Ringgenberg

03. Juli 2014 05:53; Akt: 03.07.2014 14:43 Print

Polizei rückt wegen falschem Polizeiauto aus

von Thomas Kohler - Das Miet-Polizeiauto einer Garage aus Sursee LU ist als Schutz gegen Einbrecher gedacht. Bei David Mulas hatte es die gegenteilige Wirkung: Es löste einen Polizeieinsatz aus.

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David Mulas posiert mit dem gemieteten Polizeiauto. (Bild: zvg)

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Heftiges Poltern an der Türe riss David Mulas (38) am Montagabend um 22 Uhr aus seiner Nachtruhe. Als er die Tür öffnete, traf ihn beinahe den Schlag: Draussen standen zwei Polizisten in Vollmontur. «Ich wurde angewiesen, sofort aus dem Haus zu kommen», erklärt er. Verdattert folgte er den Polizisten auf den eigenen Parkplatz vor seinem Chalet im beschaulichen Ringgenberg. Dort angekommen, dämmerte dem gelernten Koch, was den Polizeieinsatz ausgelöst haben könnte: sein gemietetes Fake-Polizeiauto.

«Mir wurden in kürzester Zeit sechsmal die Reifen bei meinem Alfa zerstochen», erklärt Mulas. Als Abschreckung mietete er für eine Woche ein Polizeiauto, das eine Luzerner Garage als Einbruch-Schutz anbietet. (20 Minuten berichtete)

20-Minuten-Artikel half der Polizei auf die Sprünge

«Sie schlichen um das Fahrzeug herum und fotografierten es von allen Seiten und Winkeln», sagt Mulas, «sie dachten wohl, dass ich das Auto irgendwo geklaut hätte.» Dass er für das Auto keinen Fahrzeugausweis zeigen konnte – dieser befand sich bei der Luzerner Garage – vereinfachte die ungemütliche Situation auch nicht. In der Folge wurde er von der Polizei angewiesen, das Fahrzeug aufzuschliessen. «Sie beleuchteten den Innenraum und nahmen alles genau unter die Lupe», schildert Mulas den Vorfall.

Klärung des Falls lieferte schlussendlich eine Zeitung auf dem Beifahrersitz: Dort befand sich in Folie eingepackt der frühere Bericht von 20 Minuten über das Miet-Polizeiauto. Nachdem die Polizei den Artikel gelesen hatte, entspannte sich die Situation allmählich. «Die zwei Polizisten wurden ganz anständig und sagten, dass sie mich nicht belästigen wollten», sagt Mulas. «Für mich ist das Ganze alles andere als ein Spass, ich fühlte mich wie ein Schwerverbrecher», ergänzt er.

Polizei rät von Nachahmungen ab

Bei der Kantonspolizei Bern bestätigt man den Vorfall: «Uns wurde ein fremdes Polizeiauto in Ringgenberg gemeldet», sagt Mediensprecher Christoph Gnägi, «es laufen nun weitere Abklärungen über mögliche Gesetzesverstösse.» Grundsätzlich sei die Aufschrift «Polizei» nicht geschützt. Nur mit der Kombination von Logos und Wappen werde der vorhandene Urheberrechtschutz verletzt, ergänzt er. Die Polizei rate aber von solchen Auto-Nachahmungen ab.

Dies hat David Mulas am eigenen Leib erfahren. Den Humor hat er trotzdem nicht verloren: «Eigentlich wollte ich nur ein Polizeiauto und nicht noch die Polizei dazu», sagt er. Bestellen würde er das Fake-Auto auf jeden Fall nicht nochmals.

Bei Auto Birrer in Sursee reagiert man gelassen auf den Vorfall: «Wir dachten, dass man das Auto inzwischen kennt», sagt Geschäftsführer Andreas Birrer. Denn: Die Idee, ein Polizeiauto zur Abschreckung von Einbrechern zu vermieten, stiess in ganz Europa auf Interesse (20 Minuten berichtete). «Einmal mehr schreibt das Auto eine Geschichte», freut sich Birrer. Das Auto werde auch in Zukunft vermietet.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas am 03.07.2014 06:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    PR

    Geile PR Aktion!

  • Hamlet am 03.07.2014 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Staatsgewalt

    Wenn der Staat was will, dann gilt gar nichts mehr, aber wenn der Bürger was will, dann soll er sich gefälligst an die Öffnungszeiten halten.

  • meier am 03.07.2014 07:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    abschreckung wo?

    inzwischen müsste wohl auch jedem kriminellen bekannt sein, dass das auto nicht echt ist und sowieso, schon mal ein hyundai patrouillen fahrzeug gesehen? hmmm..

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hamlet am 03.07.2014 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Staatsgewalt

    Wenn der Staat was will, dann gilt gar nichts mehr, aber wenn der Bürger was will, dann soll er sich gefälligst an die Öffnungszeiten halten.

  • Sandro Brunner am 03.07.2014 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    Es geht nicht nur um Urheberrechtschutz

    Im Strassenverkehrsgesetz steht ausdrücklich, "wer die besonderen Warnsignale der Polizei nachahmt oder wer sich die Verwendung von Kennzeichen der Verkehrspolizei anmasst, wird mit Busse bestraft". Der Fall dürfte somit klar sein!

  • Kopfschüttel am 03.07.2014 10:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und schon wieder macht sich die Polizei lächerlich

    Sechs (6!) mal wurden die Reifen des privaten Autos verstochen - die Polizei glänzt durch Abwesenheit. Kaum steht die gemietete Polizei-Attrappe am selben Ort wird die Polizei sehr aktiv und munter. Ja, sie kommt sogar persönlich selbst vorbei!

    • Till Sitter am 03.07.2014 21:45 Report Diesen Beitrag melden

      @Kopfschüttel

      Ja ein Skandal, dass die Polizei die Reifen nicht besser bewacht hat.

    • FaulerSack am 05.07.2014 10:22 Report Diesen Beitrag melden

      Ja dachte ich auch. Die Polizei

      bei uns betreibt nur noch Aktionismus oder konzentriert sich auf kleine Fische. Ist halt bequemer.

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  • Zack am 03.07.2014 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    US Streifenwagen

    Was ist eigentlich mit US Streifenwagen darf man die in CH fahren? Ich weiss nur das es in D erlaubt ist, aber was ist mit CH?

  • Peter Weber am 03.07.2014 08:47 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Polizeiauto ist doch kein Schutz

    Hat wirklich einer geglaubt, dass die Polizei Verbrecher abschreckt? Die Einbrecher wissen doch auch, dass die Polizei mit Parkbussen voll ausgelastet ist und keine Zeit hat, die Bevölkerung zu schützen.

    • Polizist am 03.07.2014 15:29 Report Diesen Beitrag melden

      Keine Ahnung

      Danke Herr Weber, dass Sie offenbar so gut Bescheid wissen über meinen Beruf.

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