Bellmund BE

10. Juni 2009 06:42; Akt: 10.06.2009 10:07 Print

Prügelnder Bauer terrorisiert ganzes Dorf

von Adrian Müller - Ein Landwirt aus Bellmund im Seeland verprügelt seit Jahren unbescholtene Bürger. Der Mann gerät immer wieder ausser Kontrolle: Allein in den letzten zwei Wochen hat er zwei Personen spitalreif geschlagen. Ein ganzes Dorf lebt in Angst und Schrecken.

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Die schöne Aussicht auf den Bielersee trügt: In Bellmund im Berner Seeland verbreitet ein aggressiver Bauer Angst und Schrecken.

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Eigentlich ist die 1400-Seelen-Gemeinde Bellmund ein Kaff wie jedes andere im Berner Seeland. Neben der Post gibt es lediglich noch einen Coiffeur. Eine friedliche Schlafgemeinde, wäre da nicht der aggressive Bauer Hans W. Der manisch- depressive Landwirt terrorisiert das Dorf seit 20 Jahren. Immer wieder kommt es zu wüsten Übergriffen auf die Bürger.

«Er hätte mich totgeschlagen»

Der jüngste Fall ereignete sich letzte Woche. Eine Spaziergängerin suchte nach ihrem Hund, als plötzlich ein Auto mit hoher Geschwindigkeit auf sie zufuhr. «Ich konnte mich gerade noch mit einem Sprung in die Grube retten.» Doch der Bauer geriet weiter in Rage: «Er stieg aus und begann mich wüst zu beschimpfen und zu schlagen», erzählt Opfer Nadine S. dem «Bieler Tagblatt.» Die Frau hat Anzeige eingereicht und ist überzeugt: «Wäre nicht per Zufall ein anderer Landwirt vorbeigekommen, hätte er mich totgeschlagen.»

Mehrmals verurteilt

Die Angst der Frau ist nicht unbegründet: Bauer Hans W. verliert seit Jahren die Kontrolle über sich, wenn er seine Medikamente nicht einnimmt. Dies ist offenbar seit drei Wochen wieder der Fall. Allein in den letzten zwei Wochen habe er drei ihm nahestehende Personen zusammengeschlagen, sagt Anwohner Jürg W. gegenüber 20 Minuten Online. Zwei davon mussten sich in Spitalpflege begeben. «Doch wenn man ihn anzeigt, verprügelt er einen nochmals. Für ihn gilt das Faustrecht.» Zwei Betroffene hätten aus Angst vor Übergriffen keine Anzeige eingereicht. Das ganze Dorf habe Angst. «Sogar die Schulkinder machen extra einen Umweg, um dem Bauern nicht zu begegnen.» Für Jürg W. ist klar: «Dieser Mann ist gemeingefährlich. Entweder bekommt er sich wieder in den Griff, oder man muss ihn verwahren.»

Klapsmühle nützte nichts

Auch der Nidauer Regierungsstatthalter Werner Könitzer hat unliebsame Bekanntschaft mit dem prügelnden Bauer gemacht: «Hans W. hat sich zur Zeit nicht im Griff.» Während den letzten sechs Jahren sei es dem kranken Landwirt gut gegangen. Auch der Regierungsstatthalter steht im Schussfeld: «Hans W. hat mich verschiedentlich auf übelste Art und Weise beleidigt.» Bei Worten blieb es aber nicht: Hans W. wurde schon etliche Male wegen einfacher Körperverletzung und Tätlichkeiten verurteilt, erklärt Könitzer gegenüber 20 Minuten Online. Dies sei mit ein Grund, wieso er mehrmals zwangsweise in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden sei.

Bauer bedroht Bieler Tagblatt

Doch der Bauer konnte immer wieder auf seinen Hof zurückkehren. Und verbreitet in Bellmund wieder Angst und Schrecken. Nicht nur dort: Am Dienstag, nach der Publikation des Artikels im Bieler Tagblatt, rief er in der Redaktion an und sprach schwere Drohungen aus.

Die Verantwortlichen der Gemeinde Bellmund wollten auf Anfrage keine Stellung nehmen. Gegenüber dem Bieler Tagblatt liessen sie verlauten, dass der Mann offiziell krank sei und man einen Mediator eingeschaltet habe. Regierungsstatthalter Könitzer verweist auf die Untersuchungen der Polizei. «Den Mann wieder in eine psychiatrische Klinik einzuweisen, ist nur eine von vielen Möglichkeiten, welche wir in Betracht ziehen.» Die Einwohner von Bellmund fragen sich: Was muss noch alles passieren, bis die Behörden endlich durchgreifen?