Bei Blaulichteinsatz in Bern

18. Juli 2019 10:15; Akt: 18.07.2019 14:57 Print

«Mein Sohn wurde von der Polizei erschossen»

Bei einem Polizeieinsatz in Bern ist ein 36-Jähriger schwer verletzt worden. Trotz sofortiger Rettungsmassnahmen ist er verstorben.

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Am Mittwochabend hat die Polizei in Bern einen 36-jährigen Mann erschossen. Der Mann war zuvor aus einer psychiatrischen Klinik abgehauen. Danach suchte der polizeilich bereits bekannte Schweizer ein Wohnhaus im Berner Schosshaldequartier auf. Die alarmierte Polizei rückte in die Liegenschaft am Kuhnweg aus. Dort, im gepflegten Zweifamilienhaus, eskalierte die Situation: Nach Angaben der Polizei war der Mann bewaffnet. Es sei zu einer für die Polizei bedrohlichen Situation gekommen. Ein Polizist feuerte in der Folge einen Schuss auf den Mann ab – und verletzte den 36-Jährigen so schwer, dass dieser später im Spital verstarb.

«Schon als Kind im Heim»

Wie Recherchen von 20 Minuten zeigen, handelt es sich beim Erschossenen um Reto K.* (36), den erwachsenen Sohn des dort wohnhaften Ehepaars. Der Vater, der am Tag nach dem Vorfall sein Zuhause aufsucht, bestätigt: «Es war mein Sohn, der erschossen wurde.» Bekannte der Familie wissen: «Der Sohn hatte schon lange grosse Probleme und lebte deshalb seit seiner Kindheit in Heimen.» Wieso der Mann mit einer Schusswaffe bei den Eltern aufkreuzte, wissen sie nicht. «Er war nicht oft zuhause, nur manchmal kam er zum Essen vorbei», so die Bekannten.

«Wir wussten lange nicht, was hier bei uns in der Strasse los ist», sagt ein Nachbar. «Zuerst war die Polizei vor Ort, dann ein Krankenwagen und die Feuerwehr.» Schliesslich sei die ganze Strasse abgeriegelt worden. «Erst nach Mitternacht sind die Polizisten wieder abgezogen», so der Nachbar.

«Die Situation ist sehr belastend»

Bei der Polizei wird der Vorfall nun genau geklärt, Ermittlungen rund um den abgefeuerten Schuss laufen auf Hochtouren. Mit den polizeilichen Ermittlungen ist ein ausserkantonales Polizeikorps beauftragt worden. «Die Kantonspolizei Zürich ermittelt unter der Leitung der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland », wie Polizeisprecher Christoph Gnägi gegenüber 20 Minuten bestätigt. Derzeit hat der Vater des Verstorbenen den Tatort aufgesucht. Gemeinsam mit der Polizei befindet er sich nun im Haus.

Auch auf emotionaler Ebene müsse jetzt gearbeitet werden, wie Polizeisprecher Gnägi bestätigt: «Sie können sich vorstellen, dass dies für alle Beteiligten – dazu zählen sowohl unsere Mitarbeitenden wie auch Angehörige des Verstorbenen – eine sehr belastende und tragische Situation ist. Es geht hier um den Tod eines Menschen.» Entsprechend sei die psychologische Betreuung aller involvierten Personen bei Bedarf gewährleistet.

*Name der Redaktion bekannt

(km / miw/sda)