Tierquälerei-Prozess

09. Oktober 2019 14:37; Akt: 09.10.2019 17:55 Print

Halterin trotz Zweifel des Richters freigesprochen

Eine Hundehalterin soll ihre drei Hunde auf brutalste Weise getötet haben. Nun wurde sie freigesprochen.

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In dubio pro reo – Im Zweifel für den Angeklagten. Nach diesem Grundsatz wurde D. M.* am Mittwoch in allen Punkten freigesprochen. Die 26-jährige Bernerin musste sich unter anderem wegen Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz durch Misshandeln und Töten von drei Hunden verantworten. Ihre drei Hunde starben im Februar 2018 einen qualvollen Tod, nachdem sie Gift und Rasierklingen geschluckt hatten.

Für die Staatsanwaltschaft war es erwiesen, dass die Frau den Jagdterrier Franky und die beiden Malinois Hidalgo und Dart selber umgebracht hatte. «Direkte Beweise, dass die Angeklagte die Täterin ist, liegen nicht vor», sagte Richter Manuel Blaser am Mittwoch bei der Urteilsverkündung. «Es gibt jedoch mehrere Indizien, die für die Tat sprechen.» Der Richter gab deutlich zu Protokoll, dass er keineswegs von der Unschuld M.s überzeugt sei. So habe die Frau wenig Interesse an den Ermittlungen der Polizei gezeigt, sei für die Beamten nur schwer zu erreichen gewesen und habe selber keine Anzeige eingereicht. «So ein Verhalten erwartet man nicht von jemanden, dem drei Hunde getötet wurden.» Ausserdem seien ihre Aussagen nicht widerspruchsfrei gewesen. Blaser: «Sie waren im besten Fall mässig überzeugend.»

So schilderte die Hundehalterin das Drama im Februar 2018. (Video: ct)

Schulden und auf Wohnungssuche

Auch habe die Ex-Hundehalterin durchaus Motive gehabt, das Ableben der drei Hunde herbeizuführen: «Sie hatten zu diesem Zeitpunkt Schulden. Drei Hunde zu halten ist nicht billig.» Ausserdem sei M. wegen der Hunde aus der Wohnung geworfen worden und gerade auf Wohnungssuche gewesen. «Das ist schwierig mit drei Hunden», so der Richter. Die Indizien und Motive würden jedoch nicht ausreichen um M. zu verurteilen, so Blaser: «Es ist jedoch ein Freispruch in dubio.»

M., mit neuer Haarfarbe und in Weiss gekleidet, war sichtlich erleichtert, als ihr das Urteil eröffnet wurde. Immer wieder musste die Frau das Weinen unterdrücken. Stunden zuvor hatte sie in einem emotionalen Prozess versucht, das Gericht von ihrer Unschuld zu überzeugen.

«Ein Skandal»

Dass seine Mandantin als Angeklagte vor dem Gericht stehe, sei «ein Skandal», fand der Verteidiger. Die junge Frau sei nicht Täterin, sondern Opfer.

Die Strafverfolgungsbehörden hätten sich mit Tunnelblick auf seine Mandantin eingeschossen und es sich zu einfach gemacht. Natürlich habe die junge Frau damals hohe Schulden gehabt und sei wohl mit ihren drei nicht einfachen Hunden an ihre Grenzen gestossen. Doch wäre sie wohl kaum mit den schwer kranken Tieren spätabends noch in eine Tierklinik gefahren für eine Notoperation, wenn sie ihre Hunde hätte loshaben wollen. Sie hätte sie einfach verenden lassen können, das wäre wesentlich einfacher gewesen, folgerte der Verteidiger.

Drei Anklagepunkte

Die Halterin sammelte nach dem Vorfall Geld, um Menschen in einer ähnlichen Situation zu helfen – 19'000 Franken kamen zusammen. Deswegen wurde sie unter anderem auch wegen Betrugs angeklagt – doch auch in diesem Punkt wurde sie freigesprochen. Wobei der Richter auch hier Zweifel hatte: «Das Geld war für die Kosten der Notoperation gedacht und als Spende für Menschen in ähnlichen Situationen. Dennoch ist es noch immer auf dem Konto», so Richter Blaser. Es sei unklar, wofür dieses Geld nun ausgegeben werde. «So haben sich ihre Spender das sicherlich nicht vorgestellt.»

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

*Name der Redaktion bekannt

(rc)