Inselspital

05. Juni 2018 18:10; Akt: 05.06.2018 18:28 Print

Neue High-Tech-Drohnen könnten Leben retten

Nach über 1000 Testflügen in Lugano nimmt nun auch das Inselspital Bern an einem Projekt der Post teil. Um etwa Blutproben zu transportieren setzt das Spital neu auf Drohnen.

Am Dienstagmorgen stellte die Inselgruppe in Zusammenarbeit mir der schweizerischen Post die neue Drohne vor, die zukünftig Blutproben vom Spital Tiefenau ins Inselspital fliegen wird. (Video: Raphael Casablanca)
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Eine bewusstlose Patientin wird ins Spital Tiefenau eingeliefert. Nach ersten Untersuchungen hegt der Arzt den Verdacht, dass sie an einem Leberversagen leiden könnte. Um solche Verdachte zu erhärten werden jedoch Spezialuntersuchungen benötigt. Da nicht jedes Spital über entsprechende Labors verfügt, werden diese Tests meist in Unispitälern wie der Insel durchgeführt.

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«Heute verwenden wir für den Transport zwischen dem Tiefenau- und dem Inselspital Velokuriere oder Taxis», sagt Dr. Fried-Michael Dahlweid, Direktor für Technologie der Inselgruppe. Diese bräuchten jedoch je nach Verkehrssituation für die fünf Kilometer lange Strecke zum Labor 15 bis 20 Minuten. Um diese Zeit zu verkürzen, testen die Ärzte nun Drohnen, welche die Proben vom einen Spital ins andere fliegen. «Mit Hilfe von solchen Drohnen können wir die Transportdauer von 15 auf maximal sechs Minuten reduzieren. Da sich die Patienten in lebensbedrohlichen Situationen befinden, zählt in solchen Momenten jede Minute», so Dahlweid.

Über 1000 Testflüge in Lugano

Vor knapp einem Jahr fanden in Lugano die ersten Versuche mit der neuen Drohnentechnologie statt. Dort ist man äusserst zufrieden: «Das Projekt in Lugano verlief sehr gut. Wir konnten über 1000 Testflüge durchführen», sagt Claudia Pletscher, Leiterin für Entwicklung der Schweizerischen Post. «Es gab ein grosses Echo aus dem Gesundheitswesen. Seitdem erhalten wir sehr viele Anfragen von potentiellen Interessenten.»

Neue Drohnentechnologie könnte Leben retten

Nun nimmt auch die Stadt Bern am Pilotprojekt der Schweizerischen Post teil. Gemeinsam mit dem Drohnenhersteller Matternet stellt die Post ab sofort die Flugverbindung zwischen dem Spital Tiefenau und dem Universitätsspital Insel sicher. «Wir sind weltweit das erste Unternehmen, das autonome Drohnenflüge mit einer öffentlichen Bewilligung durchführen darf», so Pletscher.

Andere Technologie

Die Drohne erreicht Geschwindigkeiten von rund 70 km/h und fliegt aus Sicherheitsgründen «eine intelligente Route» über Wald und Fluss statt des direkten Weges. Der Aspekt der Sicherheit wurde vom Bundesamt für Zivilluftfahrt ausgiebig geprüft und die Drohnen schliesslich für die öffentliche Nutzung bewilligt. Während einem Testflug auf dem Dach des Inselspitals waren auch US-Vertreter der Herstellerfirma vor Ort: «Diese Drohne wurde speziell für bewohnte Gebiete gebaut und ist eine enorme Weiterentwicklung der Drohnentechnologie», sagt Oliver Evans, Head of Global Business von Matternet.

Die Drohne wird im Fachjargon «mit Elektromotoren angetriebener Quadrokopter» genannt. Die Drohne kann Transporte von bis zu zwei Kilogramm durchführen und erreicht eine Höhe von ungefähr 110 Metern. Von da an bewegt sich die Drohen selbstständig mit einer Geschwindigkeit von 20 Metern pro Sekunde zum programmierten Landeplatz.

