Mann in Haus verschanzt

23. Januar 2020 16:56; Akt: 23.01.2020 17:12 Print

«Zuerst der Rammbock, dann die Rauchbomben»

Die Kantonspolizei Bern hatte am Mittwochabend einen mehrstündigen Einsatz. Ein Mann drohte sich selbst und anderen Personen etwas anzutun.

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Die Kantonspolizei Bern erhielt am Mittwoch, kurz nach 19.40 Uhr, die Meldung, dass sich im bernischen Boll ein Mann aufhalte, der möglicherweise bewaffnet war und sich oder anderen Personen etwas antun wollte. Schwer bewaffnete Polizisten umstellten daraufhin das Haus und riegelten die Umgebung ab. Während des Einsatzes verdichteten sich die Anzeichen, dass der Mann Gewalt gegen andere anwenden würde, wie die Kapo mitteilt.

Leser-Reporter filmten den Einsatz:


«Dachte zuerst, an einen Bombeneinsatz»

Der nächtliche Polizeieinsatz brachte viel Wirbel ins idyllische Boll und löste Angst aus: «Ich war schockiert, als ich aus dem Fenster sah und all die schwer bewaffneten Polizisten sah», sagt eine Anwohnerin zu 20 Minuten. Leser-Reporter Y. W.* fuhr am Mittwochabend nach seiner Arbeit nach Hause. Dort angekommen, bemerkte er das enorme Polizeiaufgebot. «Ich dachte zuerst, dass es ein Bombeneinsatz ist», erzählt der 22-Jährige. «Ich wusste nicht genau, was geschah, ich war überrascht vom grossen Polizeiaufgebot.» Als er vor das umstellte Gebäude lief, sah er Dutzende Polizisten mit Maschinenpistolen und Kampfmontur.

«Ich habe gesehen, wie die Polizei ins Haus gestürmt ist», so W., «sie haben die Tür mit einem Rammbock aufgebrochen, Rauchbomben gezündet und dann geschrien.» Die Polizei forderte den Mann auf, mit erhobenen Händen herauszukommen. Wie der Mann letztlich herausgeführt wurde, konnte W. nicht beobachten.

Bewohner mussten Wohnung verlassen

Mehrere Nachbarn waren vom Einsatz direkt betroffen und mussten ihre Wohnungen verlassen. «Vier Stunden mussten wir im Gemeindesaal ausharren, bis der Einsatz vorbei war», erzählt ein Nachbar. «Meine Partnerin hatte die ganze Zeit über Angst.» Der Nachbar lief dem Mann öfters im Treppenhaus über den Weg. «Er war nie gewalttätig zu anderen», so der Anwohner. «Aber die Polizei war auch schon bei ihm, jedoch nie wegen gröberen Sachen.» Es sei allerdings nicht das erste Mal gewesen, dass der Mann gedroht habe sich etwas anzutun. Er könne sich trotzdem nicht vorstellen, was den Mann dazu bewogen hat, Polizisten zu bedrohen: «Ich weiss nicht, was mit ihm los war.»

In Institution gebracht

Kurz vor 1 Uhr morgens gelang es der Polizei schliesslich, den Mann mit einem Taser zu überwältigen. Dieser trug bei der Festnahme einen Gegenstand auf sich, der laut Kapo einem Rohr ähnelte. Inwiefern der Mann Zugang zu Waffen hatte, ist derzeit noch unklar. Er wurde nach medizinischer Versorgung in eine geeignete Institution gebracht, wie die Polizei schreibt.

* Name der Redaktion bekannt

(rc)