sei die Veröffentlichung des Bildmaterials nicht mehr gerechtfertigt.

In einem nächsten Schritt wird die Polizei, sofern sich niemand meldet, die Fotos unzensiert zeigen. Die Gesuchten haben bis zum 6. März Zeit, um sich bei der Polizei zu melden.

*Name geändert

(kat/cho)