Die Drohne verfügt nicht nur ein mehrstufiges 3D-Geofence, welches die Umgebung erkennen und einstufen kann, sondern auch über einen Fallschirm, der sich bei einem Fall automatisch öffnet. Einzig bei Regen kann die Drohne heute noch nicht geflogen werden.

(rc)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stubi am 05.06.2018 18:39 Report Diesen Beitrag melden

    Sonntagsflieger

    Ich würde die Technologie wohl noch durch eine Art Blaulichtsignal ergänzen, dass Hobbydrohnen automatisch ausweichen lässt. Sonst ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis ein Sonntasflieger die erste vom Himmel holt :-)

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  • Cherokee am 05.06.2018 19:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleich ist nicht Gleich

    Man muss in der Schweiz nur genügend Geld auf den Tisch legen, dann bekommt man stitch von Bern sehr schnell grünes Licht. Wie sieht es hier mit dem vom BAZL geforderten Sichtkontakt aus? Oder mit dem Überfliegen von Menschenansammlungen von mehreren Dutzend Menschen (laut BAZL)?w Aber offensichtlich werden wir professionellen Drohnenfluganbieter nicht mit denselben Ellen gemessen! :-(

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  • Streichler am 05.06.2018 20:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rohrpost

    Wie währe es eigentlich mit einer unterirdischen Röhrenpost gewesen? Diese Technologie existiert schon ewig, hat man sich das damals gespart als die Spitäler gebaut wurden?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Irene Z. am 12.06.2018 09:41 Report Diesen Beitrag melden

    Drohnen Raum Bern

    Ich bin überhaupt nicht begeistert! Wieder nimmt die Lärmbelastung für die Anwohner, welche sich in der Nähe der Flugroute befinden, zu! Werden die Proben überhaupt dann schneller im Labor getestet. Sonst bringt es gar nichts. Unterirdische Übermittlung wäre viel sinnvoller!

  • A.Erger am 06.06.2018 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    Zuverlässig?

    Das scheint mir nicht so eine super Sache zu sein. Die Propeller drehen ja die halbe Zeit gar nicht richtig!

  • Schweizer am 06.06.2018 08:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und ich dachte ..

    Drohnen seien des Teufels, wenn man such die Letzten Berichte und Lesermeinungen angeschaut hat .... ? Übrigens, diese surren auch inder Luft umher und haben evt. auch Kameras und noch viel mehr an Bord.

    • Rolf Gysling am 06.06.2018 08:50 Report Diesen Beitrag melden

      @Schweizer

      Und Kameras sind ja sowieso des Teufels. In der Zwischenzeit hat wohl jeder Fussgänger eine dabei (Handy) oder sogar 2 oder 3. Meine Güte. Oh, was könnte denn sonst noch an Bord sein? Eine Minibar hoffe ich ;-)

    • Schorsch am 06.06.2018 08:57 Report Diesen Beitrag melden

      @Schweizer

      Viel schlimmeres einer ich Wutbürger.

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  • Paede am 06.06.2018 08:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leben retten ist unmöglich

    Leben kann man nicht retten, es endet für alle immer tödlich! Menschen, Tiere kann man retten!

  • erfahrener Drohnenbauer am 06.06.2018 00:36 Report Diesen Beitrag melden

    Ich musste einfach nur lachen

    Die Landung meiner Drohnen dauert nicht mal halb so lang, baue schon seit 18 Jahren ähnliche Drohnen, aber die haben wesentlich mehr Power!

    • Rolf Gysling am 06.06.2018 09:04 Report Diesen Beitrag melden

      Kaum

      Das hat nichts mit Power zu tun sondern mit Präzisionslandung auf einem Beacon... Das geht Systembedingt nicht viel schneller, und wenn Sie wissen wie es geht, dann Bewerben Sie sich doch bei Matternet. Abgesehen davon baut niemand seit 18 Jahren Drohnen, da die nötigen ESC und Flightcontroller erst seit einigen Jahren (8) in bezahlbaren Sphären und allgemein Zugänglich sind.

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